Bei General Atomics Aerotec macht man vieles etwas anderes - und mit weniger Brimborium. Eigentlich ist der sogenannte Rollout der Moment, an dem ein Flugzeug fertig gebaut ist und erstmals aus dem Hangar gerollt und der Öffentlichkeit präsentiert wird. Dann folgen die Tests am Boden und danach in der Luft - mit dem Jungfernflug als Höhepunkt.
Doch die General Atomics Do228 NXT hat ihren Erstflug still und leise absolviert - schon am 2. Mai. Ohne Scheinwerferlicht und geladene Gäste und bevor die Neufassung des deutschen Turbopropklassikers öffentlich präsentiert wurde. «Wir wollten zuerst sehen, dass alles wirklich auch funktioniert. Und wir wollten der Welt beweisen, dass dieses Flugzeug fliegt», sagt Programmchefin Martina Hierle. Man habe nicht plötzlich später noch Überraschungen erleben wollen.
Nicht der erste Versuch einer Neuauflage der Dornier Do228
Den offiziellen Rollout der General Atomics Do228 NXT holte General Atomics Aerotec jetzt nach. Am Montag (8. Juni) wurde das 16,56 Meter lange und 4,86 Meter hohe Flugzeug mit einer Spannweite von 16,97 Metern in Oberpfaffenhofen erstmals öffentlich vorgestellt, vor den rund 400 Mitarbeitenden und geladenen Gästen. «Es ist ein wunderbares Gefühl», sagt Hierle.
Es ist allerdings nicht der erste Versuch, die Dornier Do228 neu zu beleben. Ruag wollte mit der Neuversion Do 228 NG vor 17 Jahren an den Erfolg der Vorläuferin anknüpfen. Doch der staatliche Schweizer Rüstungskonzern verkaufte nur etwas mehr als ein Dutzend Exemplare seines Fliegers und verkaufte das Programm dann wieder.
General Atomics Aerotec hat bereits einen Erstkunden
Das will General Atomics Aerotec besser machen. «Wir glauben, dass es einen Markt für dieses Flugzeug gibt. Die Nachfrage ist da», sagt Hierle. Da seien zuerst einmal die Fluggesellschaften, die bereits Dornier Do228 besitzen und nun Ersatz für ihre alten Flugzeuge suchen würden. Aber auch im Frachtmarkt komme man zusehends wieder darauf zurück, statt großer Flugzeuge lieber kleinere, flexiblere einzusetzen. Und nicht zuletzt seien Flugzeuge für Spezialmissionen sehr gefragt. «Das ist auch der veränderten geopolitischen Lage geschuldet», sagt Hierle.
Ein erster Blick auf die General Atomics Do228 NXT
Die Do228 NXT basiert auf der Musterzuzassung der Do228 NG.
Sie erreicht eine Geschwindigkeit von bis zu 445 Kilometern pro Stunde.
Die Anwednungsklassiker sind der Transport von bis zu 19 Fluggästen (standardmäßig in 1-1-Konfiguration, außer in der zweitletzten Reihe 0-2 und drei Sitze über die ganze Breite in der letzten), ...
... oder von bis zu zwei Tonnen Fracht in der 14,7 Kubikmeter messenden Kabine sowie die Überwachung von Küsten.
Eine große Stärke ist die Stol-Fähigkeit der Do228 NXT. Ihr reichen auf Meereshöhe 362 Meter zum Landen.
Zum Starten braucht sie dort 445 Meter.
Hersteller ist General Atomics Aerosystem in Oberpfaffenhofen.
Einen Erstkunden für den Turbopropflieger mit Stol-Eigenschaften gibt es auch. «Es ist einer aus dem Spezialmissions-Segement», sagt die Programmleiterin. Verraten, wer es ist, darf sie aber noch nicht. Insgesamt habe man bisher neun konkrete Anfragen für Do 228 NXT erhalten, so Hierle. «Wir sind zuversichtlich.»
Diverse Neuerungen gegenüber Do228 NG
Die Do 228 NXT ist keine Neu-, sondern eine Weiterentwicklung. Sie baut auf den Stärken der Do228 und Do228 NG auf und hat auch weiterhin deren legendären, fast schon quadratischen Rumpf. Sie erhielt aber im Vergleich zur vorherigen Version mehrere konstruktive und technische Überarbeitungen. «Im Cockpit haben wir beispielsweise ein neues Lage-Referenzsystem eingebaut», sagt Hierle, die selbst auch Testpilotin ist. Zudem habe man kleinere Dinge geändert, wie etwa Anschlüsse für USB-Geräte eingebaut.
Bereits die NG hatte eine moderne Glascockpit-Avionik sowie leistungsstärkere Triebwerke als große Neuerungen gebracht. Die Do228 NXT hat als weitere Neuerung unter anderem eine völlig neue Kabine bekommen. «Das sieht nun nicht mehr nach Achtzigerjahren aus», sagt Programmleiterin Hierle.
Zu Beginn Produktion von fünf Do228 NXT pro Jahr
Ein neues Modell ist die Do228 NXT daher nicht. Das Flugzeuge, das von zwei Honeywell TPE331 angetrieben wird, basiert auf der Do 228 und deren Musterzulassung. Das vereinfacht und beschleunigt die Zulassung. Nur die neuen Komponenten und Änderungen müssen getestet und genehmigt werden, aber nicht das ganze Flugzeug. General Atomics erwartet die letzten Genehmigungen bis im Sommer. Zuerst sieht das Unternehmen eine Jahresproduktion von fünf Exemplaren vor. «Wir können aber auf zehn jährlich hochfahren», sagt Hierle.
General Atomics Aerotec positioniert die Do228 NXT für zehn verschiedene Einsatzgebiete. Die Klassiker sind der Transport von bis zu 19 Fluggästen oder von bis zu zwei Tonnen Fracht in der 14,7 Kubikmeter messenden Kabine sowie die Überwachung von Küsten. Aber auch als Aufklärer, Ambulanz-, Feuerlösch-, Umweltmonitoring-, Fallschirmspring- und Seeaufklärungsflugzeug ist die Do228 NXT zu haben.
Wir lieben Flugzeuge – und guten Journalismus. Unser Team aus erfahrenen Redakteurinnen und Redakteuren recherchiert, prüft, erklärt. Unterstützen Sie uns für weniger als einen Cappuccino im Monat – und lesen Sie aeroTELEGRAPH ohne Werbung. Jetzt hier klicken und abonnieren. Jetzt hier klicken und abonnieren