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Ilyushin Il-20M

Die mysteriöse Kalte Kriegerin, die sich in Westeuropa zurückmeldet

Gleich zwei Mal mussten deutsche und französische Kampfjets diese Woche eine russische Ilyushin Il-20M abfangen, die in den Nato-Luftraum eindrang. Der Eindringling ist eines der geheimsten Flugzeuge Russlands.

Das erste Mal geschah es am Montag. Die deutsche Luftwaffe musste ihre Alarmrotte in Laage in Mecklenburg-Vorpommern aktivieren und zu einem russischen Flugzeug aufsteigen lassen, das südöstlich von Helsinki in den Nato-Luftraum eingedrungen war. Nach Sichtkontakt mit den Piloten der Ilyushin Il-20M hätten die Eurofighter «den Einsatz ohne weitere Vorkommnisse beendet», erklärte sie.

Am Dienstag (27. Februar) wiederholte sich das Schauspiel. Dieses Mal zeigte sich die Ilyushin Il-20M vor der Küste Estlands. Dieses Mal stiegen Mirage 2000-5 der französischen Luftwaffe zum russischen Flugzeug auf. Das Ziel sei der «Schutz des Luftraums unserer baltischen Verbündeten» gewesen, teilte sie mit.

Zigarrenförmige Gondel, …

Was der 35,9 Meter lange russische Militärflieger, der bis zu 675 Kilometer pro Stunde schnell fliegen kann und mit AI-20-Triebwerken von Ivchenko ausgerüstet ist, diese Woche in Finnland und Estland machte, ist offensichtlich: Er spionierte. Denn die Ilyushin Il-20M ist ein Aufklärer. Sie gilt als eines der geheimsten Flugzeuge der russischen Armee.

So ist auch mehr als 50 Jahre nach ihrem Erstflug 1968 immer noch wenig über ihre Arbeitsweise und über die Leistungsfähigkeit der Avionik des viermotorigen Turbopropflugzeuges bekannt. Ausgerüstet sind die Il-20M – Nato-Codename: Coot-A (Blässhuhn) – mit Systemen zur elektronischen Aufklärung (im Jargon: Elint) und Fernmeldeaufklärung (Comint). In einer zigarrenförmigen Gondel unter dem Rumpf befindet sich ein Seitensichtradar (SLAR), das Kartografierungen und Radaraufzeichnungen erlaubt.

… Knubbel und Antennen

Und im Knubbel auf der vorderen Seite des Rumpfes sind Hochleistungskameras angebracht. Auf dem Dach der Ilyushin Il-20M befinden sich diverse Antennen, die elektronische Signale sammeln. Die beiden größten sind für die Satellitenkommunikation da und erlauben es der russischen Armee, Daten in Echtzeit an ihre Bodenstationen zu senden.

Die Il-20M gilt als sehr zuverlässig. Sie bietet  eine bis zu zwölfstündige Flugdauer und niedrigere Betriebskosten. Zudem ist sie günstig in der Wartung. Und so wird der Oldie von Russland weiterhin eingesetzt. Ihre Hauptbasis ist Chkalovsky bei Moskau. Im Kalten Krieg jedoch war ein Exemplar auch am Militärflugplatz Sperenberg bei Berlin stationiert.

Basis ist ein erfolgreicher Passagierflieger

Die Sowjetunion entwickelte die Il-20M in den 1960er-Jahren. Gebaut wurde sie von 1968 bis 1976. Sie basiert auf der Ilyushin Il-18, einem der erfolgreichsten Passagierflugzeuge seiner Zeit, das je nach Version zwischen 65 und 120 Reisenden transportieren konnte. Mehr als 500 Exemplare wurden von der Il-18 gebaut.

Erst zehn Jahre nach dem Erstflug fiel die Ilyushin Il-20M der Nato erstmals auf – über der Ostsee. Im Kalten Krieg zeigte sie sich immer wieder über europäischen Gewässern – ein Schauspiel, das sich seit dem russischen Angriff auf die Ukraine nun gehäuft wiederholt.