Schon 1910 wurde hier geflogen. Im Bereich des heutigen Nordparks befand sich das erste Segelfluggelände Mönchengladbachs. Nach Kriegsende übernahm zunächst die britische Rheinarmee die Kontrolle. Sie begannen 1955 mit dem Bau eines Flugplatzes – in bemerkenswertem Tempo. Bereits 1956 wurde er eröffnet.
Zunächst bestand der Flughafen lediglich aus einer Grasbahn. Kurz darauf übergaben die Briten den Flugplatz an die Stadt Mönchengladbach, die 1957 einen Hangar und einen Kontrollturm errichten ließ. Mit der Rückerlangung der deutschen Hoheit über den Luftverkehr im Jahr 1955 nahm auch die zivile Privatfliegerei wieder Fahrt auf. Der Flughafen wurde zunächst vor allem von Segel- und Sportflugzeugen genutzt.
Lufthansa zeigte Interesse am Mönchengladbacher Flugzeug
Um größere Flieger abfertigen zu können, entstand später ein kleines Terminal, Anfang der 1970er-Jahre folgte schließlich eine 1200 Meter lange Asphaltpiste. Deren Länge orientierte sich unter anderem an den Anforderungen der israelischen IAI Westwind, die bei Rhein-Flugzeugbau gewartet wurde und genau diese Distanz für Start und Landung benötigte. Mit Rhein Flugzeugbau siedelte sich früh ein bedeutendes Luftfahrtunternehmen in Mönchengladbach an.
Fantrainer: Made in Mönchengladbach. Detlef Döbberthin
Dort wurden nicht nur Wartungsarbeiten durchgeführt, sondern auch ein Flieger entwickelt und gebaut. Das mit Fantriebwerk ausgestattete einmotorige Trainingsflugzeug sollte sowohl militärische als auch zivile Pilotenausbildung ermöglichen. Luftwaffen verschiedener Länder bestellten es, zeitweise zeigte sogar Lufthansa Interesse. Insgesamt entstanden nach dem Erstflug 1977 in Mönchengladbach 50 Exemplare der Versionen Fantrainer 400 und 600. Große Teile des Zertifizierungs-, Test- und Ausbildungsprogramms fanden direkt vor Ort statt.
Lufthansa zeigte Interesse am Mönchengladbacher Flugzeug
Auch Rheinland Air Service – kurz RAS – etablierte sich am Flughafen. Das Unternehmen entwickelte sich von einem Wartungsbetrieb für Flugzeuge der Allgemeinen Luftfahrt hin zu einem Spezialisten für große Turboprops und Geschäftsreisejets. Heute ist es unter anderem Vertragshändler für Honda Jets, Daher Kodiak, Bell-Hubschrauber und Daher-Socata-TBM-Flugzeuge.
Shorts 360 von RAS-Rheinland Air Service: Die Airline verband Mönchengladbach mit Berlin und Sylt RAS/Sammlung Döbberthin
RAS betrieb zunächst eigene Charter- und Frachtflüge mit zweimotorigen Cessnas. Später entstand ein regionales Liniennetz unter anderem nach Berlin-Tempelhof und Westerland auf Sylt. Anfang der 1990er-Jahre ergänzten Shorts 360 das Angebot, später folgten ATR 42. Mit den Jahren entwickelte sich Mönchengladbach überraschend stark zum Regionalflughafen.
Air Berlin startet ab Mönchengladbach
European Air Express flog mit Fokker 50 und ATR 42 nach München. Die britische Fluggesellschaft Debonair stationierte BAE 146 und bot Flüge nach London-Luton, Rom und Barcelona an. Auch Air Berlin startete von hier sogenannte City-Shuttle-Verbindungen innerhalb Europas – vor allem wegen fehlender Slots am Flughafen Düsseldorf.
Später folgten weitere Airlines wie VLM nach London City und München, Globus Airlines und White Eagle Aviation nach Heringsdorf, Usedom und Kattowitz oder Rhenus Air beziehungsweise später Peerus Air nach Leipzig und Dresden. Selbst Frachtflüge nach Großbritannien mit Shorts 330 gehörten zum Alltag.
Entlastung für Flughafen Düsseldorf
Eine Schlüsselrolle spielte dabei der Flughafen Düsseldorf, der Anfang der 1990er-Jahre 70 Prozent der Flughafengesellschaft übernahm. Die Idee: Mönchengladbach sollte als Regionalflughafen für die Region Düsseldorf dienen und kleinere Turboprops aufnehmen. Der Flughafen erhielt sogar den Werbenamen Düsseldorf Express sowie Slogans wie Ohne Stress Express oder Easy und schnell ab MGL. Nach dem verheerenden Flughafenbrand in Düsseldorf 1996 profitierte Mönchengladbach zusätzlich als Ausweichstandort. 1998 erreichte der Flughafen mit 224.000 Passagieren seinen historischen Höchststand.
Doch Mitte der 2000er-Jahre verschwand der Linienverkehr schrittweise wieder. 2007 führte Smartline als letzte Airline eine Verbindung nach St. Gallen-Altenrhein durch. Danach entwickelte sich Mönchengladbach zunehmend zu einem Standort für Geschäftsreiseflugzeuge, Wartung und Flugschulen.
Der Flughafen Mönchengladbach heute
Heute hält der Flughafen Düsseldorf nur noch 20 Prozent an der Flughafengesellschaft. Mehrheitseigner ist die Entwicklungsgesellschaft der Stadt Mönchengladbach. Neben Rheinland Air Service sind weitere Luftfahrtunternehmen am Standort aktiv – darunter Elite Jet, Qinetiq, die RWL German Flight Academy sowie Heli NRW. Besonders auffällig: Vor dem Hauptgebäude der Flugschule steht eine ehemalige Fokker F27-500 von WDL.
RWL Fokker 27: Der Flieger, der einst für WDL flog, steht m Flughafen Mönchengladbach. Detlef Döbberthin
Der Flughafen positioniert sich inzwischen auch als Innovationsstandort. Ladeinfrastruktur für elektrische Luftfahrzeuge ist bereits vorhanden. Gleichzeitig dient Mönchengladbach als Reallabor für verschiedene Forschungsprojekte – etwa im Rahmen des Förderprojekts Smart City, bei dem Drohnentransporte medizinischer Proben getestet werden.
Der Flughafen feiert seinen 70. Geburtstag
Ein weiterer Blickfang ist der große Hugo-Junkers-Hangar mit einer Junkers Ju 52. Davor steht auf der Luftseite zudem eine Junkers F13 – das erste Ganzmetall-Verkehrsflugzeug der Welt. 2025 verzeichnete der Flughafen rund 45.000 Flugbewegungen. 2026 feiert der Flughafen nun offiziell sein 70-jähriges Bestehen. Höhepunkt soll ein Tag der offenen Tür am 21. Juni 2026 werden. Bei gutem Wetter könnte dabei sogar der Überflug des Zeppelin NT der Deutschen Zeppelin-Reederei zu sehen sein.
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