Flughafen Lübeck: Soll wachsen.

Lübeck AirLübeck soll mit eigener Airline aufleben

Es sind harte Zeiten für Regionalflughäfen. In Lübeck will man dennoch den Linienbetrieb wieder aufnehmen. Auch mithilfe einer eigenen kleinen Airline.

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Im Hohen Norden Deutschlands sind Flughäfen mit Linienbetrieb rar gesät. Im Bundesland Schleswig-Holstein haben weder Kiel noch Flensburg einen Airport mit entsprechendem Angebot. Die Ausnahme bildet Sylt - aber wer will schon erst vom Festland auf die Insel fahren, um dann von dort abzufliegen? Da will nun Lübeck ins Spiel kommen.

Nachdem sich Wizz Air im April 2016 vom Flughafen Lübeck zurückgezogen hatte, finden am Airport der Hansestadt keine Linienflüge mehr statt. Doch am 11. März 2019 hat Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz dem Airport nun eine Zertifizierung der europäischen Luftfahrtbehörde Easa übergeben. Diese bestätige, dass die Sicherheitsanforderungen für einen Betrieb mit mehr als 10.000 Fluggästen pro Jahr erfüllt seien. Damit erhalte man die Chance, «zu einer kleinen Drehscheibe des Luftverkehrs zu werden», so der Politiker.

Zusammenarbeit mit dänischer Air Alsie

Im April 2020 sollen dann wieder Linienflüge in Lübeck abheben, wie Flughafen-Geschäftsführer Jürgen Friedel gegenüber der Zeitung Lübecker Nachrichten erklärte. Dabei gehe es auch um große Fluggesellschaften. Doch der Flughafen soll auch eine eigene kleine Fluglinie bekommen.

Lübeck Air, die Flughafenbesitzer Winfried Stöcker vor einem Jahr gegründet hatte, wird das Vehikel dazu. Zurzeit besitzt sie einen Businessjet des Typs Falcon 7x, will künftig aber mit dem dänischen Charterairline Air Alsie zusammenarbeiten, die neben Businessjets auch ATR besitzt. Als mögliche Ziele zur Debatte stehen neben Stockholm etwa auch München, Zürich, Wien und London.

Schwierige Zeit für Regionalflughäfen

Als Terminal will der Flughafen vorübergehend drei Hallen nutzen, die je 25 mal 25 Meter groß sind und in Kürze an das derzeitige Gebäude angebaut werden sollen. Später ist dann ein echter Terminalneubau geplant und die Hallen sollen versetzt und als kleine Hangar genutzt werden. Im Mai soll zudem der Bau einer neuen Entwässerungsanlage beginnen.

Der Neustart des Linienbetriebs erscheint als mutiger Schritt in einer Zeit, in der viele Regionalflughäfen nach Airline-Pleiten wie der von Germania zu kämpfen haben. Verkehrsminister Buchholz verwies darauf, dass in den Jahren zwischen 2000 und 2016, als regelmäßiger Linienflugbetrieb herrschte, jährlich bis zu 715.000 Passagiere abgefertigt worden seien. Wer sich die ständig sinkenden Passagierzahlen am Ende dieser Ära anschaut, sieht allerdings deutlich andere Zahlen. So schrieben die Lübecker Nachrichten im Jahr 2015 etwa: «In Lübeck gestartet und gelandet sind im vergangenen Jahr gerade noch 169.000 Passagiere. Das sind etwa halb so viele wie 2013. Der Flughafen Sylt-Westerland fertigte zuletzt eine beinahe genauso große Zahl an Fluggästen ab.»

Umstrittener Flughafenbesitzer

Geschäftsmann Winfried Stöcker hatte bereits 2012, als er noch nicht Besitzer des Flughafens war, am Start einer Airline namens Luebeck Air gearbeitet, den Plan dann aber wieder auf Eis gelegt. 2016 übernahm der Biotechnologie-Unternehmer dann den Flughafen und rettete ihn vor der Pleite. Anfang 2018 gründete er nicht nur Lübeck Air, sondern handelte sich auch mit Aussagen über Frauen und Flüchtlinge Kritik ein. Schon 2015 hatte Stöcker in seinem privaten Blog «zum Sturz der Kanzlerin Merkel» aufgerufen.

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