Lufthansa-Chef Carsten Spohr: Wünscht sich Boeings Management näher der Produktion in Seattle.

AnsageLufthansa-Chef rät Boeing: «Chefin oder Chef muss wieder in Seattle sitzen»

Wer bei Boeing auf David Calhoun folgt, ist noch nicht klar. Dazu, wo der- oder diejenige sitzen sollte, hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr aber eine klare Meinung.

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In einem ehemaligen Bootsschuppen in Seattle bauten William E. Boeing und der Ingenieur George Conrad Westervelt 1916 das B & W Seaplane, später auch Boeing Model 1 genannt. Aus der gemeinsam gegründeten Firma Pacific Aero Products stieg Westervelt aber bald aus. Boeing machte weiter und taufte das Unternehmen später in Boeing Airplane Company um. Daraus entstand in Seattle und Umgebung ein Gigant im Flugzeugbau.

Doch im Jahr 2000, drei Jahre nach Übernahme von McDonnell Douglas, kam Boeings Chefetage auf die Idee, einen neuen Standort für ihr Hauptquartier zu suchen. Der sollte zeigen, dass Boeing mehr ist als nur die Produktion in Seattle, sondern mittlerweile an vielen Orten aktiv. Zur Auswahl standen Chicago, Dallas/Fort Worth und Denver.

Erst nach Chicago, dann nach Arlington

Im Mai 2001 verkündete der Konzern dann, den Firmensitz nach Chicago zu verlegen. «Unsere neue Firmenstruktur mit einem schlanken Management und mit einer Zentrale, die räumlich von unseren großen Unternehmensbereichen entfernt liegt, ist ein wesentliches Element unserer Geschäftsstrategie», sagte der damalige Chef Phil Condit.

21 Jahre später entschied sich Boeing erneut für einen Wechsel des Firmensitzes. Aber nicht etwa zurück nach Seattle, sondern nach Arlington bei der Hauptstadt Washington, und damit nahe ans Zentrum der politischen Macht der Vereinigten Staaten.

Seattle hat viele Fürsprecher

Dass sich das Management vom Herzstück der Produktion, das weiterhin Seattle ist, entfernt hat, wurde oft kritisiert. In der aktuellen Krise rund um Boeing Qualitäts- und Sicherheitskultur nimmt die Kritik nun noch einmal zu - auch von prominenter Seite.

So sagte etwa Ryanair-Chef Michael O'Leary im März, Boeings damaliger Chef der Zivilflugzeugsparte, Stan Deal, müsse beweisen, «dass er in der Lage ist, den Betrieb in Seattle wieder auf die Beine zu stellen». Er müsse «täglich in Seattle sitzen und Flugzeuge produzieren». Die Chance bekam Deal aber nicht mehr - er wurde kurz darauf abgesetzt.

Lufthansa-Chef positioniert sich klar

Emirates-Präsident Tim Clark sagte ebenfalls im März bei einem Gespräch in Berlin rückblickend über Boeing: «Als sie den Hauptsitz von Seattle nach Chicago verlegten, dachte ich, was soll das alles?» Noch deutlicher wird nun Lufthansa-Group-Chef Carsten Spohr.

«Es ist wichtig, dass man dort die Führungsprobleme in den Griff bekommt», sagte Spohr in einem Pressegespräch auf eine Frage nach den Problemen bei Boeing. «Aus meiner Sicht muss dringend die Chefin oder der Chef wieder in Seattle sitzen und nicht in Washington. Das sind so kleine Dinge, von denen ich glaube, dass sie jetzt korrigiert werden müssen, damit Boeing wieder das tut, was sie jahrzehntelang getan haben, nämlich tolle Flugzeuge bauen.»

Calhoun tritt Ende des Jahres ab

Der Lufthansa-Chef erklärte, man drücke die Daumen, dass Boeing «wieder auf die Beine kommt». Denn die Branche brauche den Flugzeugbauer als «gesunden Anbieter im Markt».

Boeing-Chef David Calhoun hatte im März seinen Rücktritt für Endes des Jahres 2024 bekannt gegeben. Der Nachfolger oder die Nachfolgerin ist noch nicht bekannt. Die Lufthansa-Gruppe hat bei Boeing derzeit offene Bestellungen für 102 Flugzeuge: 40 Boeing 737 Max, eine Boeing 777 F, 20 Boeing 77-, sieben Boeing 777-8 F und 34 Boeing 787-9. Die ersten Dreamliner mit der neuen Allegris-Kabine haben erneut mehr Verspätung.

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Damit begann alles: Das B & W Seaplane, das später auch Boeing Model 1 hieß. Es war 8,38 Meter lang, hatte eine Spannweite von 15,8 Meter und konnte bis zu 120 Kilometer pro Stunde schnell fliegen. Zwei Stück wurden gebaut und nach Neuseeland verkauft.

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