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Prognose des Flughafens für 2021

«Große Anstrengung, alle Fluglinien in Wien halten zu können»

Die Pandemie katapultierte den Flughafen Wien 2020 auf den Stand von 1994 zurück. Für die Zukunft ist der Vorstand des Flughafens Wien aber optimistisch. Er werde aber um jeden Passagier und jede Fluglinie kämpfen müssen.

Mit
Thomas Ramgraber/aeroTELEGRAPH

Flughafen Wien: Die Lage bessert sich langsam.

Das Jahr 2020 hat der Vorstand des Flughafens Wien abgehakt, auch finanziell. 7,8 Millionen Passagiere zählte er nur, ein Minus von 75 Prozent oder so wenige wie zuletzt 1994. In der Gruppe, also mit den Beteiligungen an den Flughäfen Malta und Kosice, waren es 9,7 Millionen und minus 75,6 Prozent. Besser ist das Frachtgeschäft gelaufen, da liegt das Minus  bei 23 Prozent. Aktuell werden in Wien 5000 Passagiere pro Tag gezählt, 30 Fluglinien bedienen 90 Destinationen. Zum Vergleich: 2019 waren es 77 Fluggesellschaften und 217 Ziele gewesen.

Doch der Blick ist jetzt allgemein nach vorne gerichtet. Das Management des Airports stützt sich auf die Hoffnung, dass die Corona-Impfung einen Aufschwung des Flugverkehrs bringt. Dieses Jahr prognostiziert man 12,5 Millionen Passagiere in Wien, «70 Prozent davon erwarten wir für die zweite Jahreshälfte», sagt Vorstand Julian Jäger. Er spricht von einer realistischen Prognose, die etwa 40 Prozent der Passagiere des Rekordjahres 2019 entspricht.

«Langer und steiniger Weg»

Alles aber hängt an der Reisefreiheit und damit zum einen an der Impfung und an digitalen, international anerkannten Impfpässen. Und zum anderen daran, dass es endlich einheitliche Reisebestimmungen in der EU gibt. Ob das so rasch der Fall sein wird, wie es sich der Wiener Flughafenvorstand wünscht, bleibt abzuwarten. Kurz- und Mittelstreckendestinationen würden sich wohl zügig erholen, Geschäftsreisen und Langstreckendestinationen würden länger brauchen, glaubt er.

Bei der Langstrecke werde der Markt derzeit neu gemischt, sagt Jäger. Air India und Thai International haben ja angekündigt, Wien nicht mehr anzufliegen. «Es wird eine große Anstrengung werden, alle Fluglinien wieder zu bekommen beziehungsweise in Wien zu halten», sagt Jäger. «Das kann ein langer und steiniger Weg werden.»

Wien weniger von der Langstrecke abhängig

Bei Eva Air und China Airlines scheint es immerhin schon mal gelungen zu sein. Die Zukunft von Drehkreuzen und deren Rolle werde aber allgemein diskutiert, räumt Jäger ein. Der Vorteil von Wien könne sein, nicht so von der Langstrecke abhängig zu sein.

Finanziell sieht sich der Flughafen Wien laut Vorstand Günther Ofner, den Umständen entsprechend, auf soliden Beinen. Dank eines «drastischen Sparprogramms», der starken Kürzung des Investitionsprogramms und der Kurzarbeit für alle Mitarbeiter konnte 2020 der Verlust in Grenzen gehalten werden. Er wird bei etwa 80 Millionen Euro liegen. Kündigungen hat es wegen der Kurzarbeit keine gegeben, 500 Mitarbeiter haben das Unternehmen aber verlassen, größtenteils, weil sie befristete Verträge gehabt haben.

2021 wieder leicht positiv

Die Kurzarbeit müsse unbedingt verlängert werden, fordert Ofner. Die ursprünglichen Investitionspläne werden auch 2021 stark gekürzt, die Renovierung des Terminals 2 wird aber fertiggestellt. 2021 werde der Flughafen Wien wieder leicht positiv bilanzieren, prognostiziert Ofner. Er bleibt Optimist. «Die Luftfahrt wird auch diese Krise wegstecken.»



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