Als Flug BA919 am 6. Juli aus Düsseldorf kommend zum Landeanflug auf London-Heathrow ansetzte, ahnten die bis zu 180 Reisenden an Bord vermutlich nichts von den Problemen im Cockpit. Erst Wochen später wurde bekannt, wie kritisch die Situation wohl tatsächlich war.
Nach Informationen der britischen Boulevardzeitung The Sun, die sich auf mit den Ermittlungen vertraute Personen beruft, fiel während des Anfluges ein Air Data Reference System aus. Der Airbus A320 mit dem Kennzeichen G-EUUN von British Airways verlor dadurch einen Teil seiner automatischen Schutzfunktionen und löste eine Stall-Warnung aus. Sprich: Das Flugzeug informierte die Besatzung über einen drohenden Strömungsabriss.
Übernahm der Kapitän das Steuer vom Kopiloten?
Dem Bericht zufolge steuerte der Erste Offizier zu diesem Zeitpunkt das Flugzeug. Ihm sei es nicht gelungen, den knapp 24 Jahre alten Airbus A320 aus der kritischen Situation heraus zu bringen. Deshalb habe der Kapitän übernommen und den Jet wieder stabilisiert.
Eine Quelle bezeichnete den Vorfall gegenüber der Zeitung als den schwersten Beinahe-Zwischenfall im britischen Luftverkehr seit Jahren. Demnach soll sich der Kapitän seit dem Ereignis wegen der psychischen Belastung im Krankenstand befinden.
Cockpitcrew bricht ersten Anflug auf London-Heathrow ab
Die britische Unfalluntersuchungsbehörde AAIB bestätigt diese Schilderung zwar nicht ausdrücklich. In einer ersten Stellungnahme beschreibt sie jedoch einen Ablauf, der die Brisanz des Zwischenfalls unterstreicht. Demnach fiel beim ersten Anflug auf Heathrow tatsächlich ein Air Data Reference System aus.
Dadurch wechselte der Airbus vom sogenannten Normal Law in den Alternate Law. In diesem Flugsteuerungsmodus stehen den Piloten nicht mehr sämtliche automatische Schutzfunktionen zur Verfügung und sie müssen mehr selbst steuern. Gleichzeitig wurde eine Stall-Warnung ausgelöst. Die Besatzung brach den Anflug ab, erklärte zunächst einen Pan-Pan-Notfall und flog in eine Warteschleife, um die Situation zu beurteilen.
Noch etliche offene Frage zum Flug des Airbus A320
Doch auch der zweite Anflug verlief nicht problemlos. Nach Angaben der AAIB gab es in rund 3000 Fuß Höhe erneut eine Stall-Warnung aus. Die Piloten führten daraufhin ein von den Ermittlern als «potenziell abrupt» beschriebenes Recovery-Manöver durch. Dabei sank der das Flugzeug kurzfristig bis auf etwa 2200 Fuß (rund 670 Meter) ab, bevor die Besatzung den Instrumentenanflug wieder stabilisieren konnte. Erst anschließend erhöhte sie den Notrufstatus auf Mayday und setzte den Anflug fort.
Der Airbus A320 landete schließlich sicher auf der Piste 27L am Flughafen London-Heathrow. Verletzt wurde niemand. Offen bleibt bislang, weshalb das Air Data Reference System ausfiel. Ebenso macht der AAIB-Bericht keine Angaben dazu, welcher Pilot den Airbus in den entscheidenden Momenten steuerte, oder ob der Kapitän tatsächlich übernehmen musste. Die Ermittlungen dauern an. British Airways erklärte lediglich, man unterstütze die Untersuchung und könne sich wegen des laufenden Ermittlungen nicht weiter äußern.
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