Airbus A320 Neo von Air Cairo am Samstag (29. November) beim Anflug auf Düsseldorf: Ein großes Grounding gab es nicht.

Nach Gefahr bei FlugsteuerungRückkehr zu alter Software-Version: Fast alle Airbus A320 dürfen wieder fliegen

Rund 6000 Flugzeuge der Airbus-A320-Familie brauchten eine dringende Änderung bei der Flugsteuerung. Jetzt ist klar, worum es dabei genau ging. Nur noch rund 100 Jets warten auf ihre Anpassung.

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Es war eine gewaltige Zahl, die umfangreiche Schwierigkeiten im weltweiten Luftverkehr befürchten ließ. Am Freitagabend (28. November) teilte Airbus mit, dass rund 6000 Flugzeuge der A320-Familie ein Problem haben. Man habe die Betreiber in einer eiligen Anweisung namens Alter Operations Transmission oder kurz AOT darüber informiert, dass Sonneneruptionen die Flugsteuerung dieser Flugzeuge beeinflussen können und dadurch das Höhenruder ungewollt angesteuert werden kann, so der europäische Flugzeugbauer.

Zwar kam es am Wochenende dann auch zu Verspätungen und Flugausfällen bei Fluggesellschaften rund um den Globus, doch ein großes Chaos und Grounding blieben aus. Nach und nach teilten Airlines mit, dass sie die Anweisung von Airbus umgesetzt haben und ihre Flugzeuge wieder normal einsetzen können.

Risiko einer unkontrollierten Höhenruderbewegung beim A320

Am Montagmorgen (1. Dezember) schrieb Airbus dann: «Von insgesamt rund 6000 potenziell betroffenen Flugzeugen hat die überwiegende Mehrheit die notwendigen Anpassungen erhalten.» Man arbeite mit den Airline-Kunden zusammen, um die Modifikation der «verbleibenden weniger als 100 Flugzeuge» zu unterstützen und deren Wiederinbetriebnahme zu gewährleisten.

Das Ganze funktionierte so schnell und reibungslos, da es sich um ein Software-Problem handelte, das zunächst durch die Rücknahme eines Updates gelöst werden konnte. Konkret ging es dabei um den sogenannten Elac, den Elevator and Aileron Computer, also den Computer für Höhenruder (Englisch: Elevators) und Querruder (Ailerons). Es ist einer der zentralen Computer für die Flugsteuerung. Bei der A320-Familie kommt er vom Hersteller Thales.

Airbus A320 mussten zurück zur vorherigen Software-Version

In der Anweisung vom Freitag informierte Airbus die Fluggesellschaften über eine Schwachstelle bei der Hardware Elac B mit der Software L104 im Fall von Sonneneruptionen, die plötzlich große Mengen magnetische Energie freisetzen. «Diese identifizierte Schwachstelle könnte im schlimmsten Fall zu einer unkontrollierten Höhenruderbewegung führen, die die strukturelle Belastbarkeit des Flugzeugs überschreiten könnte», schrieb der Flugzeugbauer.

Airbus wies daher als sofortige Sicherheitsmaßnahme an: «die Rückkehr zum Elac-Standard L103+ für eine erhebliche Anzahl von Flugzeugen, die mit Elac B und der Software L104 ausgestattet sind». Die europäische Luftfahrtbehörde Easa macht dies kurz danach mit einer dringenden Lufttüchtigkeitsanweisung (Emergency Airworthiness Directive) verpflichtend.

Die Computer der Flugsteuerung im Airbus A320

Airbus erklärte, die Schwachstelle sei durch eine Untersuchung eines Vorfalles ans Licht gekommen, bei dem ein A320 ein «unkontrolliertes und kurzes Absinken der Flugzeugnase» erlebte. Wie aeroTELEGRAPH aus mehreren Quellen erfuhr, handelte es sich um einen Vorfall bei Jetblue Ende Oktober. Der Jet verlor plötzlich an Höhe, es gab mehrere Verletzte. Ein erster Untersuchungsbericht durch die Behörde NTSB in den USA wird in Kürze erwartet.

Neben dem Elac gibt es weitere wichtige Computer für die Flugsteuerung im Airbus A320. Dazu gehören der SEC (Spoiler Elevator Computer) und der FAC (Flight Augmentation Computer).

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