Letzte Aktualisierung: um 16:03 Uhr

Gulfstream-Jets

Für G500 und G600 gelten jetzt Windbeschränkungen

Die amerikanische Luftfahrtbehörde hat zusätzliche Beschränkungen dazu erlassen, unter welchen Windbedingungen Gulfstream G500 und G600 landen dürfen. Grund sind zwei harte Landungen.

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Robert Erenstein (bearbeitet)

Jet von Gulfstream: Es gelten neue Regeln.

Das erste Mal passierte es am 6. Februar 2020. Bei starkem Wind legte eine Gulfstream G500 nachts eine harte Landung hin. Bei solchen Zwischenfällen sind Sinkgeschwindigkeit und Kraft höher als üblich – was zu Schäden am Flugzeug führen kann. Am 4. April 2022 wiederholte sich dies mit einer anderen Gulfstream und bei ähnlichen Verhältnissen.

Darauf reagiert die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA nun. Sie hat eine Lufttüchtigkeitsanweisung aus dem Jahr 2020 ersetzt und neue Beschränkungen erlassen. Diese bedeuten unter anderem, dass die maximale Windgeschwindigkeit für die Landung von Gulfstream G500 und G600 (einschließlich Böen) nun 15 Knoten beträgt, die maximale Windböe für die Landung fünf Knoten und der maximale Rückenwind für Start und Landung zehn Knoten. Anflüge müssen bei 1000 Fuß stabilisiert sein.

Zu hohe Sinkgeschwindigkeit

Der Hintergrund ist ein Softwarefehler des Alpha-Limiters (ein Anstellwinkel-Indikator, der das Überziehen eines Flugzeugs verhindert). Bei der Landung in instabiler Luft im Februar 2020 hatte der Alpha-Limiter des Flugsteuerungscomputers der Gulfstream eine unangemessen hohe Sinkgeschwindigkeit verursacht, was zu einer harten Landung und einem beschädigten Flugzeug führte.

Im April 2022 kam es dann unter ähnlichen Umständen zu dem zweiten Unfall mit einem anderen Flugzeug. Eine Analyse beider Ereignisse ergab, dass der unangemessene Alpha-Limiter-Eingriff durch Steuereingaben des Piloten bei instabilen atmosphärischen Bedingungen und böigen Winden in Kombination mit gespeicherten Referenzgeschwindigkeiten im System der Gulfstream verursacht wurde.

Herausforderung für Betreiber

Die neuen Beschränkungen stellen für die Betreiber von Gulfstream G500 und G600 eine Herausforderung dar, die damit oft über lange Strecken und viele Flugstunden unterwegs sind. Trotz guter Planung durch die Flugbesatzung ist nichts so unbeständig wie das Wetter. Und die Cockpitcrew darf nur im Falle eines Notfalls während des Fluges von der FAA-Anweisung abweichen. Gulfstream arbeitet an einer Modifikation des Systems.