Tower in München: Shakespeare-Englisch wird nicht gesprochen.

Lampenfieber beim Funken

«Wie gehen Piloten mit kaum verständlichen Funkdurchsagen um?», fragt Leser David Paast. Ein Linienpilot antwortet.

Top-Jobs

sunny cars

Customer Service Expert (m/w/d)

München / Remote
Feste Anstellung
Autovermietung
Sunny Cars
Deutschland
30 - 40 Stunden
Top jobs
IFFD Flugdienste

Piloten/ First Officer (m/w/d)

IFFD GmbH
Graz/Klagenfurt
Feste Anstellung
NCC-Betrieb
Österreich
Vollzeit
Top jobs
Sparfell Logo

Flight Operations Officer in Vienna (Austria)

Vienna
Feste Anstellung
Business Aviation
SPARFELL Luftfahrt GmbH
Österreich
Vollzeit
Top jobs
Sparfell Logo

First Officer Embraer 550 / Legacy 500 (m/f)

Vienna
Feste Anstellung
Business Aviation
SPARFELL Luftfahrt GmbH
Österreich
Vollzeit
Top jobs

Ein schönes Shakespeare-Englisch sprechen wir nicht im Funk. Die Funksprache ist zwar Englisch, aber es ist kodiertes Englisch, damit im dichten Luftverkehr der Funk nicht überlastet wird. Mit wenigen Worten wird viel gesagt. Das Gesprochene muss dabei so klar wie möglich sein. Denn das Übermittlungsprinzip UKW stammt noch aus den 1920er-Jahren. Und solange jemand auf einer Frequenz spricht, ist diese für alle anderen blockiert.

In der Funk-Theorie ist fast alles geregelt. Schlüsselwörter wie Runway, Ready, Take-Off, Landing, Crossing, Affirm (ja), Negative (nein), Roger, und, und und, setzen sich in einer definierten Reihenfolge zu definierten Sätzen zusammen. In der Praxis wird diese Theorie aber teilweise bunt durcheinander gemischt. Sätze werden abgekürzt, Slang dazu gemischt, lokale Wörter verwendet. Denn in einigen Ländern wird in der Landessprache gefunkt - so zum Beispiel in Russland, Spanien oder Frankreich. Aber: jeder Linienpilot und Fluglotse muss die englische Flugfunksprache beherrschen. Ein russischer Pilot soll ja auch in Paris landen können.

Nervosität

Schon in der Ausbildung zum Privatpiloten gehört ein Funk-Kurs dazu. Und es stimmt, dass vor dem allerersten Funkspruch im Kleinflugzeug wohl bei vielen Nervosität herrscht. Ich weiß noch, wie ich mir die Reihenfolge des zu Sprechenden aufschrieb. Und dann heißt es «Denken, Drücken, Sprechen». Eigentlich ziemlich einfach. Aber oft wird dann doch zuerst gedrückt, dann irgendetwas gesprochen und zum Schluss denkt man sich: «Was habe ich da wieder für einen Quatsch gefunkt».

Im Vergleich zum Privatpilot lernt ein Linienpilot noch etwas mehr Funksprache. Beim ersten Funkkontakt als frischer Linien-Kopilot kommt natürlich auch Nervosität auf - besonders wenn der allererste Flug etwa nach Dublin geht, wo das irische Englisch kombiniert mit schlechter Funkqualität und Lampenfieber die Sache nicht einfacher machen. Und alle hören mit. Im Nachhinein darf man über diese Erfahrungen schmunzeln. Denn nach wenigen Wochen haben sich die meisten Piloten an die russischen, französischen, spanischen, türkischen, italienischen und noch viele weitere Akzente gewöhnt.

Denn wir sind ständig mit einer Bodenstelle in Funkkontakt. Es beginnt schon mit dem Rollen auf dem Vorfeld. Da sprechen wir mit «Ground» (zum Teil auch «Apron») – so heißt diese spezifische Abteilung der Lotsen. In der Nähe der Piste wechseln wir die Frequenz zum Tower, von dem wir eine Starterlaubnis brauchen. Einmal in der Luft wird die Frequenz sofort zu «Departure» gewechselt bis wir ganz vom Flugplatz weg sind. «Radar» übernimmt uns dann und begleitet uns in den Reiseflug. Bei der Überquerung einer Landes- oder Gebietsgrenze wechselt die Frequenz. «Munich Radar» gibt uns dann beispielsweise an «Swiss Radar» weiter. Beim Anflug in Flugplatznähe sprechen wir mit «Arrival», wobei die Landerlaubnis wieder vom «Tower» kommen muss.

[image2]Was Sie schon immer übers Fliegen wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten: Ein Pilot einer großen Fluglinie beantwortet exklusiv für aeroTELEGRAPH die Fragen der Leser. Er bleibt dabei anonym, um unabhängig antworten zu können. Schicken Sie uns einfach eine E-Mail an redaktion@aerotelegraph.com. Jede Woche wird eine der eingesandten Fragen beantwortet.

Mehr zum Thema

Fluggverlauf über Suriname: Die Landung in Paramaribo war nicht möglich.

Alle Fluglotsen am Ziel krank: Boeing 777 von KLM kann nicht in Suriname landen

Fluglotsen in einem Tower: Ein anonymer Fluglotse wehrt sich gegen das Dauerbashing von Ryanair.

«Wir haben Michael O’Learys ständige Hetze satt»

Patrick Heinrich, Pilot Aero-Dienst und Founder SkyEQ

«Zwischen Cockpit und Codezeilen – ein Pilot mit Leidenschaft und einer App»

Kontrollturm in Zürich: Schweizer Lotsinnen und Lotsen sind verunsichert.

Lotsinnen und Lotsen: «Uns beherrscht Angst vor Systemausfällen»

Video

König Willem-Alexander bei seinem letzten Flug mit einer Boeing 737: Er lässt sich nochmals umschulen.
Fußballfans, Familien auf dem Weg nach Lappland oder Urlauber nach Ibiza: Viele Passagiere ahnten nicht, dass ihr Kopilot der König der Niederlande war. Jetzt flog Willem-Alexander letztmals mit einer Boeing 737 von KLM - und beginnt nun die Umschulung auf Airbus.
Stefan Eiselin
Stefan Eiselin
amboseli airstrip under water
Ein Video aus dem Amboseli-Nationalpark in Kenia scheint einen See zu zeigen. Aber nein: Es ist die Start- und Landebahn des Park-Airports. Sie ist vollständig im Wasser verschwunden.
Timo Nowack
Timo Nowack
air canada bridgetown umkehr
Am Flughafen Bridgetown ging auf einmal gar nichts mehr. Flüge von Air Canada und Jetblue mussten auf dem Weg zum internationalen Flughafen von Barbados plötzlich umkehren. Grund war ein spontaner Streik.
Timo Nowack
Timo Nowack