Reinigung einer Boeing 777 von Swiss: Beim Team von ISS muss jeder Handgriff sitzen.

Reinigung der FlugzeugkabineDie unsichtbaren Heldinnen und Helden, die den Müll der Passagiere wegmachen

Kaum sind die letzten Gäste ausgestiegen, beginnt ihre Arbeit. In wenigen Minuten machen Reinigungsteams die Kabine einer Boeing 777 von Swiss wieder bereit für neue Gäste. Was für Reisende selbstverständlich wirkt, ist ein präzise abgestimmter Kraftakt.

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Als die Boeing 777 von Swiss aus Singapur am Flughafen Zürich ankommt, wirkt die Kabine auf den ersten Blick wie ein vertrautes Bild nach einem Langstreckenflug: verstreute Decken, halb geleerte Flaschen, Essensreste, zerknitterte Magazine. Doch kaum haben die letzten Passagierinnen und Passagiere die Maschine verlassen, beginnt im Hintergrund ein Prozess, der für den weiteren Betrieb entscheidend ist – und der dennoch meist unbeachtet bleibt.

Für die Reinigung ist am Flughafen Zürich in weiten Teilen die Firma ISS Schweiz zuständig. Das Unternehmen betreut dort einen 24-Stunden-Betrieb mit rund 500 Mitarbeitenden aus zahlreichen Nationen und reinigt täglich etwa 250 Flugzeuge, hinzu kommen rund 50 Maschinen in der Nacht.

Bei nur 5 bis 60 Minuten Zeit muss jeder Handgriff sitzen

Überblick über den Betrieb bei ISS in Zürich hat Claudia Sporn. Seit 26 Jahren arbeitet sie für das Unternehmen, ursprünglich als Disponentin, später verantwortlich für die gesamte operative Planung in Zürich. Heute trägt sie den Titel Managerin für Performance, Prozesse und Projekte. Ihre Rolle beschreibt sie mit einem Augenzwinkern als «Mädchen für alles» – eine Einschätzung, die angesichts ihrer Erfahrung kaum übertrieben wirkt.

Die Reinigung eines Flugzeugs ist Teil des sogenannten Turnarounds – jener Phase zwischen Ankunft und erneutem Abflug. In dieser Zeit müssen verschiedene Prozesse parallel stattfinden: Fluggäste steigen aus und andere ein, Gepäck wird entladen und neues verladen, Catering wird ergänzt, technische Kontrollen werden durchgeführt. Die Reinigung ist dabei nur ein Baustein, aber ein zentraler. «Das Ganze funktioniert nur als Zusammenspiel», sagt Sporn. «Viele kleine Zahnräder greifen ineinander.» Im Tagesgeschäft bedeutet das vor allem eines: Geschwindigkeit. Je nach Flugzeugtyp, Destination und Zeitfenster kann eine Reinigung zwischen wenigen Minuten und etwa einer Stunde dauern.

Standards unterscheiden sich nach Airline und Strecke

Gerade auf Kurz- und Mittelstrecken ist die Zeit oft knapp bemessen. Entsprechend konzentrieren sich die Teams auf das Wesentliche: Abfall einsammeln, Sitzgurte ordnen, offensichtliche Verschmutzungen entfernen und die Bordtoiletten reinigen. Ziel ist es, dass die Kabine für die nächsten Passagiere einen gepflegten Eindruck macht.

Was genau gereinigt wird, ist nicht einheitlich geregelt, sondern hängt von der jeweiligen Airline ab. Jede Gesellschaft definiert eigene Vorgaben, die von ISS umgesetzt werden. Auf Kurzstrecken ähneln sich diese Anforderungen häufig, während sie auf Langstrecken deutlich variieren. Dort spielen zusätzliche Faktoren eine Rolle: mehr Service, mehr Ausstattung, mehr Ablageflächen. Kissen, Decken oder aufwendigere Sitzkonfigurationen erhöhen den Aufwand. «Je höher die Klasse, desto komplexer ist die Ausstattung», sagt Sporn. Dementsprechend steigt auch der Aufwand bei der Reinigung.

Die Route bestimmt den Reinigungsaufwand

Die Reinigungsstandards selbst sind jedoch in allen Kabinenbereichen hoch und sie sind klar definiert. «Wir orientieren uns immer an den Vorgaben der Airlines, an der verfügbaren Zeit und am jeweiligen Kabinenlayout», erklärt Sporn. Entscheidend sei, dass die Qualität stimmt – unabhängig von der Reiseklasse. Unterschiede ergeben sich daher weniger aus unterschiedlichen Ansprüchen, sondern vor allem aus der Komplexität der jeweiligen Kabine.

Neben der Flugklasse spielt auch die Herkunft der Maschine eine Rolle. Nicht jeder Flug hinterlässt dieselben Spuren. «Das ist sehr destinationsabhängig», sagt Sporn. Ein kurzer Inlandflug unterscheidet sich deutlich von einer längeren Verbindung, bei der mehr konsumiert wurde und entsprechend mehr Abfall entsteht. Auch kulturelle Unterschiede oder der Anlass einer Reise können Einfluss haben. So können etwa Flüge nach großen Sportveranstaltungen oder aus klassischen Feriendestinationen stärker verschmutzt sein als Geschäftsflüge, bei denen viele Passagiere schlafen oder weniger konsumieren.

Schlafendes Kind erst bei der Reinigung entdeckt

Ein zentrales Element der Reinigung ist das Einsammeln des Abfalls. Was dabei zusammenkommt, ist beträchtlich: Rund 1,5 Tonnen pro Tag werden am Flughafen Zürich aus den Flugzeugen entfernt, hinzu kommen große Mengen an PET-Flaschen, die separat recycelt werden. Was nicht entsorgt wird, sind persönliche Gegenstände. Solche Funde - bis zu 50 täglich - werden gesammelt und ans Fundbüro weitergeleitet. «Mich erstaunt es auch nach so vielen Jahren noch, was alles liegen bleibt», sagt Sporn.

Neben alltäglichen Dingen wie Ladekabeln oder Kopfhörern werden regelmäßig Wertgegenstände gefunden – Smartphones, Laptops, Schmuck oder Bargeld. In Einzelfällen gibt es auch ungewöhnlichere Funde, etwa ein vergessenes Gebiss, oder – wie Sporn berichtet – ein Kind, das während des Flugs eingeschlafen war und erst beim Reinigen entdeckt wurde.

Bei USA-Flügen wird die Reinigung zur Sicherheitsaufgabe

Ein Teil der Arbeit geht über die eigentliche Reinigung hinaus. Bei Flügen in die USA müssen zusätzliche Sicherheitskontrollen durchgeführt werden. Dabei wird die gesamte Kabine systematisch überprüft, einschließlich Sitzen, Ablagen und Bordküchen. Diese Vorgaben gehen auf internationale Sicherheitsbestimmungen zurück und erfordern speziell geschultes Personal.

Auch bei der Wahl der Reinigungsmittel gelten strenge Regeln. Flüssigkeiten dürfen nur begrenzt eingesetzt werden, da sie empfindliche Bereiche des Flugzeugs beschädigen könnten. Stattdessen arbeiten die Teams mit speziell vorbereiteten Tüchern und zertifizierten Mitteln, die von den Flugzeugherstellern freigegeben sind.

Viele geben den Job in den ersten Monaten wieder auf

Die Arbeit in der Flugzeugreinigung ist physisch fordernd. Enge Gänge, häufiges Bücken und Arbeiten unter Zeitdruck prägen den Alltag. Hinzu kommen die Bedingungen im Flugzeug selbst: Im Sommer kann es sehr heiß werden, im Winter dagegen kühl. Diese Anforderungen führen dazu, dass viele neue Mitarbeitende den Job nach kurzer Zeit wieder aufgeben. Laut Angaben aus dem Betrieb kündigt ein erheblicher Anteil bereits in den ersten Monaten. Wer sich jedoch daran gewöhnt, bleibt oft langfristig. «Man entwickelt ein Gefühl für den Ablauf und findet seinen Rhythmus», sagt Sporn.

Für die meisten Reisenden bleibt die Arbeit der Reinigungsteams unsichtbar. Sie steigen in ein Flugzeug ein, das sauber und vorbereitet ist – ohne zu sehen, wie viel Koordination und Einsatz dafür notwendig waren. Dabei ist die Reinigung ein zentraler Bestandteil des Flugbetriebs. Ohne sie würde kein Flug planmäßig starten. Oder, wie es Sporn zusammenfasst: «Die Passagiere sollen einfach einsteigen können – den Rest erledigen wir.»

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