Cockpit eines A319: Auf andere Typen müsste man sich umschulen.

Wie man seinen Typen findet

«Wie viel Einfluss hat man darauf, auf welchen Flugzeugtypen man geschult wird?», fragt Leserin Ulrike Schmitzke. Ein Linienpilot antwortet.

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Als Pilot passt man sich grundsätzlich dem Flugzeugtyp der Airline an. Jeder Flugzeugtyp braucht eine eigene Lizenz. Als Airbus-Pilot darf ich keine Boeing fliegen. Wenn eine Fluglinie also ein Jobangebot ausgeschrieben hat, kann es gut sein, dass ich auf dem gefragten Flugzeugtyp wie etwa einer Boeing B737 noch keine Erfahrung habe. Vielleicht bin ich bisher nur Business-Jets geflogen. Bevor ich den Job wirklich beginnen kann, muss ich also eine spezifische Umschulung - das so genannte Type-Rating - für den gefragten Typ machen. Dies ist teuer – und nicht immer zahlt es der Arbeitgeber.

Nach der Grundausbildung hat ein Pilot nicht sehr viel praktische Erfahrung. Er hat auch nur eine eingefrorene ATPL-Lizenz (Airline Transport Pilot Licence frozen). Ein junger Pilot hat nur zweimotorige Schulflugzeuge geflogen und eine riesengroße Theorieprüfung absolviert. Nun ist er bereit für die Arbeitswelt, obwohl er noch kein Passagierflugzeug fliegen darf. Die Fluggesellschaft, bei der er angestellt wird, gibt den Flugzeugtyp vor. Er braucht jetzt noch ein Type-Rating für diesen Flugzeugtyp. Dieses Rating dauert etwa drei Monate und beinhaltet viel Theorie und Simulatorübungen. Erst danach darf er als First Officer, also als Kopilot, Passagiere herumfliegen.

Es kommt auf den Typen an

Verschiedene Fluglinien operieren verschiedene Flugzeugtypen. Regionale Airlines betreiben oft Propellerflugzeuge wie Dash-8, Dornier oder ATR. Internationale Firmen wie Lufthansa oder Swiss betreiben gleich verschiedene Marken: Boeing, Airbus, Bombardier, und, und, und. Dazu kommen Kurz- und Langstreckenflugzeuge der jeweiligen Marken. Ein Airbus-Pilot fliegt nur seinen Typ (etwa A319, A320, A321). Wenn es ihn auf die Langstrecke zieht und er zum Beispiel den A340 fliegen will, braucht er ein neues Type-Rating.

Es ist von Vorteil, wenn man als Pilot einen Flugzeugtyp fliegt, der auch bei verschiedenen Fluglinien benutzt wird. Wenn ich als Airbus-Pilot bei einer Airline fliege, die plötzlich Konkurs geht, so habe ich auf dem Markt viel mehr Möglichkeiten als wenn ich einen seltenen Flugzeugtyp fliege. Auch das ist ein Aspekt, den man im Hinterkopf haben sollte. Aber schlussendlich kann ein Pilot glücklich sein, wenn er fliegen darf – egal in welchem Flugzeugtyp!

[image2]Was Sie schon immer übers Fliegen wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten: Ein Pilot einer großen Fluglinie beantwortet exklusiv für aeroTELEGRAPH die Fragen der Leser. Er bleibt dabei anonym, um unabhängig antworten zu können. Schicken Sie uns einfach eine E-Mail an pilot@aerotelegraph.com. Jede Woche wird eine der eingesandten Fragen beantwortet. Dabei wird der Name des Einsenders veröffentlicht. Ein Recht auf Beantwortung besteht nicht.

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