Letzte Aktualisierung: 1:46 Uhr

Rom: Bruchlandung mit Verletzten

Eine Maschine von Carpatair auf einem Flug für Alitalia geriet in Rom über die Landebahn hinaus. Es gab Verletzte. Nun drohen der Airline Konsequenzen.

Twitter/Benedetto Carella

Die verunglückte ATR72-500 von Carpatair: Das erste Bild.

An Bord sei geschrien worden, erklärte ein Zeuge gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. «Einige von uns glaubten, sie würden sterben», erzählte er weiter. Er war einer der 46 Passagiere und vier Besatzungsmitglieder, welche am Samstagabend (2. Februar) um 19:15 Uhr in Pisa in die ATR 72-500 eingestiegen waren. Die Turbopropmaschine fliegt in den Farben von Alitalia herum, gehört aber Carpatair und trägt eine rumänische Registration YR-ATS. Ihr Ziel war Rom Fiumicino. Flug AZ1670 landete wie geplant um kurz nach 20:30 Uhr in der italienischen Hauptstadt. Zuerst schien alles normal zu verlaufen, doch dann geriet die Lage außer Kontrolle. «Das Flugzeug setze zwei mal abrupt ab», so der Zeuge weiter.

Die Maschine habe wegen des starken Windes Probleme beim letzten Teil der Landung bekommen und sei von der Piste geraten, bestätigte Alitalia spätabends in einer Medienmitteilung. Was harmlos klingt, war es nicht. Die ATR 72 schoss über den Rand der Landebahn hinaus und geriet ins Gras. Dort knickten das Front- und eines der hinteren Fahrwerke ein. Dabei kippte die Maschine nach rechts. Gemäß der Agentur Ansa gab es dabei 16 Leichtverletzte. Andere Quellen nennen tiefere Zahlen. Klar ist: Nur eine Flugbegleiterin erwischte es schlimmer. Sie erlitt mehrere Brüche.

Nicht der erste Zwischenfall

Für Alitalia stellt sich nach dem Unfall die Frage nach der weiteren Zusammenarbeit mit der rumänischen Carptair. Denn es ist bereits der dritte ähnliche Zwischenfall innerhalb von drei Jahren. Im Februar 2012 geriet eine Saab 200 beim Start in Craiova von der Piste ab. Bei der folgenden Evakuierung verletzten sich zwei Menschen. 2009 landete eine Saab 2000 in Timisoara ohne Bug-Fahrwerk. Da gab es keine Verletzten.

Das ist indes nicht alles. Kürzlich kam es bei der gleichen ATR72-500 zwei Mal zum gleichen Problem, ohne dass die Ursache eruiert werden konnte. Am 17. Januar 2013 entschloss sich Alitalia deshalb, temporär auf die Zusammenarbeit mit Carpatair auf der Strecke von Ancona nach Rom zu verzichten. Nun könnte der Geduldsfaden endgültig gerissen sein. Man setze alle von den Rumänen durchgeführten Flüge von Rom per sofort aus, schreibt Alitalia in der Medienmitteilung vom Samstagabend.

Im Visier der Behörden

Gemäß der Zeitung Corriere della Sera war Carpatair bereits unter Spezialbeobachtung der Aufsichtsbehörde Ente nazionale dell’aviazione civile. Offenbar gab es kritische Hinweise aus Gewerkschaftskreisen. Seither wurde die Airline zwei Mal ohne Vorwarnung kontrolliert. Carpatair flog bis anhin die Strecken von Rom nach Ancona, Bologna und Pisa.

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