Airbus A320 Neo von Jazeera Airways: Längere Routen möglich.

Auch Flüge nach München im VisierJazeera Airways schaut sich Boeing 737 Max an

Mit dem ersten Airbus A320 Neo will der Billigflieger aus Kuwait bald nach Europa - unter anderem nach München. Beim geplanten Flottenausbau klopft Jazeera Airways nun aber auch bei Boeing an.

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Viele Jahre lang musste Jazeera Airways bei ihrem Wachstum ein gemächliches Tempo einlegen. Mehr als dreizehn Jahre nach der Aufnahme des Flugbetriebs zählt die Billigairline aus Kuwait trotz guter Ergebnisse nur gerade ein knappes Dutzend Airbus A320 in ihrer Flotte. Ein überfülltes Heimatdrehkreuz in Kuwait City und eine behördliche Abfuhr für die Basis in Dubai bremsten die erste private Airline des Landes aus.

Ein im Alleingang errichtetes eigenes Terminal ebnet seit letztem Jahr nun den Weg zum lang erhofften Ausbau. Während die Aufstockung auf insgesamt 16 Flugzeuge bis 2020 bereits definitiv ist, plant Jazeera den ersten größeren Ausbau der Flotte. Wie die Zeitung The National berichtet, möchte die Fluglinie im nächsten Jahr eine Bestellung von 25 neuen Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen aufgeben.

Mit neuen Fliegern nach Europa

Bisher setzt der Billigflieger ausschließlich auf zehn Airbus A320-200 sowie auf ein Exemplar des neumotorisierten Version A320 Neo, von der in diesem Jahr noch zwei weitere Flieger zur Flotte dazu stoßen sollen. Von der neuesten A320-Generation verspricht sich Jazeera nicht nur günstigere Betriebskosten, sondern auch die Expansion auf längeren Routen. So kündigte sie Anfang August mit London-Gatwick ihr erstes Ziel außerhalb Asiens an, das sie mit ihren A320 Neo ab Ende kommenden Oktober anfliegen möchte.

Laut Jazeera-Chef Rohit Ramachandran sollen mit Manchester, Birmingham, München, Malaga, Athen oder Nizza bald weitere Ziele in Europa folgen. Für diese Ziele erwägt die Billigfluglinie aber nicht nur den Zulauf weiterer Airbus A320 Neo, welche die langen Routen möglich machen. Trotz der unsicheren Wiederzulassung kommt für Jazeera auch die Boeing 737 Max in Frage.

Jazeera zeigt Vertrauen in Boeing

«Es ist undenkbar, dass es nicht gelöst wird» schätzt Ramachandran die derzeitigen Probleme um die 737 Max ein. Noch immer arbeitet Boeing mit Hochdruck daran, die Probleme um das Steuerungshilfssystem MCAS in den Griff zu bekommen. Währenddessen wurden auch beim Autopiloten sowie bei einem Mikroprozessor Mängel bekannt. Während einige Betreiber das Modell für dieses Jahr nicht mehr einplanen, zeigt sich Boeing zuversichtlich, dass das Grounding bereits im Oktober aufgehoben wird.

Sollten die Probleme bis Anfang 2020 behoben sein, sei Jazeera auch bereit, mit Boeing über eine Bestellung zu verhandeln, so Ramachandran zu The National. Er möchte die Entscheidung über beide Modelle von den «kommerziellen Bedingungen und Unterstützung» abhängig machen. Für die Billigfluggesellschaft könnte aber auch durchaus ausschlaggebend sein, ab wann sie die dringend benötigten Flugzeuge erhalten könnte. Denn die derzeitig zulaufenden Airbus A320 Neo konnte Jazeeras Leasinggeber nach Aussagen von Ramachandran nicht nur günstig, sondern auch früher beziehen, weil er frei gewordene Produktionsslots von abspringenden Fluglinien übernehmen konnte.

737 Max nur Druckmittel für Verhandlungen?

Dies dürfte bei künftigen A320 Neo schwerer und insbesondere teurer als zuvor werden, denn durch das Grounding der 737 Max ist das europäische Modell begehrter geworden. Flyadeal, ebenfalls eine der wenigen Billigfluggesellschaften aus dem Nahen Osten, stornierte beispielsweise im Juni ihrer Order über 30 Boeing 737 Max. Die Muttergesellschaft hob zuvor eine Bestellung von Flugzeugen von A320 Neo von 35 auf 65 Maschinen an. Jazeera könnte die bisherige Taktik bei der Beschaffung nun auf die 737 Max übertragen.

Zudem könnte die Boeing bei einer möglichen Bestellung mit hohen Rabatten bei der 737 Max locken. Nachdem die British Airways-Mutter IAG im Juni 200 Exemplare des Problemfliegers bestellte, galten ein Schnäppchenpreis - gemunkelt wird von einem Rabatt von rund 70 Prozent - als wichtiger Grund für die überraschende Order. Gegen eine Einflottung der 737 Max neben den A320 Neo spricht, dass insbesondere Billigfluggesellschaften mit dem Betreiben einer Eintypen-Flotte viel Geld sparen.

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