Pratt & Whitney PW1500G an einem Airbus A220: Viele Airlines weltweit müssen ihre Flugzeuge wegen Triebwerksproblemen am Boden lassen.

TriebwerkeProbleme bei Pratt and Whitney halten Jets weltweit am Boden

Fluggesellschaften weltweit müssen Maschinen wegen Problemen mit Triebwerken von Pratt and Whitney am Boden lassen. Der Groll wächst.

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Die Luftfahrtbranche ächzt weiter unter einem Mangel an Ersatzteilen. Immer mehr Fluggesellschaften sind gezwungen, Teile ihrer Flotte am Boden zu lassen. Besonders gravierend ist das Problem bei Triebwerken. Und dabei steht ein Hersteller aktuell besonders im Fokus: Pratt & Whitney.

Probleme bereitet die PW1000G-Triebwerksfamile des US-Herstellers. Die Motoren sind unter anderem beim A320 Neo, der A220 und auch bei Embraers E2-Serie verbaut. Gerade im Hinblick auf die für Airlines so wichtige Sommersaison nimmt der Unmut von Fluggesellschaften auf Pratt & Whitney zu. Neu sind die Schwierigkeiten nicht. Kernproblem sind fehlende Ersatzteile und zu wenig Werkstattslots.

Von Turkish Airlines bis Air Baltic

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass Turkish Airlines vier Airbus A320 Neo aufgrund von Problemen mit Pratt & Whitney-Triebwerken derzeit nicht einsetzen kann. Die Fluggesellschaft bemühe sich um geleaste Ersatztriebwerke, aber das sei schwierig. «Lange Durchlaufzeiten bei Werkstattbesuchen und ein Mangel an einsatzfähigen Triebwerken verschlimmern das Problem», so Turkish-Airlines-Chef Bilal Ekşi kürzlich auf einer Konferenz in Indien.

Noch härter trifft es Air Baltic. Die lettische Fluggesellschaft betreibt eigentlich eine reine Airbus A220-Flotte. Von den 40 Maschinen befinden sich elf gerade in der Wartung oder warten auf die Wartung. In einer Mitteilung wirft Geschäftsführer Martin Gauss Pratt & Whitney vor, ihr gegebenes Versprechen bezüglich einer schnelleren Wartung nicht eingehalten zu haben.

Air Baltic muss Kapazitäten leasen und verleast selbst

Daher sieht sich Air Baltic gezwungen, die Ausfälle mit temporärem Wet-Lease auszugleichen. Vom 27. März bis Ende Mai 2023 sollen kurzfristig vier Flugzeuge zur Flotte stoßen. Darunter zwei A320 von Danish Air Transport und Cyprus Airways, ein A319 von Carpatair sowie eine Bombardier CRJ-900 von Xfly. Die Maschinen kommen auf Air-Baltic-Routen zum Einsatz.

Gleichzeitig hat Air Baltic eigene Maschinen unter anderem an Swiss verleast. Die Schweizer wollen mit zusätzlichen Kapazitäten auf mögliche Flugausfälle in Folge des Ersatzteilmangels reagieren können.

Von Indigo bis KLM

Auch in Indien ist man nicht gut auf Pratt & Whitney zu sprechen. Wegen fehlender Triebwerke können mehr als 50 Maschinen der Fluggesellschaften Indigo und Go First nicht abheben. Bei Indigo sollen rund 30 Flugzeuge betroffen sein. Da die Airline über 300 Flugzeuge verfügt, können die Ausfälle aufgefangen werden.

Schwieriger ist die Situation für die Billigfluggesellschaft Go First. Aufgrund der Triebwerksprobleme können 24 der 55 Maschinen nicht starten. Laut dem Portal Business Standard erwägt das Management, rechtliche Schritte gegen Pratt & Whitney einzuleiten und das Unternehmen auf Schadensersatz zu verklagen.

Pratt & Whitney arbeitet an Lösungen

Anfang Februar sagte eine Pratt & Whitney-Sprecher zu Aviation Daily: «Wir arbeiten eng mit unseren Kunden an Lösungen zur Minimierung von Betriebsunterbrechungen.» «Wir arbeiten auch mit unseren Lieferanten an Minderungsstrategien, erweitern die Ersatzteilshop-Kapazität und setzen Upgrades fort, um die Motorbetriebszeit zu verlängern».

Bereits Anfang des Jahres musste KLM acht ihrer 14 Embraer E2-Jets am Boden lassen, da Inspektionen an den PW1900-Triebwerken nötig waren. Probleme hatten und haben auch Air Tanzania, Air Sénégal und Egypt Air. Die Gründe: mangelnde Reparaturslots bei Pratt & Whitney und fehlende Ersatzmotoren aufgrund der angespannten Situation bei den Lieferanten des Herstellers.

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