Die Fernsehserie «Die fliegenden Ärzte» war eine der erfolgreichsten der Achtziger- und frühen Neunzigerjahre. In einer GAF Nomad gingen die Mediziner im Outback auf Krankenbesuche, unternahmen Rettungsflüge, und so mancher Kuss wurde im Cockpit oder an Bord ausgetauscht. Der zweimotorige Schulterdecker wurde auch von den australischen Streitkräften eingesetzt - aber Mitte der Neunzigerjahre ausgemustert.
30 Jahre später trennt sich Australien von einem weiteren Veteranen der Lüfte. Mitte Juni fand der allerletzte militärische Flug der PAC CT/4 Airtrainer statt - ein Ehrenflug zum Abschied. Unter Veteranen auf dem fünften Kontinent löste das die eine oder andere versteckte Träne aus. Mit 7,06 Metern Länge war das zweisitzige Schulflugzeug des neuseeländischen Herstellers Pacific Aerospace sogar etwas kleiner als ein Fußballtor (7,32 Meter).
Wehmut aus guten Gründen
Dabei flogen bereits 1992 die letzten 18 CT-4A in Formation von Point Cook nach Wagga zur Einlagerung – in einem großen Abschiedsflug über Melbourne. Später wurde ein Exemplar als Heritage-Flieger wieder flottgemacht, um die Erinnerungen an den Zweisitzer wachzuhalten und ehemalige Piloten zu würdigen. Wing Commander David Chaplin, der Mitte Juni den letzten Demonstrationsflug durchführte, flog laut dem Verteidigungsministerium selbst erstmals 1980 als junger Luftwaffenangehöriger in Point Cook mit einer PAC CT/4 Airtrainer. Für ihn verkörperte das Flugzeug «den Beginn unzähliger militärischer Pilotenkarrieren». Seinen Abschiedsgruß richtete er auch an die Fluglehrer, Techniker, Fluglotsen und Verwaltungsmitarbeitenden.
Was aber war das Besondere an dem kleinen, fast unscheinbaren Propellerfluggerät? Es wurde in Neuseeland als militärische Trainingsversion der australischen Victa Aircruiser entwickelt. Die Royal Australian Air Force erhielt ihre ersten CT/4A 1975. Der wendige Miniflieger war nicht nur für Beginner leicht zu bedienen, sondern auch kunstflugtauglich. Laut Chaplin wurden unten mit der CT/4A nicht nur Luftwaffenangehörige, sondern auch Anwärter und Anwärterinnen des Heeres und der australischen Marine ausgebildet.
Seite an Seite in der PAC CT/4 Airtrainer
Außerdem saßen Ausbilder und Schüler nebeneinander und nicht wie sonst hintereinander, und sie hatten dank der Blasenkanzel (ähnlich wie bei einer Lockheed Martin F-16 Fighting Falcon) eine gute Rundumsicht auf die Hochländer, Berge, Wüsten, Plateaus und die Alpen ihres Landes. Diese ließ sich im Notfall sogar abstoßen, sodass sich das Tandem in James-Bond-Manier mit dem Fallschirm in Sicherheit bringen konnte.
In einem Land, das geografisch als Kontinent gilt und mit einer Fläche von 7,7 Millionen Quadratkilometern 22 Mal größer als Deutschland ist, sind kleine, agile Propellermaschinen hilfreich, ja im Katastrophenfall in dem 28-Millionen-Einwohnerstaat überlebenswichtig. Bei der Truppe bekam die PAC CT/4 Airtrainer wegen ihrer Leichtbauweise mit Kunststoffen bald den liebevollen Übernamen Plastik-Papagei.
Neue Trainer für die 5. Generation
Doch hat die RAAF heute inzwischen 72 moderne Tarnkappenjäger vom Typ Lockheed Martin F-35A Lightning II in ihren Geschwadern. Und für eine Vorbereitung auf den Kampfjet der fünften Generation eignet sich die CT/4 nicht mehr, die Luftfahrtliebhaber fortan im RAAF Museum in Point Cook bewundern können. Inzwischen hat die RAAF Interesse am Boeing-Saab T-7A Red Hawk Advanced Jet Trainer bekundet, jenem amerikanisch-schwedischen Gemeinschaftsprojekt, das sich auch für die Ausbildung künftiger Kampfpiloten eignet, einschließlich der Vorbereitung auf moderne Fighter-Jets.
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