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Vorwürfe eines großen Gläubigers

Transaero war faktisch bankrott

Die russische Fluglinie war quasi zahlungsunfähig. Deshalb verfügte der Kreml die Übernahme von Transaero durch Aeroflot. Die Schuld daran habe das Management, sagt einer der größten Gläubiger.

Boeing

Boeing 737-800 von Transaero im neuen Look: Oft wird man die aufgefrischte Bemalung wohl kaum mehr zu sehen bekommen.

Der Entscheid zum Kauf von Transaero durch Aeroflot fiel nicht an den Vorstandstischen der beiden Fluggesellschaften, sondern im Kreml. Dies berichten russische Medien. Es war eine Notstandsmaßnahme. Denn die zweitgrößte Airline Russlands hatte offenbar massive finanzielle Probleme. «Das Unternehmen war zahlungsunfähig. Die Schulden überschritten alle denkbaren Grenzen», sagte dieser Tage German Gref gemäß der Nachrichtenagentur Interfaks. Der ehemalige russische Wirtschaftsminister ist heute Chef der Sberank und damit eines der größten Gläubiger von Transaero.

Offenbar machte Transaero im ersten Halbjahr 2015 8,7 Milliarden Rubel oder umgerechnet 155 Millionen Euro Verlust. Die Schulden stiegen gemäß Interfaks auf 615 Millionen Euro. Andere Quellen hatten auch schon von 890 Millionen gesprochen. Ein Kollaps der Airline hätte die Regierung unter Druck gesetzt. Denn er hätte auch die Sberbank belastet. Das Finanzinstitut wird vom Staat kontrolliert und steht deshalb auf der Sanktionsliste der EU. Es kann sich nicht mehr auf dem freien Markt finanzieren. Auch es ist darum finanziell angeschlagen. Bei der Sberbank – der Sparkasse der ehemaligen Sowjetunion – haben fast alle Russen Konten.

Transaero ergriff sehr spät Maßnahmen

Sberbank-Chef Gref macht das Management von Transaero für den Niedergang verantwortlich. Man habe seit anderthalb Jahren mit der Führung der Fluglinie gesprochen. Aber man habe wenig Gutes gehört. Erst in letzter Zeit seien Maßnahmen gegen die Krise ergriffen worden. «Sie haben sehr spät um Hilfe gerufen», so Gref weiter.



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