Kaum Flugzeuge über dem Iran, dafür über Afghanistan: Route zwischen Europa nach Asien.

Bei Airlines wieder beliebterWie Flugzeuge ohne Flugsicherung über Afghanistan fliegen

Wer derzeit von Asien nach Europa fliegt, überquert häufig auch Afghanistan - obwohl es dort seit Jahren keine reguläre Flugsicherung mehr gibt. Möglich macht das ein besonderes Verfahren und ein System namens Bobcat.

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Luftfahrt

Als die Taliban im August 2021 erneut die Macht in Afghanistan übernahmen, brach auch die zivile Flugsicherung weitgehend zusammen. Viele Fluggesellschaften mieden den Luftraum daraufhin vollständig. Inzwischen ist das Bild jedoch ein anderes. Sperrungen und Konflikte in anderen Regionen haben zahlreiche Fluggesellschaften dazu veranlasst, ihre Routen anzupassen, und immer mehr Flugzeuge überqueren wieder Afghanistan.

Denn der Weg über Afghanistan ermöglicht es den Airlines, Zeit und Treibstoff zu sparen im Vergleich zu großen Umwegen, die sonst nötig wären. Allerdings drängt sich die Frage auf: Wie kann das funktionieren, wenn es in dem Land praktisch keine Flugverkehrskontrolle gibt?

Besatzungen fliegen über Afghanistan im Notfallverfahren

Die Antwort lautet: Innerhalb des Luftraums Kabul Flight Information Region (Kabul FIR) fliegen die Besatzungen nach einem Notfallverfahren. Anstatt Anweisungen von Lotsen zu erhalten, melden sie ihre Position regelmäßig selbst auf einer gemeinsamen Funkfrequenz und informieren somit andere Flugzeuge über die eigene Flughöhe und Route. Dieses Verfahren trägt den Namen Traffic Information Broadcast by Aircraft, kurz TIBA. Die Piloten übernehmen damit einen Teil der Aufgabe, die normalerweise die Flugsicherung erledigt.

Damit dabei nicht zu viele Flugzeuge gleichzeitig dieselbe Strecke nutzen, greift bereits Stunden vorher ein anderes System ein: Bobcat. Hinter dem ungewöhnlichen Namen verbirgt sich weder eine nordamerikanische Wildkatze noch eine Baumaschine. Die Buchstaben stehen für Bay of Bengal Cooperative Air Traffic Flow Management System. Bobcat sitzt dabei nicht in Afghanistan selbst, sondern wird von der Flugsicherung in Bangkok betrieben.

Bobact dosiert den Verkehr, später werden Crews selbst aktiv

Neu ist das System nicht, denn die Afghanistans Flugsicherung bedeutete für Besatzungen schon immer eine Herausforderung. Nachdem die Bobcat-Verfahren für Afghanistan 2021 ausgesetzt worden waren, wurden sie im September 2025 wieder eingeführt, weiß die Ops Group. Der Grund war, dass wegen der angespannten Lage in Teilen des Nahen Ostens und anderer Luftraumsperrungen wieder deutlich mehr Flüge über Afghanistan geplant wurden.

Bobcats Aufgabe besteht darin, den Verkehr zu dosieren. Flugzeuge erhalten Zeitfenster für den Einflug in den afghanischen Luftraum, sodass sie sich entlang der wichtigsten Luftstraßen mit ausreichendem Abstand begegnen. Erst danach beginnt der Teil, in dem die Crews die Flugzeuge mithilfe der TIBA-Verfahren selbst voneinander fernhalten.

Nicht alle Flüge bekommen ein Afghanistan-Zeitfenster

Dabei gilt Bobcat keineswegs für alle Flüge. Zeitfenster werden nur für westwärts fliegende Flugzeuge vergeben, die zwischen 20 und 24 Uhr Weltzeit (UTC) in den Luftraum über Afghanistan einfliegen und dabei unterhalb von rund 12.500 Metern fliegen. Die Anträge müssen die Airline täglich bis 12 Uhr UTC einreichen. Anschließend berechnet das System, wann die Flugzeuge starten beziehungsweise die Grenze des Luftraums erreichen sollten.

Das ersetzt allerdings keine Sicherheitsbewertung. Wer Afghanistan überfliegen will, benötigt weiterhin eine Genehmigung der afghanischen Behörden, muss Versicherungsfragen klären und eine eigene Risikoanalyse durchführen. Bobcat regelt ausschließlich den Verkehrsfluss, nicht die Frage, ob ein Flug durch den afghanischen Luftraum durchgeführt werden sollte.

Komplexes Zusammenspiel bleibt Reisenden verborgen

Für Fluggäste bleibt davon meist nur eines sichtbar: Ihr Flug führt wieder über Afghanistan. Dass dahinter weder eine klassische Flugsicherung noch Radarführung stehen, sondern ein komplexes Zusammenspiel aus Zeitfenstern, Selbstkoordination der Cockpitcrews und einem Verkehrsmanagement aus Bangkok, wissen dagegen die wenigsten.

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