Mit über 40 Millionen Passagieren pro Jahr ist der Flughafen São Paulo-Guarulhos der größte Flughafen Südamerikas. Der gesamte Flugverkehr wird über zwei parallele Start- und Landebahnen abgewickelt: Die Bahn 10L/28R ist 3000 Meter lang, die Bahn 10R/28L misst 3700 Meter. Der einzige Nachteil: Der Abstand zwischen den beiden Pisten beträgt nur 375 Meter, wodurch eine parallele Nutzung eigentlich nicht möglich ist.
Tatsächlich kommt es am Flughafen trotzdem manchmal vor, dass Flugzeuge gleichzeitig landen. Zuletzt landeten am 18. Februar eine Boeing 747 der Frachtfluggesellschaft Atlas Air und eine Boeing 737 von Gol Linhas Aéreas gleichzeitig in Guarulhos, berichtet CNN Brasil als Erstes. Beide Landungen verliefen ohne Probleme. Dennoch hat das brasilianische Flugsicherungsunternehmen NAV Brasil eine Untersuchung angekündigt.
Boeing 747 war zu schnell
Laut ersten Erkenntnissen war die Anfluggeschwindigkeit der Boeing 747 höher als geplant. Dadurch verringerte sich der erwartete Sicherheitsabstand, was letztlich dazu führte, dass beide Flugzeuge gleichzeitig landeten. Die Untersuchung muss klären, wie es zu diesem Vorfall kam – ob es sich um ein menschliches Versagen, ein technisches Problem oder eine Fehlinterpretation der Vorschriften handelte.
Laut den Richtlinien der International Civil Aviation Organization Icao sind unabhängige Parallelanflüge, die gleichzeitige Landungen auf beiden Bahnen ermöglichen, erst ab einem Abstand von mindestens 1.035 Metern zwischen den Bahnachsen möglich. Bei einem Abstand zwischen 762 und 1.035 Metern sind in der Regel nur abhängige Parallelanflüge möglich, bei denen die Flugzeuge zeitlich versetzt landen müssen.
Icao hat strenge Regeln
Engere Abstände unter 762 Metern erhöhen das Risiko von Wirbelschleppen, also von turbulenten Luftverwirbelungen, die hinter startenden oder landenden Flugzeugen entstehen. Hier schreibt die Icao strengere Staffelungsregeln vor, um gefährliche Situationen zu vermeiden, zum Beispiel längere Mindestabstände zwischen den Flugzeugen.
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