Antonov An-124 von Volga-Dnepr: Kanada hat ein Exemplar konfisziert und will das Geld aus dem Verkauf für den Wiederaufbau der Ukraine nutzen.

Frachter von Volga-DneprKanada konfisziert gestrandete Antonov An-124

Sechs Antonov An-124 von Volga-Dnepr fliegen munter in der Welt herum. Drei sind in Leipzig gestrandet. Eine steht in Toronto. Nun hat Kanada diese offiziell beschlagnahmen lassen.

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Der Maßnahme ging ein juristisches Vorspiel voraus. Im März 2022, also nur wenige Wochen nach Beginn des Angriffs Russlands auf die Ukraine, ordnete ein ukrainisches Gericht die Beschlagnahmung aller Antonov An-124 der Volga-Dnepr-Gruppe an. Es gehe dabei um die «Beweissicherung und weitere Entschädigung».

Flugzeugbauer Antonov hatte gegen die russische Frachtairline geklagt. Die russische Luftfahrtbehörde Rosaviatsiya habe einer Tochter der Gruppe rechtswidrig das Recht eingeräumt, Lufttüchtigkeitszeugnisse für An-124 auszustellen, begründete sie. Und damit habe sie «den sicheren Betrieb der Flugzeuge gefährdet, was einen eklatanten Verstoß gegen internationale Konventionen darstellt».

An-124 fliegen in Russland, aber auch im Ausland

Um sieben Antonov An-124 muss sich Volga-Dnepr trotz des Urteils keine Sorgen machen. Sie befinden sich in Russland und sind darum vor gerichtlichem Zugriff geschützt. Sechs von ihnen fliegen aktuell innerhalb Russlands, aber zwischenzeitlich auch nach Armenien, Aserbaidschan, Belarus, China, Kasachstan, Kirgistan, Marokko, Tunesien, in die Türkei, nach Turkmenistan und in die Vereinigten Arabischen Emirate. Ein Exemplar steht seit Längerem in Ulyanovsk herum.

Drei weitere An-124 der Frachtairline – sie tragen die Kennzeichen RA-82043, RA-82045 und RA-82046 – stehen geparkt am Flughafen Leipzig/Halle. Dort betrieb Volga-Dnepr ein Drehkreuz. Sie können Deutschland wegen des für russische Flugzeuge gesperrten Luftraums nicht verlassen.

Neue Sanktionen gegen Volga-Dnepr

Eine An-124 von Volga-Dnepr befand sich bei Kriegsbeginn am Toronto Pearson International Airport und ist seither dort gestrandet. Sie blieb aber Eigentum der russischen Frachtairline. Diese konnte den Flieger jedoch nicht abholen, weil der Luftraum für sie gesperrt ist und sie erst die Parkgebühren bezahlen müsste, die sich inzwischen auf rund eine halbe Million kanadische Dollar summieren.

Die Regierung in Ottawa machte aber bereits klar, dass sie beabsichtigt, den XL-Frachter mit dem Kennzeichen RA-82078 an die Ukraine zu übergeben. Jetzt hat sie den ersten offiziellen Schritt dazu gemacht. Die Regierung ließ die Antonov An-124 konfiszieren. Der Grund seien neue kanadische Sanktionen gegen Volga-Dnepr, da die Frachtairline die russische Regierung unterstützt.

Geld für Wiederaufbau und Entschädigung von Opfern

Die An-124 geht allerdings noch nicht so schnell an die Ukraine. Man werde den Vermögenswert «im Einklang mit den Bundesgesetzen verwalten» teilte das kanadische Außenministerium mit. Sollte er am Ende dem Staate zufallen, werde man mit der Regierung der Ukraine Möglichkeiten erarbeiten, «diesen Vermögenswert umzuverteilen, um die Opfer von Menschenrechtsverletzungen zu entschädigen, den internationalen Frieden und die Sicherheit wiederherzustellen oder die Ukraine wiederaufzubauen».

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