Boeing 787 von Ethiopian Airlines: Für Ethiopian sind neue Risiken.

Eskalation in TigrayKonflikt ist schwere Hypothek für Ethiopian

Ethiopian Airlines wuchs in den letzten zehn Jahren rasant und wurde zur größten Fluggesellschaft Afrikas. Doch Konflikte im eigenen Land könnten den Erfolgskurs ausbremsen.

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Die Fluggesellschaft hat ein massives Wachstum hinter sich. Noch vor zehn Jahren bestand die Flotte von Ethiopian Airlines aus rund 40 Flugzeugen. Heute sind es 125. Die Staatsairline ist inzwischen die größte Fluglinie in ganz Afrika. Nicht nur in Sachen Flottengröße, sondern auch gemessen an Passagierzahlen und Umsatz.

2010 waren Boeing 757, 767 und Fokker 50 die Pfeiler der Flotte. Von diesen Flugzeugtypen ist bei Ethiopian nicht mehr viel übrig. Die Fokker 50 wurden durch werksneue De Havilland Canada Dash 8-400 ersetzt. Auf der Kurz- und Mittelstrecke kamen zahlreiche Boeing 737 hinzu, in jüngerer Vergangenheit auch 737 Max, während die 757 komplett ausgeflottet wurden. Am beeindruckendsten ist aber die Entwicklung der Langstreckenflotte von Ethiopian.

Ethiopian immer vorne mit dabei

Vor zehn Jahren startete die Fluglinie aus dem Land am Horn von Afrika auch auf der Langstrecke eine Transformation. Im November 2010 hat sie ihre erste Boeing 777 übernommen, und zwar gleich die Ultra-Langstreckenversion 777-200 LR. Seitdem folgten 19 weitere Triple Seven - die Hälfte Passagierflugzeuge, die andere Hälfte Frachter.

2012 wurde Ethiopian zur dritten Fluggesellschaft der Welt, die eine Boeing 787 übernahm. Der Dreamliner war zu dem Zeitpunkt nagelneu. Einige Jahre später kam das erste Airbus-Flugzeug hinzu. Ethiopian wurde damit wieder einmal zur Erstkundin in Afrika - dieses Mal für den A350-900.

Platzhirsch Afrikas

Das Staatsunternehmen wächst nicht nur schnell, sondern war dabei bisher auch profitabel - eine Ausnahme in der afrikanischen Luftfahrt. Das Wachstum ging so weit, dass Ethiopian Airlines Anfang 2020, kurz vor der Pandemie, den Bau eines neuen Großflughafens ankündigte, weil der aktuelle Hauptstadtflughafen nicht mehr ausreicht. Doch der Expansionskurs könnte nun ein jähes Ende nehmen.

Zum einen blieb das Unternehmen nicht von der globalen Corona-Krise verschont. Ein weiteres Problem baut sich aber gerade erst auf: Die sich rapide verschlechternde Sicherheitslage im Heimatland Äthiopien. Experten warnen, dass der Anfang November ausgebrochene, gewaltsame Konflikt in der Region Tigray im Norden des Landes zu einem Bürgerkrieg führen könnte.

Warnung vor Überflügen Äthiopiens

Bereits hat das Luftfahrt-Sicherheitsnetzwerk Ops Group eine dringende Warnung für den Luftraum über Äthiopien und das nördlich an Tigray angrenzende Nachbarland Eritrea herausgegeben. Es warnt Fluggesellschaften und rät von der Nutzung bestimmter Flugrouten, die der Konfliktregion nahekommen, ab. «Es gibt viele Warnlichter, die auf frühere Abschusszwischenfälle hinweisen», heißt es.

Ops Group kritisiert zudem einen Mangel an Kommunikation über die Ausschreitungen gegenüber Piloten und Fluggesellschaften seitens offizieller Quellen. «Bisher haben Luftfahrtbehörden oder offizielle Quellen auf normalem Wege keine Richtlinien oder Warnungen herausgegeben.»

Zukunft in Gefahr

Ein langfristiger Konflikt würde gravierende Folgen für Äthiopien als Drehkreuz für Ethiopian Airlines haben. Die Fluggesellschaft fertigt sehr viele Umsteigepassagiere über ihren Heimatflughafen Addis Abeba ab. Es sind Passagiere, die sie schnell verlieren könnte, wenn das Land in eine tiefere Krise rutscht. Denn auch wenn Ethiopian auf dem eigenen Kontinent einzigartig ist, Drehkreuze wie Dubai stehen als Alternativen bereit.

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