Terminal in Dubai: Kaum ein Mensch war da, wo sich sonst Menschenmengen drängen.

Augenzeuge Hans-Peter NehmerWie ein Dubai-Besucher seine Rückreise organisierte - und was er dabei erlebte

Sirenen, Explosionen und Ungewissheit: Hans-Peter Nehmer machte Urlaub in Dubai und erlebte den Iran-Krieg aus nächster Nähe. Er entschied sich zur Rückreise – samt leeren Terminals, einem Raketenalarm am Flughafen und einem bis auf den letzten Platz gefüllten Airbus A380 von Emirates.

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Er war sich bewusst, dass die Situation am Golf angespannt war. Eine explizite Reisewarnung gab es aber nicht. Und so reiste Hans-Peter Nehmer nach Dubai. «Ich besuchte dort wie jedes Jahr einen guten Freund, der seit Jahren im Emirat lebt», erzählt der Schweizer. Mit einem Ortskundigen in der Metropole unterwegs zu sein, gab ihm die nötige Sicherheit. «Und niemand hat ja damit gerechnet, dass Teheran als Reaktion auf den Angriff Israels und der USA die Vereinigten Arabischen Emirate angreifen würde.»

Nehmer flog spät am Freitag, dem 27. Februar, mit Emirates aus Zürich ab. Nach seiner Ankunft in Dubai am frühen Samstagmorgen, dem 28. Februar, ging er umgehend schlafen und traf sich dann mittags mit Freunden zum Brunch. «Plötzlich hörten wir Geräusche am Himmel», sagt Kommunikationsfachmann. Wenig später bekam ein Bekannter einen Alarm von den Behörden auf sein Handy. Dennoch habe man da noch nicht wirklich begriffen, wie ernst die Lage sei.

«Ich stand auf dem Balkon und plötzlich knallte es fürchterlich»

Das änderte sich am Mittwoch. «Ich stand auf dem Balkon und plötzlich knallte es ganz fürchterlich. Die Scheiben der Wohnung zitterten, Kinder weinten, weil sie sich von diesen lauten Knalltönen erschraken und die Menschen rannten weg und begaben sich in Sicherheit», sagt Nehmer. Da sei er erschrocken. «Für mich war da klar, ich will nach Hause», so der 60-jährige. Umgehend versuchte er, mit Emirates in Kontakt zu treten. «Doch da war kein Durchkommen, auf keinem Kommunikationskanal», erzählt er. Nervosität machte sich bereit. «Ich wollte weg, wusste aber nicht, ob ich das kann, wann ich das kann und wie ich das kann.»

Hans-Peter Nehmer: «Ich wollte weg, wusste aber nicht, ob ich das kann, wann ich das kann und wie ich das kann»

Nehmer las dann von Flügen, die ab Muscat starten. «Doch einen Transfer in den Oman organisieren, das war nicht möglich», so der Schweizer. Und alle Busse dorthin waren restlos ausgebucht und man berichtete von stundenlangen Warteschlangen an der Grenze. «Ich bin einer, den nicht so schnell etwas aus der Bahn bringt. Aber in dieser verwirrenden Lage mit bruchstückhaften Informationen und unklarer Entwicklung wurde auch ich besorgt. Handlungsunfähig zu sein, war für mich eine ganz neue Lebenserfahrung.»

«Praktisch keine Leute unterwegs auf den Straßen»

Als eine der Maßnahmen schrieb Nehmer eine E-Mail an das Büro von Emirates in Zürich. «Und nach zwei Stunden bekam ich Antwort. Mir wurde bestätigt, dass mein regulär gebuchter Rückflug am Freitag durchgeführt wird.»

Die Fahrt zum Flughafen Dubai International war gespenstisch. «Es waren praktisch keine Leute unterwegs auf den Straßen», so Nehmer. Und am Terminal angekommen, wurde zuerst geprüft, ob jeder auch eine gültige Buchung für einen Flug hat, der am Tag auch wirklich stattfindet. «Als ich ins Gebäude eintreten konnte, fiel mir zuerst eine riesige Warteschlange an mehreren Schalter auf, der mit Waiting Desk beschriftet war», erinnert sich Nehmer. Sein Check-in ging dann aber schnell. «Und durch die Sicherheitskontrolle war ich auch noch nie so schnell», erzählt er.

«Alle Lounges wurden evakuiert»

Im Flugsteig C von Terminal 3 waren zwar alle Läden geöffnet. Doch Kundschaft hatten sie nicht. «Das Terminal war menschenleer», so Nehmer. Nur wenige Flüge in Richtung Europa wurden dort abgefertigt. Die Flugzeuge wurden in größeren Abständen an den Gates platziert. «Ich denke aus Sicherheitsgründen.»

Etwa zwei Stunden vor Abflug ging ein Notfallalarm auf den Handys los. Es wurde auf mögliche Flugabwehraktionen von Raketen gewarnt. Plötzlich herrschte Hektik im Terminal des Flughafens Dubai International. «Da tauchten von überall her Sicherheitskräfte auf und sagten, man solle sich von den Fenster fernhalten», erinnert sich Nehmer. «Alle Lounges wurden evakuiert.» Nach etwa 45 Minuten sei der Alarm wieder aufgehoben worden und sein Flug auch schon zum Einstieg bereit gewesen. «Es waren auffallend viele Familien und ältere Menschen eingestiegen», so Nehmer.

«Alle waren überglücklich, auf dem Heimflug zu sein»

Der Airbus A380 von Emirates nach Zürich sei bis auf den letzten Platz belegt gewesen. «Ich wurde von der Premium Economy in die Business Class upgegradet, mein Sitzplatz wurde für eine Familie benötigt», erzählt Nehmer. «Während des Fluges besuchte ich dann die Bordbar und kam mit vielen Leuten ins Gespräch. Alle hatten viel zu erzählen. Und alle hatten etwas gemeinsam. Sie waren überglücklich, auf dem Heimflug zu sein», sagt Nehmer.

Auch die Besatzung sei sehr zuvorkommend gewesen. «Ich glaube auch, dass sie selten so viel Dankbarkeit von den Fluggästen für ihren Einsatz bekamen.»

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