Vorstand der Iata: Eine Art Wimmelbild - wo sind die Frauen?

Frauen in der LuftfahrtQatar-Airways-Chef befeuert Sexismus-Debatte

Der Weltluftfahrtverband Iata diskutierte den Mangel an Frauen in der Branche erstmals offiziell. Ausgerechnet der neue Vorsitzende vergriff sich dabei im Ton. Vielleicht hat das sogar positive Effekte.

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Es dauerte bis zum 74. jährlichen Treffen, dass der Weltluftfahrtverband Iata das Thema Gleichstellung thematisierte. Vielleicht ist das auch der Grund, dass es dann so richtig knallte. An zwei Tagen wurde in Sydney mehrfach über das Thema diskutiert – und über mögliche Lösungsvorschläge. Das war einerseits produktiv, andererseits führte es zu absurden Situationen. «Jetzt sitzen hier sechs Männer im Anzug auf der Bühne und reden über Diversität», scherzte etwa CNN-Moderator Richard Quest, der eine Diskussionsrunde mit fünf Airline-Chefs moderierte.

Für den kontroverstesten Moment allerdings sorgte Akbar Al Baker, Chef von Qatar Airways und für das kommende Jahr der neue Vorsitzende der Iata. Bei der Abschlusspressekonferenz scherzte der für seine scharfen Aussagen bekannte Manager zu Beginn noch, seine wichtigste Aufgabe werde sein, seine scharfe Zunge in Zaum zu halten.  Keine zehn Minuten später konnte er dann aber nicht anders.

Buhrufe aus dem Raum

Von einer Journalistin auf das Thema Frauenquote angesprochen antwortete der Qatar-Chef zunächst, dass diese bei Qatar deutlich höher liege als bei anderen Airlines im Nahen Osten. «Aber der Chef ist ein Mann», so die Erwiderung der Journalistin. Al Bakers Antwort: Natürlich müsse die Airline von einem Mann geführt werden, so Al Baker. «Denn es ist eine sehr herausfordernde Aufgabe.» Die Folge: Buhrufe und Geschrei im Raum. Al Baker ruderte später zurück. Das ganze sei nur ein Witz gewesen, hieß es in einem Statement von Qatar Airways in der Folge. Man habe seine Aussagen ohne Kontext zitiert und er würde sich sehr freuen, wenn eines Tages eine Frau an der Spitze von Qatar Airways stünde.

Gute Provokation?

Al Baker wiederholte seine Entschuldigung am Folgetag, als er auf der Bühne einer Diskussionsrunde mit den Vorwürfen konfrontiert wurde. Doch die Debatte wurde durch Al Bakers Kommentare angeheizt.  «Das ist auch gut so, es dauerte lange genug, bis sich die Iata mal mit dem Thema beschäftigt», so eine weibliche Topmanagerin zu aeroTELEGRAPH. Insofern sei das vielleicht sogar ein positiver Effekt von Al Bakers Aussagen. «Andernfalls wäre es am nächsten Tag vielleicht gar nicht mehr thematisiert worden.»

Was Lösungen für das Problem des Mangels an Frauen in der Branche angeht, schienen die meisten Redner allerdings ziemlich ratlos. Als ein Problem kristallisierte sich heraus, dass Frauen zwar oft Management-Positionen innehätten – allerdings oft im Personal- oder Rechts-Bereich. An die Spitze eine Fluglinie geht es allerdings meist über Positionen wie Operativ- oder Finanzchef. Und dort sitzen immer noch hauptsächlich Männer.

Frustrierend langsamer Fortschritt

Willie Walsh, Chef der British-Airways- und Iberia-Mutter IAG sieht das Problem allerdings noch anderswo verankert. Es fange bereits viel früher an. «Wir müssen schon jungen Mädchen zeigen, dass die Luftfahrt ihnen als Karrieremöglichkeit offensteht», so Walsh, der seine Karriere mit 17 Jahren als Pilot bei Aer Lingus begann. Auch die irische Airline gehört inzwischen zu IAG.  Wenn man in Schulen gehe und das aktiv kommuniziere, könne das Problem angegangen werden.

Der Fortschritt in Sachen Frauenquote sei bisher frustrierend langsam gewesen und könne eine Beschleunigung gut gebrauchen. Auch was die Anzahl der Pilotinnen bei seinen Airlines betreffe. «Aer Lingus hat die erste Pilotin 1977 eingestellt. 40 Jahre später beträgt der Frauenanteil 10 Prozent», sagte Walsh auf dem Podium.

«Mehr Selbstbewusstsein»

Mylene Scholnick, Partnerin des Beratungsunternehmens ICF, findet zwar, dass Fortschritte gemacht werden. Aber das gehe nur, wenn Frauen auch mitmachen und sich aus ihrer Komfortzone herausbewegen. Frauen seien oft weniger forsch als Männer, was dann dazu führe, dass sie bei Beförderungen übergangen werden. «Die Herausforderung ist, mehr Selbstbewusstsein zu erhalten, ohne die positiven Effekt der Zurückhaltung dabei zu verlieren», so Scholnick. Wie weit der Weg für die Branche ist, zeigt allein das Bild des 31-köpfigen Verbandvorstands. Nur eine Frau ist darauf zu sehen.

Immerhin: Ein Jahr zuvor waren es null Frauen und seit dem 5. Juni sind es jetzt zwei Frauen. «Aber uns ist bewusst, dass das nicht viel ist», versichert Iata-Generaldirektor Alexandre De Juniac. «Es ist einfach ein Jungs-Club», so eine andere Managerin zu aeroTELEGRAPH. «Ich kam gestern Abend zum Cocktail und wurde überschwemmt von der Menge an grauen Anzügen.»

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