Salzburgs Flughafenchefin Bettina Ganghofer: Fan von Besucherterrassen.

Bettina Ganghofer, Flughafen Salzburg«Das zerstört den Markt und auch mein Geschäft»

Im Interview mit aeroTELEGRAPH spricht Salzburgs Flughafenchefin Bettina Ganghofer über das Fest zum 100. Geburtstag des Airports, über die anstehende Modernisierung der Terminals und über ihre Kritik an der subventionierten Flugroute Linz - Frankfurt.

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Der zweitgrößte Flughafen Österreichs wird 100 Jahre alt und lädt daher am 20. Juni zum Flughafenfest. Es soll ein «Fest für die ganze Familie werden», sagt Flughafenchefin Bettina Ganghofer. Rund 25.000 bis 30.000 Besucherinnen und Besucher erwartet sie zum Tag der offenen Tür. Dabei soll das Flughafenvorfeld bei laufendem Flugbetrieb teilweise gesperrt werden, um Platz für zahlreiche Aussteller wie die Polizei, das Bundesheer, die Flugsicherung Austro Control und die Flying Bulls zu schaffen. Von Letzteren ist laut Ganghofer auch mit einer kleinen Vorführung mit ihren historischen Flugzeugen zu erwarten.

Was moderne Flugzeuge und den aktuellen Flugbetrieb angeht, zeigt sich die Airport-Chefin mit dem zurückliegenden Winter zufrieden. «Was man seit Ende der Covid-Pandemie aber merkt, ist, dass sich die Saison verschoben hat und wieder kürzer wird», sagt Ganghofer. «Es ist immer noch viel Wintercharter, aber man merkt, dass das Geschäft nicht mehr so intensiv ist wie noch im Jahr 2020, bevor wir in den ersten Lockdown gegangen sind.» Gleichzeitig bemerke man aber auch, dass die Saison für Flüge in den Süden, etwa auf die Kanaren oder nach Mallorca, früher beginnt. «Denn die Menschen wollen in die Sonne und wir haben mit unserem Flugangebot rechtzeitig auf diese Nachfrage reagiert.»

«Immer mehr Urlaubsgäste im Linienverkehr»

Derweil ist der klassische Wintercharterverkehr im Wandel, denn es werden immer mehr Plätze auf Linienflügen von Reiseveranstaltern geblockt: «Dass ganze Flugzeuge gechartert werden, passiert zwar immer noch, aber nicht mehr in dieser Großzügigkeit, wie wir sie einmal hatten», erklärt Ganghofer. «Die Grenzen zwischen klassischen Linien und Charterverkehr haben sich immer mehr vermischt, wir haben heute einen hybriden Mischverkehr, denn es fliegen immer mehr Urlaubsgäste im Linienverkehr.»

Auf die gerade startende Sommersaison blickt die Flughafenchefin optimistisch und sagt: «Die Nachfrage nach Urlaubsflügen ab Salzburg als auch von Gästen, die ihren Urlaub in Salzburg und Umgebung verbringen wollen, ist sehr stark.» Besonders stolz ist man am Flughafen auf das Ganzjahresflugprogramm zu Drehkreuzen wie in Amsterdam, Barcelona, Istanbul, London oder Belgrad. «Wir sind wirklich gut angebunden, und mit einmal Umsteigen kommt man ab Salzburg tatsächlich überall in die Welt», sagt Ganghofer.

Iran-Krieg und Hoffen auf schnelle Rückkehr der Reisenden

Da im Sommerflugplan eigentlich Destinationen wie Tel Aviv, Dubai oder Riyadh direkt bedient werden, hat der Iran-Krieg Folgen: «Die unmittelbare Auswirkung ist, dass Flüge von Israel und Dubai derzeit nicht stattfinden», so Ganghofer. «Unsere Flüge aus Saudi-Arabien beginnen traditionell ab Ende Mai, da ist es noch zu früh, ein Urteil abzugeben.» Riyadh sei laut jetzigem Wissensstand aber nicht betroffen und die Flüge unverändert im Plan.

Das Reisebedürfnis in diesen Ländern ist laut der Flughafenmanagerin groß, wie die Vergangenheit gezeigt hat: «Sobald die Flüge aus Tel Aviv verfügbar waren, kamen die Reisenden verstärkt nach Salzburg zurück.»

Air Serbia und das Potenzial in Südosteuropa

Im aktuellen Sommerflugplan werden zahlreiche neue Destinationen wie etwa Pristina angeboten. Auf neue Hoffnungsmärkte angesprochen, sieht Ganghofer noch großes Potenzial in Südosteuropa: «Länder wie Mazedonien oder Montenegro entwickeln sich gut und werden touristisch auch immer öfter nachgefragt», sagt sie. Mit Österreich gebe es außerdem enge historische Verknüpfungen aus diesen Märkten und die jeweilige Diaspora in Salzburg und Bayern sie groß. «Das Beispiel Air Serbia mit Belgrad zeigt, dass es einen Markt in dieser Region gibt, der noch stärker bespielt werden sollte», sagt die Airport-Chefin.

Mit Ryanair hat man einen treuen Low-Cost-Kunden seit über 25 Jahren, während Wizz Air in Salzburg keinen guten Start während der Pandemie hatte: «Jedes Mal, wenn eine neue Destination starten sollte, gab es ein Reiseverbot dorthin», erinnert sich Ganghofer.

«Wizz Air wollte nicht warten»

Beim zweiten Versuch hätte Wizz Air mit Skopje und Bukarest zwei Ziele gehabt, die sehr gut angenommen worden seien. «Auch London war im Flugplan von Wizz Air – da waren wir als Flughafen von Beginn an skeptisch, da der Markt schon von mehreren Fluglinien und beinahe zu allen Flughäfen in London bereits bedient war», so die Managerin. Sie erklärt: «Der Salzburger Markt ist generell sehr konservativ und es dauert immer eine Zeit bis eine Fluglinie vom Publikum angenommen wird. Wizz Air wollte nicht warten.»

Austrian Airlines bedient Salzburg seit 2020 nicht mehr im Regionalverkehr und bietet nur noch eine «Air Rail»-Anbindung zum Drehkreuz Wien. Auf deren Erfolg angesprochen meint Ganghofer, die Rechnung habe nicht aufgehen können. «20 Prozent unserer Gäste kommen aus der Stadt Salzburg und 80 Prozent aus dem Umland. Jene Gruppe setzt sich nicht in den Zug, um damit nach Salzburg und weiter nach Wien zu fahren. Man glaube, wenn auch nur 20.000 Passagiere auf den Zug umgestiegen seien, sei das schon sehr hoch gerechnet.

Scharfe Kritik an subventionierter Route Linz- Frankfurt

Geschäftsschädigend findet Ganghofer die neue Flugverbindung Linz - Frankfurt, die vom benachbarten Bundesland Oberösterreich mit Steuergeldern subventioniert wird. «Ich glaube, dass diese Art von Geschäft die Gebührenstruktur im Luftverkehr komplett unterläuft und damit eine Gefahr und Risiko für die Branche darstellt», kritisiert sie. «Warum sollten Airlines zukünftig für Starten und Landen bezahlen, wenn Sie dies auch umsonst haben können?» Anscheinend sei es der EU bei ihrer Beurteilung auch egal, dass der Flughafen Linz von vier Flughäfen umgeben sei, die man innerhalb von 60 bis 90 Minuten erreichen können.

Für Flughäfen wie in Salzburg sei es heute schon schwierig genug, von der Luftfahrt zu leben, so Ganghofer. Sie fürchtet, dass sich die Preisspirale durch solche Aktionen noch weiter nach unten entwickeln wird. «Das zerstört den Markt und auch mein Geschäft», sagt die Chefin des Flughafens Salzburg. «Ich befürchte außerdem, dass, wenn der PSO-Vertrag nach vier Jahren ausläuft, das Projekt wieder einschläft, denn der Flug der AUA ist eingestellt worden, weil sich die Strecke einfach nicht rechnet.»

Flughafen Salzburg stagniert bei rund 1,8 Millionen Fluggästen

Derweil unterstützt Ganghofer die Forderung nach Abschaffung der Ticketsteuer. «Österreich hat einen Wettbewerbsnachteil, weshalb es für mich ganz klar ist, dass die Ticketsteuer weggehört», sagt die Managerin. «Mehr Flugverkehr führt zu mehr touristischem Verkehr, wodurch die Wertschöpfung steigt, weil einfach mehr Geld ausgegeben wird.»

Am Flughafen Salzburg hat man in den letzten Jahren eine gewisse Marktsättigung festgestellt, weshalb man gleichbleibend rund um 1,8 Millionen Reisende jährlich abfertigt. «Dies ist kein Phänomen, das es ausschließlich in Salzburg gibt. Es mag vielleicht daran liegen, dass die demografische Entwicklung in unserem Einzugsgebiet keine großen Entwicklungen aufweist», vermutet Ganghofer. Auch beim Thema Tourismus gebe es bereits ein sehr hohes Niveau in der Stadt Salzburg und in den umliegenden Regionen.

Vorbereitung für Terminal-2-Verlängerung laufen

Der Flughafen Salzburg müsse laufend wachsen, um die erreichten Zahlen zu halten, und allein das sei harte Arbeit, sagt Ganghofer. «Wir verlieren Verkehre mit jeder der vielen kleinen und großen Krisen, oder durch Insolvenzen von Fluglinien. Eine Air Berlin und Flyniki hielten bis 2016 rund 40 Prozent Marktanteil am Salzburger Flughafen.» Das seien Krisen, die man als Flughafen erst einmal überstehen und durch neues Geschäft ausgleichen müsse.

Nach der Sanierung der Piste im Jahr 2019 steht nun das nächste Megaprojekt vor der Tür, die Errichtung eines neuen Abflugterminals bis 2030. Aktuell laufen letzte Vorbereitungen, bevor im kommenden Jahr der Bau beginnt. «Eine dieser Vorbereitungen ist, dass Hangar 2, der sich neben unserem Amadeus-Terminal 2 befindet, abgerissen wird», erklärt die Flughafenchefin. «Terminal 2 wird dann weiter in Richtung Süden verlängert und wird zukünftig das neue Abflugterminal sein.» Dort werde es erstmals eine zentrale Grenzkontrolle und eine Trennung von Schengen- und Non-Schengen-Passagieren geben.

Hangar 2 (link im Bild hinter dem Flugzeug) wird abgerissen, um Terminal 2 (rechts im Bild) zu verlängern.

Bis 2033 wird auch Terminal 1 am Flughafen Salzburg ersetzt

«Der Komfort für den Passagier wird sich dadurch verbessern und der bisherige Lounge-Bereich wird aufgrund der starken Nachfrage vergrößert», verspricht Ganghofer. Die Arbeiten würden kommenden Frühjahr starten und bis 2030 abgeschlossen sein. «Das bedeutet, ab 2030 verfügt der Salzburger Flughafen endlich über ein eigenes schönes Abflugterminal.»

Bis auf die Check-in-Halle soll das heutige Terminal 1 komplett ersetzt werden. «Dieser Teil des Terminals wird durch einen neuen Ankunftsbereich ersetzt, ab 2033 soll dann der Ankunftsbereich in neuem Glanz erscheinen und auch genügend Platz für das neue EU- Entry/Exit-System bieten, was heute über einen provisorischen Einreisesatelliten abgewickelt werden muss, da wir in der bisherigen Ankunft dafür keinen Platz haben», sagt Ganghofer. So vergrößere sich der Flughafen nicht nur, sondern er erneuere und modernisiere sich auch.

«Eine Terrasse braucht es unbedingt»

Gute Nachrichten gibt es dabei für Fans der beliebten Besucherterrasse. «Eine Terrasse braucht es unbedingt, diese ist für den Flughafen sehr wichtig. Ein neues Terminal ohne Besucherterrasse zu errichten, wäre billiger», sagt die Airport-Chefin. «Es ist daher ein Luxus, eine Dachterrasse mit einzuplanen, doch einen Flughafen Salzburg ohne Besucherterrasse kann man sich einfach nicht vorstellen.» Diese erfreue sich einer großen Beliebtheit, zudem würde man Salzburg sonst einer beliebten Ausflugsdestination berauben.

Besucherterrasse: Unverzichtbar für den Flughafen Salzburg.

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