Jens Ritter: Machte das Internet an - und servierte auch auf dem ersten Starlink-Flug.

Podcast LuftraumWarum Lufthansa trotz Elon Musk auf Starlink setzt, wie sie das Gratisangebot finanziert und wie auch Crews davon profitieren

Kostenloses Internet von Gate zu Gate, ein Login für die gesamte Gruppe und neue Möglichkeiten für den Betrieb: Lufthansa hat ihr Starlink-Zeitalter eingeläutet. Chef Jens Ritter aktivierte das System persönlich - und erklärt, warum das schnelle Internet nicht nur für Passagiere gedacht ist.

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Luftfahrt

Lufthansa hat ein neues Kapitel bei der Internetversorgung an Bord aufgeschlagen. Erstmals war diese Woche ein regulärer Flug mit Starlink unterwegs. Airline-Chef Jens Ritter ließ es sich nicht nehmen, das System persönlich im Cockpit zu aktivieren – und zeigte sich während des Fluges ausgesprochen angetan von dem Schritt. «Ich bin der Überzeugung, mit der Einführung dieser Technologie beginnt eine neue Ära der Konnektivität», sagt er im Gespräch mit aeroTELEGRAPH.

Für ihn ist Starlink dabei weit mehr als eine neue Möglichkeit für Passagiere, im Flugzeug schneller zu surfen. Die Technologie soll Teil einer umfassenden Modernisierung der Lufthansa und ihrer Angebote werden. Dass Ritter selbst den Schalter für das neue System umlegte, hatte auch einen persönlichen Hintergrund. Der Lufthansa-Airlines-Chef war viele Jahre Pilot und besitzt nach eigenen Angaben weiterhin eine gültige Airbus-Lizenz. Nach der Aktivierung meldete er sich per Durchsage bei den Passagieren und erklärte das Angebot.

«Großer Meilenstein» für Modernisierung und Passagierkomfort

Für Ritter war der Flug deshalb auch ein sichtbares Zeichen dafür, dass angekündigte Modernisierungen tatsächlich bei den Passagieren ankommen. Er sprach von einem «großen Meilenstein» für die Modernisierung und den Passagierkomfort.

Doch Lufthansa sieht Starlink nicht nur als Produkt für die Kabine. Auch der Flugbetrieb soll von der schnelleren Datenverbindung profitieren. Ritter nennt etwa die Übertragung von Wetterdaten. Zudem könnten Crews künftig Bilder oder kurze Videos an die Technik schicken und Informationen schneller empfangen. Das System funktioniert dabei auch am Boden. Gerade für technische Fragen eröffne die leistungsfähigere Verbindung deshalb neue Möglichkeiten.

Lufthansa Group setzt auf Synergien bei Installation

Dabei versucht Lufthansa, die Installation mit ohnehin geplanten Arbeiten an den Flugzeugen zu verbinden. Bei Langstreckenjets sollen beispielsweise Liegezeiten für die Umrüstung auf die neue Allegris-Kabine genutzt werden, um gleichzeitig Starlink einzubauen. Auch auf der Kurzstrecke laufen parallel weitere Modernisierungsprogramme.

So weist Lufthansa auf die Spielregeln hin: Neues Highspeed-Internet an Bord.

Ritter sieht gerade bei einem Projekt dieser Größenordnung Vorteile in der Konzernstruktur. Erfahrungen, die Lufthansa bei der Installation auf einem bestimmten Flugzeugmodell sammelt, können anschließend von den anderen Airlines übernommen werden. «Das ist der ganz große Vorteil, in der Gruppe zu sein», so der Lufthansa-Chef.

Finanziert über Daten und Partner

Das Ziel geht dabei über identische Antennen in den Flugzeugen hinaus. Für Passagiere soll ein möglichst einheitliches System entstehen. Ritter zufolge sollen sie sich künftig unabhängig von der jeweiligen Airline der Lufthansa Group mit derselben Lufthansa Flight ID anmelden können. «Wenn ich mit der Lufthansa Gruppe fliege, dann kann ich von Gate to Gate Internet erwarten mit einem Login», sagt Ritter. Passagiere sollen also nicht bei jeder Konzernairline mit unterschiedlichen Systemen hantieren müssen. Für Lufthansa ist diese Vereinheitlichung Teil des angestrebten Premiumangebots.

Gleichzeitig sieht Lufthansa Möglichkeiten, den kostenlosen Dienst wirtschaftlich mit Loyalisierung und Partnerschaften zu verbinden. Werbung soll dabei jedoch keine zentrale Rolle spielen. Ritter betont, Lufthansa werde den eigenen Premiumanspruch nicht durch Werbung oder ähnliche Maßnahmen beeinträchtigen.

Lufthansa diskutierte über Person Elon Musk

Mit der Entscheidung für Starlink bindet sich Lufthansa allerdings auch an ein Unternehmen von Elon Musk. Auf die Frage, ob dessen kontroverse öffentliche Rolle bei der Entscheidung eine Rolle gespielt habe, räumte Ritter ein, dass es darüber Diskussionen gegeben habe. Für Lufthansa habe letztlich jedoch die Technologie den Ausschlag gegeben.

Ritter verwies darauf, dass auch andere große Fluggesellschaften Starlink einsetzen oder sich dafür entschieden haben. Zugleich habe Lufthansa über den Umgang mit Daten in Deutschland und Europa verhandelt. Die entsprechenden Anforderungen seien umgesetzt worden.

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