Die Antonov An-74 wirkt auf den ersten Blick wie ein Kuriosum: Optisch erinnert sie an einen klassischen Hochdecker, doch ihre Triebwerke sitzen nicht unter, sondern auf den Flügelkanten. Antonov war der einzige Hersteller weltweit, der Flugzeuge mit dieser ungewöhnlichen Konfiguration Mitte der 1980er-Jahre in Serienproduktion hatte. Insgesamt 195 Flugzeuge des Typs wurden gebaut.
Entwickelt wurde das Flugzeug für den Einsatz in Polargebieten. Die ungewöhnliche Triebwerksanordnung nutzt den sogenannten Coandă-Effekt: Der Triebwerksstrahl strömt entlang der Tragfläche, beschleunigt die Luft und erhöht so den Auftrieb. Das ermöglicht eine Startstrecke von 250 Metern. Zum Landen braucht das Flugzeug nur 300 Meter. Rund 50 Personen oder bis zu 10 Tonnen Fracht können rund 2700 Kilometer weit transportiert werden.
Flugzeug war jahrelang geparkt
Aktuell ist unklar, wie viele der einst gebauten Antonov An-74 noch weltweit im Einsatz sind. Seit Mitte Februar ist jedoch eine An-74TK-100, eine modernisierte, zivile Version mit verbesserter Avionik und Frachtkapazität, wieder aktiv: Das Flugzeug mit dem Kennzeichen UR-UZP startete am 14. Februar vom Flughafen Pieštany in der Slowakei nach Málaga.
Es folgten Flüge nach Tangier und Rom. Die Maschine, die 2001 an die russische Chartergesellschaft Shark In ausgeliefert wurde, befindet sich seit dem 16. Februar wieder in der Slowakei. Zuvor war das Flugzeug mehrere Jahre am Flughafen Pieštany geparkt. Denn der slowakische Flughafen ist nicht die eigentliche Heimat des Flugzeugs. Die UR-UZP gehört Constanta Airlines aus Saporischschja.
Weltweit für humanitäre Zwecke im Einsatz
Die Airline wurde in den 1990er-Jahren in der Ukraine gegründet und hat sich auf humanitäre Einsätze und Spezialtransporte in abgelegenen Regionen spezialisiert. Sie ist offizieller Partner der Vereinten Nationen und für das Welternährungsprogramm registriert. Zwischen 2077 und 2023 transportierte die Airline 50.000 Passagiere und 4.500 Tonnen Fracht. 2023 wurde sie von der Ukraine als systemrelevant eingestuft.
Der Hauptwartungsstützpunkt befindet sich mittlerweile in der Slowakei. Weitere zertifizierte Stützpunkte gibt es in Maribor (Slowenien), Dalaman (Türkei), Juba (Südsudan), Mogadischu (Somalia) und Goma (DR Kongo). Zur Flotte gehört aktuell eine 27 Jahre alte Boeing 737-300F mit der Kennung UR-UAA. Mit der UR-UZO bereitet die Airline zudem eine zweite An-74 auf künftige Einsätze vor.
Wieso zwei Antonov-Jets die Triebwerke auf den Flügeln tragen
Antonov An-74, eine Variante der An-72: Das Flugzeug ...
Thomas Ramgraber/aeroTELEGRAPH
... hat die Triebwerke oben an der Vorderkante der Flügel angebracht, ...
Thomas Ramgraber/aeroTELEGRAPH
... wodurch der Strahl aus dem Triebwerk über der Tragfläche für einen schnelleren Luftstrom sorgt. So nutzt der Flieger den Coandă-Effekt aus.
Thomas Ramgraber/aeroTELEGRAPH
Die Antonov An-74 eignet sich gut für Betrieb in sehr kalter Umgebung - hier im Eis-Lager Barneo.
Heiner Kubny/polarjournal.ch
Die Triebwerke der Maschine saugen durch ihre Position ...
Heiner Kubny/polarjournal.ch
... weniger Schnee ein als Triebwerke unter den Tragflächen.
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