Noch nicht bereit zum Abheben: Insgesamt hatte die Maschine mehr als drei Stunden Verspätung. (Symbolbild)

GerichtsurteilPassagiere haben Angst, Airline muss zahlen

Ein Flug verzögert sich, erst wegen eines technischen Problems, dann wegen ängstlicher Passagiere. Wer für die Verspätung zahlen muss, hat nun ein Gericht entschieden.

Top-Jobs

Sparfell Logo

CAMO Engineer f/m/d (full time) in Vienna (Austria)

Vienna
Feste Anstellung
Business Aviation
SPARFELL Luftfahrt GmbH
Österreich
Vollzeit
Top jobs
DERTOUR Logo

Reiseleiter (m/w/d)

Reiseveranstalter
DERTOUR Destination Services AG
Griechenland
Spanien
Portugal
Top jobs
Lübeck

Safety Manager (m/w/d) am Flughafen Lübeck

Lübeck
Feste Anstellung
Flughafen Lübeck
Deutschland
Vollzeit
Top jobs
Condor Logo Stelle

Duty Manager Ground Handling Center im Schichtdienst (m/w/d)

Feste Anstellung
Condor Flugdienst GmbH
Deutschland
Vollzeit
Top jobs

Am 1. Juni 2016 sollte ein aus München kommendes Flugzeug um 17:55 Uhr in Antalya in der Türkei landen. Doch der Abflug verzögerte sich laut Angaben der Fluggesellschaft um 1 Stunde und 35 Minuten, da während der Vorbereitung eine Kontroleuchte aufblinkte und daraufhin eine Steckverbindung überprüft und gesäubert werden musste.

Erst als das Problem behoben war, wollte eine Familie laut Darstellung der Airline das Flugzeug aus Flugangst verlassen - der Defekt hatte sie verunsichert. Nachdem ihr Gepäck ausgeladen war, konnte die Maschine abheben, kam aber erst um 21:10 Uhr in Antalya an.

Gericht teilt Auffassung nicht

Da der Flug mehr als drei Stunden Verspätung hatte, verlangten vier andere Reisende von der Fluggesellschaft ein Ausgleichszahlung gemäß der Europäischen Fluggastverordnung. Die Airline wollte jedoch nicht zahlen und vertrat vor Gericht die Ansicht, die Verspätung beruhe auf außergewöhnlichen Umständen. Jede der beiden Ursachen habe für sich genommen nicht zu einer Verspätung von mehr als drei Stunden geführt.

Das Amtsgericht Erding sah dies jedoch anders. Es urteilte, dass jedem der Kläger eine Ausgleichszahlung in Höhe von 400 Euro zustehe. Technische Defekte des Flugzeugs stellten nämlich keine außergewöhnlichen Umstände dar und erst der Defekt habe bei der Familie Angstzustände hervorgerufen. So sei in dem technischen Problem die Ursache für die gesamte Verspätung zu sehen.

Berufung ohne Erfolg

Die Airline legte Berufung ein und argumentierte, Flugängste seien, wie eine plötzliche Erkrankung von Passagieren, von einer Fluggesellschaft nicht beherrschbar und daher ein außergewöhnlicher Umstand. Das Landgericht Landshut teilte diese Auffassung zwar grundsätzlich, stellte aber klar, dass dies anders sei, wenn ein technischer Defekt die Flugangst erst unmittelbar auslöse. Die Angstzustände wären nämlich ohne das von der Airline beherrschbare technische Problem am Flugzeug nicht aufgetreten.

Die Fluggesellschaft nahm ihre Berufung daraufhin zurück, das Urteil ist somit rechtskräftig, wie das Amtsgericht Erding nun mitteilte (Aktenzeichen 8 C 2378/16).

Mehr zum Thema

angst flugzeug fliegen

Zwei Tipps, die angeblich gegen Angst im Flugzeug helfen - und einer gegen Reiseübelkeit

Virgin Australia verschärft Kampf gegen Flugangst

Virgin Australia verschärft Kampf gegen Flugangst

Anschnallzeichen: Vielen Passagieren wird es mulmig, wenn das Licht leuchtet.

Ein simpler Trick im Kampf gegen Flugangst

Video: So präsentiert der Flughafen sein Pferde-Programm.

Mini-Pferde sollen Fluggäste beruhigen

Video

Die Boeing 757 des Justizministeriums der USA nach der Landung in New York: Diktator an Bord.
Nach dem nächtlichen Zugriff der U.S. Army in Caracas endet der Weg des venezolanischen Machthabers vor einem Gericht in New York – an Bord einer 36 Jahre alten Boeing 757 des Justizministeriums der USA.
Stefan Eiselin
Stefan Eiselin
Die verunglückte ATR 72 von Buddha Air: Überschoss die Landebahn in Bhadrapur.
Bei der Landung in Bhadrapur konnte eine ATR 72 von Buddha Air nicht rechtzeitig abbremsen. Sie schoss 300 Meter über die Piste hinaus. Sieben Menschen wurden dabei verletzt.
Stefan Eiselin
Stefan Eiselin
evakuierung flugzeug koffer
Immer häufiger ist zu beobachten, dass Fluggäste bei Evakuierungen mit ihrem Handgepäck das Flugzeug verlassen - und damit ihr eigenes und fremde Leben riskieren. Der Airline-Dachverband Iata will nun mithilfe einer psychologischen Studie herausfinden, was Fluggesellschaften dagegen tun können.
Timo Nowack
Timo Nowack