6. Alaska Airlines, USA: 81,49 Prozent.

SicherheitsbedenkenHorizon Air kritisiert eigene Piloten

Bei der US-Regionalairline fürchtet der für den Flugbetrieb zuständige Manager ein Unglück - und das aufgrund der eigenen Piloten. Die sehen die Sache anders.

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Wenn sich eine Airline und ihre Piloten streiten, geht es oft um Gehalt, Pensionsansprüche oder Dienstplanung. Der für den Flugbetrieb zuständige Manager der US-Regionalfluglinie Horizon Air hat sich nun mit einem weitaus ungewöhnlicheren und heftigeren Schreiben an seine führenden Piloten und die Chefetage gewandet. Darin kritisierte Kapitän John Hornibrook am Vorabend des Feiertages Thanksgiving Ende November eine angeblich zu lasche Sicherheitskultur unter den rund 800 Piloten der Alaska-Airlines-Tochter.

«Wir sollten uns sehr unwohl fühlen mit dem, was in den vergangenen beiden Tagen geschehen ist», schrieb Hornibrook laut der Zeitung Seattle Times. «Wenn wir uns zurücklehnen und nichts tun, werden wir ein Unglück erleben.» Man solle die vergangenen 48 Stunden als Weckruf nutzen, bevor Schlimmeres passiere, fordert der Manager.

Falsches Gewicht und Stick Shaker

Hornibrook nennt eine Reihe von Vorfällen, die in diesen beiden Tagen geschehen sind. In zwei Fällen wurden demnach Geschwindigkeitslimits überschritten, in mindestens einer Situation kam es zu einem sogenannten Stick Shaker, bei dem das Steuerhorn vibriert - als Warnung vor einem drohenden Strömungsabriss. Bei einem weiteren Flieger war das Gewicht der beladenen Maschine im Bordcomputer um 4,5 Tonnen falsch angegeben. Zudem sei es mehreren Piloten nicht gelungen, gefährliche Wetterlagen zu umfliegen. Ein Flugzeug sei in heftige Turbulenzen geraten, zwei andere von Blitzen getroffen worden.

Während es in der E-Mail heißt, die meisten der Fehler hätten vermieden werden können, wenn sich die Cockpitcrews an die Vorgaben gehalten hätten, wehrt sich einer der Piloten. Gegenüber der Seattle Times sagte der namentlich nicht genannte Mann, kein Pilot würde absichtlich in Turbulenzen fliegen. Die falsche Gewichtsangabe müsse nicht Schuld der Cockpitcrew sein, sondern könnte etwa auch auf die Bodenmitarbeiter zurückgehen. Und kurzzeitige Geschwindigkeitesüberschreitungen könnten durch Wind zu erklären sein. Die E-Mail sei «unglaublich melodramatisch».

Flotte aus Q400 und E175

Hornibrook und Horizon-Air-Präsident Joe Sprague wollten im Gespräch mit der Zeitung die Bedeutung des Schreibens herunterspielen und erklärten, es sei vielmehr ein Zeichen der hohen Sicherheitsstandards bei der Airline. Man habe die Ballung von Vorfällen bemerkt und reagiert. Die Fluggesellschaft gehört zu Alaska Airlines und fliegt rund 45 meist kleinere Städte an. Zum Einsatz kommen dabei Bombardier Q400 und Embraer E175.

Der einzige schwere Zwischenfall in der Geschichte von Horizon Air fand 1988 statt, als ein Flieger mit einem Triebwerksbrand bruchlandete und dabei vier Menschen schwer verletzt wurden. Zudem landete 2017 ein Flugzeug der Airline auf einem leeren Taxiway anstatt auf der Piste. Der einzige Todesfall geschah im August 2018, als ein Mechaniker eine Q400 stahl, ein Stück weit flog, den Flieger zum Absturz brachte und dabei ums Leben kam.

Junge Piloten angeworben

Nach einem Pilotenmangel im Jahr 2017 hob die Airline unter anderem das Gehalt an und zog vermehrt junge Piloten an. Erfahrene Flugzeugführer wanderten dagegen teilweise ab. So wechselten laut Seattle Times in diesem Jahr etwa 90 von ihnen zu Alaska Airlines. Einer dieser Piloten erklärte, die große Mehrheit seiner Kollegen bei Horizon sei sehr professionell, die Fluglinie habe aber auch Piloten mit sehr geringer Erfahrung angeworben. Das Management hält dagegen, die Piloten hätten im Schnitt rund 3000 Flugstunden - doppelt so viele, wie die Behörden minimal verlangten.

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