Notwasserung im Hudson River: Glück und viel Können.

Warum Notwasserung schwierig ist

«Ich habe mal gehört, dass Notwasserungen im Simulator nicht geübt werden. Stimmt das?», fragt Leser Kevin Ziegler. Ein Linienpilot antwortet.

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Ja, das stimmt. Ich denke, dass der Simulator gar nicht so programmiert ist, dass man Notlandungen im Wasser üben könnte. Schon nur die Wellen zu programmieren, welche dann einen Einfluss auf das Aufsetzen des Flugzeuges haben, wäre eine enorme Arbeit. Zudem bestehen wohl kaum Testwerte in diesem Bereich.

Man kann sich auch fragen, wie oft eine Notwasserung in der Realität vorkommt. Die anschließende Kosten-Nutzen Frage zeigt schnell, dass sich eine teure Lerneinheit zum Üben von Notwasserungen für die Airlines wohl kaum lohnt. Denn sie wollen vor allem Geld einsparen – wo auch immer.

Geschick und Glück

Wenn es trotzdem mal zu einer Notwasserung kommen sollte, dann müssen viele Umstände stimmen, damit diese glückt. Kapitän Chesley Sullenberger profitierte bei der berühmten Notwasserung auf dem New Yorker Hudson River von guten Umständen, bewies aber auch viel Können. Denn nur Glück ist es dann doch nicht.

Das Wasser sollte flach sein. Böige Winde sind nicht erwünscht. Das Flugzeug darf beim Aufsetzen keine Querlage haben, denn sonst berührt der Flügel zuerst das Wasser und reißt somit den Flieger auseinander. Der Pilot muss nun großes Können beweisen und das Flugzeug im richtigen Winkel und mit der richtigen Geschwindigkeit aufsetzen. Er muss auch die notwendigen Checklisten-Punkte für eine Notwasserung ausführen. Aber vor allem muss er vorher eine Entscheidung fällen, wo und wie er landen will.

Sullenberger ein Vorbild

Sullenberger meisterte dies bravourös. Gerade weil wir die Notwasserung im Simulator nicht üben, braucht es umso mehr Mut zur Entscheidung. Schließlich sollten Rettungskräfte in der Nähe sein, die sofort helfen können. Denn falls Passagiere ins eiskalte Wasser springen, sinken die Überlebenschancen mit jeder Minute. Es bleibt aber dabei, dass dieses Szenario äußerst unwahrscheinlich ist und falls es eintrifft, werden so viele unvorhersehbare Faktoren mitspielen, dass man wohl nie richtig vorbereitet sein kann.

Was Sie schon immer übers Fliegen wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten: Ein Pilot einer großen europäischen Fluglinie beantwortet exklusiv für aeroTELEGRAPH die Fragen der Leser. Er bleibt dabei anonym, um unabhängig antworten zu können.  Schicken Sie uns einfach eine E-Mail an pilot@aerotelegraph.com.  Unter den eingesandten Fragen werden die spannendsten jeweils auf aeroTELEGRAPH beantwortet. Dabei wird der Name des Einsenders veröffentlicht. Ein Recht auf Beantwortung besteht nicht.

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