Letzte Aktualisierung: um 22:36 Uhr

Studie aus den USA

Freier Mittelsitz reduziert Ansteckung markant

Eine neue Studie aus den USA zeigt: Freie Mittelsitze reduzieren die Gefahr einer Ansteckung mit Corona deutlich. Allerdings ist die schon so minimal.

Lutfi Gaos/Unsplash

Passagier in einem vollbesetzten Flugzeug: Abstand bringt auch an Bord etwas.

Eine machte es viel länger als die anderen. Als letzte der großen Fluggesellschaften in den Vereinigten Staaten lässt Delta Air Lines ab dem 1. Mai Mittelsitze nicht mehr frei, sondern verkauft sie wieder. Bis dahin hatte die Airline ihren Kunden garantiert, keinen direkten Nachbarn auf ihrem Flug zu haben.

Das Angebot war nach Ausbruch der Covid-19-Pandemie wichtig, um das Vertrauen der Menschen in Flugreisen wieder herzustellen. Seither habe man einiges unternommen, um Flugreisen auch sonst sicherer zu machen, argumentiert Delta. Deshalb könne man die Sitze in der Mitte wieder problemlos freigeben.

Branche entgegnet den CDC-Forschern

Eine Studie des Centers for Disease Control and Prevention CDC kommt allerdings zum Schluss, dass freie Mittelsitze eine Ansteckungsgefahr an Bord markant reduzieren. Bei Simulationen in Kurz- und Langstreckenflugzeugen fanden die Forscher eine Reduktion der Corona-Infektionsrate von 23 bis 57 Prozent. Dabei testeten die Forscher der US-Behörde allerdings ohne Masken. Dabei gilt bei allen Fluggesellschaften weltweit eine Maskentragpflicht.

«Die Ergebnisse von Studien deuten darauf hin, dass Maskentragen nicht alle Expositionen gegenüber infektiösen Tröpfchen und Aerosolen eliminiert», argumentierten die Experten des CDC. Das Tragen einer Maske und räumlicher Abstand zusammen sei daher besser als nur Maskentragen, heißt es in der Studie. Delta-Chef Ed Bastian entgegnete in einem Interview mit dem TV-Sender CNBC: «Die Studie basiert auf Daten aus dem Jahr 2017, sie berücksichtigt also keine der Sicherheitsprotokolle, die wir implementiert haben, einschließlich Masken, elektrostatisches Sprühen der Flugzeuge, Desinfektion der Oberflächen».

Trotz positiver Mitreisenden steckte sich niemand an

In der Tat hat die Branche sehr viel getan, um das Risiko einer Ansteckung am Flughafen und an Bord zu minimieren. Sie verweisen unter anderem auf den Effekt der Hepa-Filter in Fliegern, die über 99 Prozent der Filter aus der Luft holen.

Diverse Untersuchungen haben denn auch gezeigt, dass die Gefahr, sich auf einer Flugreise anzustecken, verschwindend klein ist – sofern überall die Maßnahmen eingehalten werden. So werteten Forscher der University of Alabama at Birmingham Flüge von Emirates aus. Während drei Wochen im vergangenen Sommer gab es insgesamt 58 Coronavirus-positive Passagiere auf achtstündigen Flügen. Dennoch hat sich niemand der rund 1500 bis 2000 Mitreisenden angesteckt.

Freie Mittelsitze sind teuer

Die Folgerung der Forscher: «Das waren Flüge mit höherem Risiko, und trotzdem gab es keine Übertragung.» Dennoch hat die CDC-Studie durchaus auch recht. Nur geht es darum, dass mit einem freien Mittelsitz das Risiko zwar reduziert wird – allerdings ein bereits minimales. Für Fluggesellschaften sind freie Mittelsitze dagegen fatal. Wenn sie ihre Flugzeuge nicht vollmachen können, sinkt ihr Gewinn auf dem Flug markant oder verkehrt sich sogar in einen Verlust.

Die Studie des CDC können Sie sich hier herunterladen.



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