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Boeing 777 auf Rekordflug

Spirit of Austria(n): Der Weg nach Sydney und zurück

Captain Manfred Samhaber war Teil der vierköpfigen Cockpitcrew, die nach Australien geflogen ist, um im Zuge der Heimholer-Aktion knapp 300 Passagiere zurück nach Österreich zu bringen. Wir haben uns mit ihm unterhalten.

Mit
Austrian Airlines

Die Crew der «Spirit of Austria» am Flughafen Sydney – natürlich mit Masken

Knapp 13 Jahre hat es gedauert, bis nach dem letzten regulären AUA-Flug wieder eine Maschine von Austrian Airlines in Australien gelandet ist. Der Grund für diese Rotation war freilich ein unerfreulicher: Die Crew holte im Auftrag des österreichischen Außenministeriums im Zuge der Coronavirus-Krise hängengeblieben Menschen aus Down Under zurück in ihre Heimat – Wir haben darüber berichtet.

Mit an Bord war auch Captain Manfred Samhaber – als Teil der vierköpfigen Cockpitbesatzung. Wir hatten die Möglichkeit, den erfahrenen Austrian-Airlines-Piloten nach der Rückkehr nach Wien zu interviewen.

Welche speziellen Herausforderungen hat es bei der Planung dieses Fluges gegeben?
Die wichtigste Besonderheit war die Flight Duty Period. Man muss also mit der Behörde vorher abklären, unter welchen Auflagen man so einen Langstreckenflug durchführen kann. Es gibt dann hinsichtlich Fatique eine ORE (Operational Risk Evaluation), bei der man sich anschaut, welche Restzeiten man im Flug und dann weiter an der Außenstation in Sydney veranschlagt, bevor man den Rückflug antreten darf. Der Rest der Flugplanung war eigentlich Routine – auch dadurch, dass eine Streckenführung gewählt wurde, die wir ja bis Thailand immer fliegen. Wir haben in der Nähe von Bangkok einfach eine Rechtskurve genommen und uns auf den Weg nach Sydney gemacht.

Ich selbst bin ja 18 Jahre lang nach Australien geflogen – das ist also für mich kein neues Territorium. Trotzdem war es interessant, nach 13 Jahren wieder dorthin zu kommen – es hat sich eigentlich nicht viel verändert und die Dinge haben so funktioniert wie seinerzeit. Natürlich wird einem auch warm ums Herz, wenn man dann Sydney anfliegt und dort landet. Ich war in den 1990er Jahren dort auch für ein Jahr stationiert – daher war es auch fast, wie wieder nachhause zu kommen. Trotzdem muss man daran denken, dass der Grund für den Flug kein erfreulicher war.

Neben Dir sind ein weiterer Kapitän und zwei Erste Offiziere geflogen. Wie hat ihr die Arbeitsaufteilung ausgesehen?
Dadurch, dass die Flugzeit so lang war, haben wir sie geviertelt. So hat jeder zwei Rests mit jeweils vier Stunden bekommen. Ein Crew Pairing ist von Wien bis kurz vor Afghanistan geflogen, das zweite dann bis Bangkok. Das erste Paar war dann weiter bis Bali an der Reihe und das zweite dann wieder bis Sydney.

Der Flug nach Sydney hat ja knapp 18 Stunden gedauert – also viel länger, als man mit einer vollbeladenen Boeing 777 fliegen würde. Seid ihr da am Limit gewesen oder ist sich alles leicht ausgegangen?
Wir haben in Wien vollgetankt und dann eine höhere Geschwindigkeit gewählt, weil einfach die Dienstzeit ein Thema war. Mit normalen Cost Indices wären wir 18:20 Stunden geflogen – wir wollten aber unter 18 Stunden bleiben und es sind letztlich 17:46 Stunden geworden. In Sydney sind wir mit 13,4 Tonnen Treibstoff gelandet – wir hätten also noch locker eine Stunde fliegen können.

Der Hinflug wurde teilweise als Flug OS1457 und teilweise als OS1 geführt – was hatte es mit den unterschiedlichen Call Signs auf sich?
Wir sind bis Turkmenistan problemlos als OS1 geflogen, haben aber die Überflugsgenehmigungen diverser Länder vorher als OS1457 eingereicht – und mussten daher das Call Sign ändern, weil wir sonst auch nicht über Datalink hätten kommunizieren können.

Wie lange seid ihr dann in Sydney geblieben und was habt ihr gemacht?
Wir waren ungefähr 24 Stunden in Sydney und durften uns dort nur im Hotel aufhalten. Die Einreise in Australien ist derzeit sehr strikt – wir wurden von einem Quarantäne-Team in Schutzausrüstung empfangen. Nach der Landung sind wir gleich ins Airporthotel gebracht worden und mussten dort die meiste Zeit am Zimmer bleiben.

Schauen wir zum Rückflug: Welche Reaktionen habt ihr bei den Passagieren so erlebt?
Alle Passagiere waren während des gesamten Fluges sehr diszipliniert und erleichtert. Sie waren dankbar zurück nachhause zu kommen. Als wir in Wien gelandet sind, haben wir «I am from Austria» gespielt. Da haben viele die Gänsehaut bekommen – und alle haben geklatscht. Die Leute waren einfach froh, zurück zu kommen. Manche haben es nicht geschafft – die sitzen noch in Neuseeland oder Australien.

Wie wurden eigentlich die Sitze in der Premium Economy und Business Class vergeben?
Das wurde schon vor Ort von den Botschaftsangehörigen und von einer Dame des Außenministeriums, die den Flug begleitet hat, geregelt. Ältere und gebrechlichere Leute durften eher vorne sitzen.

Wie viele Passagiere sind mitgekommen und waren die meisten davon aus Österreich?
Mehrheitlich waren das Österreicherinnen und Österreicher – darunter viele Jugendliche, die auf Sprachaustausch waren. Auch einige Erntehelfer aus Australien und Neuseeland sind mitgeflogen. Insgesamt waren 288 Passagiere und sechs Infants an Bord. Einige Plätze waren für die Crew, die den Flug von Sydney nach Penang durchgeführt hat, reserviert.

Der Rückflug wurde dann über Penang geführt?
Ja. Dort haben wir – weil wir eben voll waren – getankt und wurden außerdem von einer vorpositionierten Crew abgelöst, die dann weiter nach Wien geflogen ist. In Penang haben wir außerdem noch als Fracht medizinische Schutzhandschuhe an Bord genommen.

Wie lang seid ihr dann insgesamt bis Wien unterwegs gewesen?
Zuerst sind wir acht Stunden von Sydney nach Penang geflogen, dann waren wir eineinhalb Stunden dort und haben dann noch 11:30 Stunden zurück nach Wien gebraucht. Insgesamt waren wir also ungefähr 21 Stunden unterwegs. Übrigens haben sich die Passagiere trotz der langen Flugzeit sehr verständnisvoll gezeigt, dass sie in Penang das Flugzeug nicht verlassen durften.

Wie hat das Bordservice ausgeschaut?
Das war natürlich aufgrund der vorgeschriebenen Physical Distancing Maßnahmen auch abgespeckt. Jeder Passagier hat am Sitz ein Paket vorgefunden, das aus Snacks und Wasser bestanden hat – dasselbe gab es dann noch einmal in Penang. Den Passagieren wird aber schon im Voraus mitgeteilt, dass man zum Schutz der Gesundheit kein volles Service durchführen kann. Im Übrigen hatten wir an Bord Maskenpflicht.

Wie sehen Deine nächsten Wochen aus?
Wir sind ja alle in Kurzarbeit – auch ich. Bei den Fluglehrern ist es aber so, dass man «current» bleiben, also regelmäßig fliegen muss. Dafür muss man innerhalb eines 90-Tage-Fensters mindestens drei Starts und Landungen durchführen. Herausfordernd ist dabei ja auch, dass die Simulatoren von Lufthansa Aviation Training in Zürich, Frankfurt und Berlin bis 6. Mai 2020 nicht zur Verfügung stehen. Wir versuchen deshalb in erster Linie unsere Fluglehrer «current» zu halten, damit diese dann alle anderen Piloten nach einem Restart wieder begleiten können.

Ihr seid mit der «Spirit of Austria» nach Sydney geflogen. Gab es bei diesen und auch den anderen Evakuierungsflügen einen „Spirit of Austrian“?
Es ist überhaupt nicht selbstverständlich, dass man Leute findet, die bei solchen Flügen mitmachen – bei Austrian Airlines war und ist es aber überhaupt kein Problem, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden, die hier unterstützen. Viele werden es auch wieder machen. Man setzt sich dabei natürlich schon einer höheren Infektionsgefahr aus als wenn man ein paar Wochen nur zuhause sitzt. Seitens Austrian Airlines werden aber auch entsprechende Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit getroffen – beispielsweise bekommen wir Masken und Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt und wurden auch über Physical Distancing Maßnahmen an Bord und im Layover ausführlich informiert.

Aber ich glaube, dass wir den Österreicherinnen und Österreichern – die wir ja auch sonst durch die Weltgeschichte fliegen – auch schulden, sie von dort, wo sie jetzt gestrandet sind, auch wieder zurückzuholen. Dieser Einsatz betrifft aber nicht nur das fliegende Personal: Auch alle anderen die daran beteiligt sind – von der Flugplanung über Crew Control bis hin zur Abfertigung – muss man hier erwähnen. Sie alle müssen derzeit sehr viel leisten – sind aber stolz, Teil dieser großartigen Rückholaktion zu sein.



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