Letzte Aktualisierung: um 19:19 Uhr

Kerosinpreis-Schock

Steigende Ticketpreise und Pleitegefahr für Airlines

Der Krieg in der Ukraine treibt den eh schon gestiegenen Treibstoffpreis weiter massiv in die Höhe. Was bedeutet das für Fluggäste und Fluggesellschaften?

Betankung eines Flugzeuges: Wir gerade richtig teuer.

An der Tankstelle spüren Autofahrerinnen und Autofahrer die rasant steigenden Öl- und Kraftstoffpreise direkt. Doch womit müssen Fluggäste nun rechnen? Auch der Preis für Flugzeugtreibstoff ist im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine nach oben geschossen. In den vergangenen zwölf Monaten hat er sich sogar in etwa verdoppelt.

«Ich gehe davon aus, dass die stark steigenden Kraftstoffpreise sich durchschnittlich in 15 bis 20 Prozent höheren Ticketpreisen niederschlagen», sagt Michael Santo, Luftfahrtexperte bei der Unternehmensberatung HZ Group. Vor allem bei Billigfliegern und kleineren Airlines würden die steigenden Kraftstoffpreise unmittelbar durchschlagen.

Schnäppchen sterben nicht aus

Viele der klassischen großen Airlines würden mit Absicherungsgeschäften – sogenanntem Hedging – einen großen Teil ihres Kraftstoffbedarfs gegen starke Schwankungen absichern. «Sie werden die steigenden Preise mit Verzögerung spüren, sich aber auch jetzt schon darauf einstellen», prognostiziert der Experte. Lufthansa etwa sei zügig bei solchen Anpassungen. «Ich erwarte steigende Ticketpreise noch in diesem Monat», sagt Santo.

Christoph Brützel, Professor für Luftverkehrsmanagement an der Hochschule in Bad Honnef, geht weiter ins Detail. Seine Berechnungen zeigen, dass Preise für die jeweils günstigsten Tickets eines Fluges auch bei stark steigendem Treibstoffpreis nur sehr leicht nach oben gehen, während die Durchschnittspreise deutlicher anziehen. Das heißt: Wer früh bucht, kommt womöglich fast unbeschadet davon, wer dagegen die letzten Plätze in einem fast vollen Flieger kauft, zahlt noch mehr drauf als eh schon.

«Airlines werden Verluste machen»

Allerdings sieht er nur ein begrenztes Potenzial für Aufschläge. «Es ist zu viel Kapazität im Markt», sagt Brützel, gerade auch mit Blick auf nun wegfallende Flüge nach Russland und in die Ukraine. «Die Kapazität der Flugzeuge, die diese Routen sonst fliegen würden, werden die Fluggesellschaften jetzt zumindest teilweise an anderer Stelle in den Markt drücken.»

Würde eine einzelne Airline die Preise zu stark anheben, würde sie die Nachfrage an die Konkurrenz verlieren, so Brützel. «Airlines werden also Verluste machen, denn auf der Kostenseite können sie relativ wenig tun.» Der Professor für Luftverkehrsmanagement rechnet mit einer seiner Meinung nach eh fälligen weiteren Konsolidierung des Marktes.

«Wir werden Pleiten sehen»

Auch Michael Santo erwartet: «Wir werden Pleiten sehen infolge dieses Kerosin-Schocks.» In Gefahr sieht er vor allem kleine Fluggesellschaften, etwa aus dem Chartersegment.

Die Kerosinpreis-Entwicklung pro Fass in Dollar (blau) und Euro (rot) seit 2015. (Grafik: Iata)