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Zwei grüne Streifen spalten Airlines und EU

Grüne Streifen auf Gepäcketiketten sind in der EU Pflicht. Dieses Detail behindert bis heute die Einführung einer vereinfachten Aufgabe von Koffern. Branche und EU liegen sich seit Jahren in den Haaren.

EU/aeroTELEGRAPH

Gepäcketikette: Die grünen Streifen zeigen, dass der Koffer in der EU aufgegeben worden ist.

Mein kleiner grüner Streifen klebt draußen am Gepäck, hollari, hollari, hollaro! Was für viele Passagiere wie ein verspieltes Detail wirken mag, ist für die Europäische Union ein großes Ding. Die beiden grünen Streifen auf der Etikette signalisieren, dass der Koffer, die Tasche oder der Rucksack an einem Flughafen in der EU aufgegeben worden ist.

Mit den grünen Streifen will die EU sicherstellen, dass Zöllner an Flughäfen rasch wissen, welche Gepäckstücke sie überprüfen müssen und welche nicht. Nur Koffer und Taschen aus Nicht-EU-Staaten sollen im Regelfall untersucht werden. Für die anderen gilt der freie Warenverkehr.

Lufthansa warnt Passagiere

Doch was gut gemeint ist, bremst Fluggesellschaften und Flughäfen aus. Sie wollen die Gepäckaufgabe vereinfachen und beschleunigen, indem Passagiere nicht mehr nur ihre Bordkarten zu Hause ausdrucken, sondern auch gleich die Gepäcketikette. Diese können dann in eine Plastikhülle gesteckt werden, die am Gepäckstück hängt. Am Flughafen stehen Automaten bereit, die diese auslesen und den Passagier den Koffer ganz alleine aufgeben lassen. Das hilft auch, Kosten zu sparen.

Dabei gibt es aber ein Problem: Viele Fluggäste besitzen keine Farbdrucker. Die grünen Streifen lassen sich so nicht auf die Etiketten bringen. Lufthansa warnt deshalb Passagiere: «Bitte beachten Sie, dass bei Abflügen innerhalb der EU der Ausdruck farbig sein soll – dies erfordert die geltende Rechtslage».

Symbol statt grüne Streifen

Die Branche versuchte, das an sich kleine Problem auf dem Verhandlungsweg zu lösen. «Wir wollten die grünen Streifen durch ein schwarz-weißes Symbol ersetzen, etwa eine durchbrochene Linie», erklärt Chris Goater, Sprecher der Internationalen Luftverkehrs-Vereinigung Iata. Trotz eines groß angelegten Testlaufes sei die EU dazu aber einfach nicht bereit. «In anderen Weltregionen wird der Home Printed Baggage Tag oder die selbst gedruckte Gepäcketikette zum Standard. Die EU aber bleibt eine analoge Institution, gefangen in einer digitalen Welt», fährt der Iata-Vertreter fort.

Die EU verteidigt sich. «Der Pilotversuch im vergangenen Jahr ließ Sorgen aufkommen, dass das vorgeschlagene System missbraucht werden kann», sagt Kommissions-Sprecher Patrick McCullough. Es gebe begründete Befürchtungen, dass die Verwendung selbst gedruckter Gepäcketiketten manipuliert und so der Schmuggel durch Umgehung von Zollkontrollen erleichtert werde. Der Versuch wurde denn auch nach nur kurzer Zeit  abgebrochen.

EU-Kommission will mitreden

Die Gespräche mit der Iata werden aber weitergeführt. Die EU-Kommission will künftig direkt involviert werden, wie McCullough festhält. «So will sie sicherstellen, dass Zoll- und Sicherheitsfragen beachtet werden.» Bis sich selbst gedruckte Gepäcketiketten in Europa durchsetzen, kann es also noch einige Zeit dauern.



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