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Sharp-Paket für Azul

So macht Airbus den A320 Neo zum Schnellstarter

Die kleine Piste des Stadtflughafens von Rio de Janeiro gilt als knifflig. Diverse Anpassungen am Airbus A320 Neo erlauben Azul neuerdings den Einsatz des neuen Jets in Santos Dumont.

Für Passagiere ist das Landen und Starten am  Flughafen Santos Dumont genauso spektakulär wie für Piloten. Der Stadtflughafen von Rio de Janeiro liegt inmitten der brasilianischen Metropole. Mit präzisen An- und Abflugverfahren müssen Flugzeuge am 710 Meter großen Corcovado mit der berühmten Jesus-Statue genauso herumgeführt werden wie an hohen Gebäuden.

Doch nicht nur die Lage macht Santos Dumont anspruchsvoll. Mit einer Länge von 1300 Meter verfügt der Flughafen über eine sehr kurze Piste. Nicht jedes Flugzeug kann deshalb dort mit profitabler Nutzlast starten oder landen. Auch die Airbus A320 Neo von Azul können nicht dorthin. Ein technischer Trick ändert dies.

Kleine Details

Bisher nutzte die Fluggesellschaft am Aeroporto do Rio de Janeiro-Santos Dumont nur ihre kleineren Regionalflugzeuge Embraer E190 und E195 sowie ATR 72-600. Ein von Airbus entwickeltes Spezialpaket erlaubt aber Azul seit vergangener Woche den Einsatz von A320 Neo. Der Kurz- und Mittelstreckenflieger kann dadurch mit mehr Nutzlast – also Fracht oder Passagieren – starten und landen.


Sharp-Rüstsatz an einem A320-Neo-Prototyp: Ein besonderes Paneel (grau) erhöht Auftrieb.   (Airbus)

Die Lösung taufte der Flugzeugbauer auf den Namen Sharp. Dies steht für Short Airfield Package (zu Deutsch: Paket für kurze Flugplätze). Mit verhältnismäßig wenigen Anpassungen erhöhten die Ingenieure die Start- und Landeleistung des A320 Neo. Beim Starten kann das Flugzeug 2000 Kilogramm mehr heben, bei der Landung darf es wiederum 1500 Kilogram schwerer sein, so Airbus.

Anpassungen am Airbus A320 Neo außen und innen

An dem Übergang vom Rumpf zu den Tragflächen wird ein abgeändertes Paneel montiert. Dieses sorgt für eine Änderung des Luftstroms und lässt die Flügel mehr Auftrieb produzieren. Sogenannte Vortex-Generatoren verbessern am Seitenleitwerk die Steuereigenschaften für langsamere Startgeschwindigkeiten – die kaum sichtbaren rechteckigen Scheiben auf der Oberfläche der Seitenflosse verändern dort die Luftströmung.

Im Inneren des Fliegers machten sich die Entwickler an den Computern zu schaffen. Mit Änderungen an den Softwares für Flugkontrolle, Triebwerke und Bremsen konnten ebenfalls die Leistungen in der Luft und am Boden verbessert werden. Ebenso darf der Schwerpunkt des Flugzeuges beim Beladen weiter nach hinten gelegt werden, was ebenfalls den Auftrieb verbessert.

Azul und Avianca setzen auf Spezialpaket

Die Entwicklungen für das Sharp-Paket, das auch als Nachrüstsatz verfügbar ist, begann im Jahr 2015. Hilfe bekam Airbus dabei auch von den Triebwerkherstellern Pratt and Whitney sowie CFM, welche die beiden Motoroptionen für die A320-Neo-Familie anbieten.

Ebenso wirkten Azul sowie der brasilianische Ableger von Avianca bei der Entwicklung mit. Nach dem Aus von Avianca Brasil im vergangenen Jahr ist Azul die einzige Kundin von Sharp.

In der oben stehenden Bildergalerie sehen Sie Aufnahmen des Aeroporto do Rio de Janeiro-Santos Dumont.



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