Boeing 777 von Singapore Airlines: Das Wetterradar funktionierte nicht.

Menschen flogen durch die Kabine – weil das Wetterradar nicht funktionierte

Beim schweren Turbulenz-Zwischenfall auf Flug SQ321 von Singapore Airlines wurden Dutzende Menschen verletzt, ein Passagier starb. Nun zeigt der Abschlussbericht: Das Wetterradar der Boeing 777 könnte fehlerhaft gearbeitet haben.

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Es war einer der heftigsten Turbulenz-Zwischenfälle der vergangenen Jahre: Menschen wurden gegen die Kabinendecke geschleudert, Verkleidungen brachen heraus, Dutzende Fluggäste und Crewmitglieder wurden verletzt. Ein 73-jähriger britischer Reisender starb später vermutlich an einem Herzinfarkt. Nun ist klar: Bei dem Flug von Singapore Airlines im Mai 2024 funktionierte das Wetterradar der Boeing 777 offenbar nicht korrekt.

Das geht aus dem Abschlussbericht der Ermittlungsbehörden aus Singapur hervor. Betroffen war Flug SQ321 von London nach Singapur am 21. Mai 2024. Die Boeing 777-300 ER mit dem Kennzeichen 9V-SWM geriet über Myanmar in schwere Turbulenzen und musste außerplanmäßig in Bangkok landen.

Unkontrollierte Bewegungen der Boeing 777 von Singapore Airlines

Die Turbulenzen waren extrem. Die Maschine stieg zunächst unkontrolliert an und beschleunigte plötzlich. Innerhalb von Sekunden wirkten massive positive und negative G-Kräfte auf die Insassen. Nicht angeschnallte Reisende und Crewmitglieder wurden gegen die Kabinendecke geschleudert und anschließend wieder zu Boden geworfen.

Nun zeigt der Abschlussbericht: Die Piloten hatten die gefährlichen Gewitterzellen offenbar weder visuell noch auf dem Wetterradar erkannt. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Radarbild auf den Bildschirmen im Cockpit fehlerhaft dargestellt wurde. Dabei arbeitete das System zwar grundsätzlich, die farbigen Wetteranzeigen wurden jedoch möglicherweise nicht korrekt eingeblendet. Fachleute sprechen von sogenanntem «Underpainting» oder sogar «No Painting».

Schon vorher machte die Boeing 777 von Singapore Airlines Probleme

Besonders brisant: Bei genau diesem Flugzeug hatte es bereits früher Hinweise auf solche Probleme gegeben. Trotzdem zeigte das System keine Fehlermeldung im Cockpit an. Die Ermittler halten deshalb fest, dass ein fehlerhaft dargestelltes Wetterradar «nicht ausgeschlossen werden kann». Eine direkte Ursache des Zwischenfalls wollen sie daraus allerdings nicht ableiten.

Singapore Airlines änderte nach dem Zwischenfall ihre Turbulenzverfahren deutlich. Mahlzeiten und Kabinenservice werden inzwischen sofort gestoppt, sobald die Anschnallzeichen aktiviert werden. Zusätzlich erhalten die Pilotinnen und Piloten inzwischen Live-Turbulenzdaten auf ihre Tablets. Die Ermittler fordern zudem von Boeing neue Verfahren, mit denen Cockpitcrews Fehler bei der Wetterdarstellung schneller erkennen können.

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