Letzte Aktualisierung: 22:25 Uhr

Interview mit Thomas Limberger

«Privatair ist wieder in der Lage, für Lufthansa zu fliegen»

Warum Privatair vorübergehend nicht für Lufthansa fliegt, wie es der Fluglinie finanziell geht und wie sie ausgebaut werden soll, erklärt Aufsichtsratspräsident Thomas Limberger.

Privatair/Montage aeroTELEGRAPH

Thomas Limberger: «Wir wussten, dass operativ viel verändert werden muss und die Gesellschaft finanzielle Unterstützung benötigen würde.»

Ein Schweizer Gericht schickte Privatair in die Insolvenz. Wie konnte es genau dazu kommen?
Thomas Limberger*: Als wir Ende 2016 die Aktienmehrheit von Privatair übernahmen, war die Gesellschaft in jeder Hinsicht ein Restrukturierungsfall. Sie hatte Jahre operativer Verluste hinter sich. Wir wussten, dass operativ viel verändert werden muss und die Gesellschaft finanzielle Unterstützung benötigen würde. Wir sahen jedoch das große Potenzial und waren bereit, das unternehmerische Risiko zu tragen. Seit Ende 2016 wurden wesentliche Weichen gestellt, um die operative Tragfähigkeit der Gesellschaft sicherzustellen. Privatair wurde von den Aktionären mit zusätzlich mehr als 25 Millionen Franken unterstützt, um die finanzielle Restrukturierung voranzutreiben. Es dauert jedoch noch eine Weile, bis die Restrukturierung vollständig abgeschlossen ist. Der Zahlungsbefehl beruht auf einem administrativen Fehler, der bereits korrigiert wurde.

Das heißt, die Privatair-Gruppe ist gesund und ihre Zukunft gesichert? Gilt das für alle Ländereinheiten?
Wir befinden uns mit der Restrukturierung auf dem richtigen Weg. Ein unternehmerisches Risiko besteht jedoch weiterhin. Die Aktionäre stehen hinter der Gesellschaft und werden diese deshalb weiter unterstützen.

Schreibt die Gruppe schwarze Zahlen?
Nach verlustreichen Jahren war Privatair 2017 operativ erstmals wieder positiv. Die Ergebnisse für das laufende Geschäftsjahr werden durch einige technische Herausforderungen beeinträchtigt. Das war teilweise absehbar und deshalb nicht wirklich überraschend.

Aufgrund von Fehlern im operativen Management kam es zu Problemen.

Was haben Sie seit der Übernahme im Oktober 2016 unternommen, um die Resultate zu verbessern?
Die Organisationsstruktur wurde optimiert, Schlüsselfunktionen wurden ausgetauscht. Das Geschäftsmodell wurde optimiert, um flexibler auf Marktentwicklungen reagieren zu können. Dank eingeleiteter Kostenstrukturoptimierungen hat Privatair auch finanziell den richtigen Weg eingeschlagen.

Ein wichtiger und sehr sichtbarer Auftrag von PrivatAir war der Flug Frankfurt – Pune für Lufthansa. Warum kommt es da wiederholt zu Verzögerungen und warum muss Lufthansa vorerst selber fliegen?
Aufgrund von Fehlern im operativen Management kam es zu Problemen, die wir bereits behoben haben. Das verantwortliche Personal wurde ausgetauscht, operative Prozesse wurden weiter optimiert. Privatair ist nun ohne Einschränkung wieder in der Lage, für Lufthansa zu fliegen. Wir befinden uns in engem Austausch mit Lufthansa und sind zuversichtlich, den Flugbetrieb für Lufthansa bald wieder aufzunehmen.

Aktuell stehen mehrere Ihrer Flieger am Boden. Warum?
Es geht da um die gleichen, vorher genannten Probleme wie auch beim Lufthansa-Auftrag. Die Probleme wurden erkannt und gelöst.

In welche Richtung wollen Sie PrivatAir weiter entwickeln?
Privatair ist strukturell inzwischen besser aufgestellt als die Jahre zuvor. Auf der Kostenseite werden wir weiter optimieren, um zukunftsfähig zu bleiben. Privatair werden wir auf eine breitere Kundenbasis stellen, um unabhängiger von einzelnen Kunden zu werden. Vielversprechende Gespräche mit Neukunden sind im Gange. Zudem haben wir endlich das richtige Management-Team am Start, mit dem wir die Pläne realisieren werden.

* Thomas Limberger (51) ist Gründer und Chef der Silver Arrow Capital Group mit Sitz in London und Aufsichtsratspräsident von Privatair. Die private Investmentgesellschaft ist mit 51 Prozent Mehrheitsaktionärin der Fluggesellschaft. Zuvor arbeitete der Deutsche im Management von Fresenius, war Chef von General Electric Deutschland, Österreich und Schweiz sowie der Schweizer Industriekonzerne OC Oerlikon sowie von Roll.



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