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Militärzensur

Israel macht Geheimnis um seine Air Force One

Israels Premierminister soll endlich ein eigenes Flugzeug bekommen. Dazu wird ein gebrauchter Passagierjet für 45 Millionen Euro umgerüstet. Fast alle Informationen zum Flieger stehen unter Militärzensur.

Oyoyoy/Wikimedia/CC

El Al: Israels Regierung will sich nicht mehr abzocken lassen.

Wenn Israels Premier Benjamin Netanjahu heute ins Ausland reisen will, mietet die Regierung eine Maschine der Nationalairline El Al. Doch dies soll sich bald ändern. Ende Dezember hat der Haushaltsausschuss der Knesset 183 Millionen Schekel (rund 45 Millionen Euro) für den Umbau eines Passagierflugzeugs zur israelischen «Air Force One» genehmigt. Die Arbeiten am Flieger, der im Sommer 2016 gekauft worden war, wurden bereits aufgenommen.

Viel ist über das Flugzeug nicht bekannt. Marke und Modell werden von den Militärzensoren unter Verschluss gehalten. Auf Bildern in israelischen Medien ist die Maschine unkenntlich gemacht. Immerhin ist zu erkennen, dass es sich um einen relativ großen Jet – möglicherweise von Boeing oder Airbus – handelt.

Schutz vor Boden-Luft-Raketen

Geheim ist auch die Ausrüstung. Israels TV-Sender Channel 2 berichtete aber, dass der Jet mit dem einheimischen Raketenabwehrsystem Flight Guard ausgerüstet wird, das in zahlreichen Militärflugzeugen, Helikoptern und Businessjets aber auch in Linienmaschinen von El Al, Arkia und Israir zum Einsatz kommt. Es verspricht Schutz vor schultergestützten Boden-Luft-Flugabwehrraketensystemen.

Mit einem sogenannten Manpads (Man Portable Air Defense System) hatten Terroristen 2002 im kenianischen Mombasa versucht, eine Boeing 757 der israelischen Arkia abzuschießen. Im Anschluss an den Zwischenfall waren viele zivile Flugzeuge in Israel mit Flight Guard ausgerüstet worden. Die Sicherheit des Systems wird indes von verschiedenen Flugsicherheitsbehörden angezweifelt.

Lange ohne «Air Fore One»

Zu den weiteren Anforderungen an die israelische Air Force One gehört ein modernes Kommunikationssystem, das einen ständigen Kontakt mit Israel sicherstellen soll. Bis 2003 war die israelische Regierung mit einer Boeing 707 der Luftwaffe unterwegs, die jedoch immer wieder als unkomfortabel kritisiert wurde. 1997 zersprang ein Fenster bei einem Flug mit dem damaligen und heutigen Premier Netanjahu an Bord.

Seit 2003 werden für Auslandsreisen des Premiers Linienmaschinen gechartert. Andere Regierungsmitglieder und der Präsident flogen teilweise auch einfach First Class. Fantasiepreise der Airlines sorgten jedoch immer wieder für Proteste. So kostete beispielsweise der Einbau eines Bettes in eine El-Al-Maschine für den fünfstündigen Flug von Netanjahu nach Großbritannien den israelischen Fiskus 450’000 Schekel (rund 110’000 Euro).

Hier ein Link zum zensurierten Bild – auf welchen Flugzeugtyp tippen Sie? Diskutieren Sie in der Kommentarspalte mit den Mitlesern.



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