Australischer Angriff auf den Flughafen Wien: Wie geht der Kampf am Ende aus?

Was will IFM Investors?Flughafen Wien im Würgegriff des australischen Investors

Das australische Finanzunternehmen IFM Investors will seine Anteile am Flughafen Wien auf 49,9 Prozent aufstocken. Vorstand und Aufsichtsrat sind empört und wehren sich. Ausgang ungewiss.

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Man schrieb den 15. Juni 1992, als Aktien des Flughafens Wien erstmals an der Wiener Börse gehandelt wurden. Die Republik Österreich zog sich damals als Eigentümerin von 50 Prozent der Anteile zurück, die Länder Wien und Niederösterreich reduzierten ihre von je 25 auf je 20 Prozent. Eine Flughafen-Mitarbeitenden-Stiftung erhielt 10 Prozent der Aktien.

50 Prozent minus eine Aktie des österreichischen Flughafenbetreibers wurden fortan an der Börse gehandelt. An dieser Ordnung, und auch an der politischen Aufsicht durch des sozialdemokratischen Wien und das von der konservativen ÖVP geführten Bundesland Niederösterreich, wurde Jahrzehnte nicht gerüttelt. Bis Ende 2014.

Ein Angebot mit deutlicher Prämie

Vor acht Jahren kaufte das australische Finanzunternehmen IFM Investors über die Tochter IFM Airports Group Europe 29,9 Prozent der Flughafen-Wien-Aktien. Im April 2016 stockte es die Beteiligung auf 38,16 Prozent auf. Anfang Juni 2022 erhöhte es weiter – auf knapp unter 40 Prozent. Normalerweise zwingt das den Investor, den restlichen Aktionärinnen und Aktionären ein Angebot für Papiere ihre zu machen. Die Übernahmekommission sah das nicht so, und machte das Pflichtangebot unnötig.

Als Folge legte IFM Investors noch im Juni ein freiwilliges Übernahmeangebot vor. Die Australier boten 33 Euro je Aktie. Das sind rund 25 Prozent mehr als der damalige wie auch jetzige Aktienkurs.

Wirtschaftsministerium prüft

Vorstand und Aufsichtsrat des Flughafens Wien rieten von der Annahme des Kaufangebots ab. Ihre Begründung: wegen der positiven Entwicklung des Flughafens, der auch völlig entschuldet sei, sei der Angebotspreis zu gering. Und es bestehe die Gefahr, dass die Handelbarkeit der Aktie weiter eingeschränkt und damit zu einem Delisting  von der Börse führen könnte.

Am Zug ist jetzt das Wirtschafts- und Arbeitsministerium, das das Angebot von IFM nach dem Investitionskontrollgesetz prüft. Damit werden, nach EU-Vorgaben, ausländische Direktinvestitionen dahingehend geprüft, ob durch sie Einrichtungen der kritischen Infrastruktur gefährdet sein könnten.

Der Friedensschluss wird gebrochen

Soweit die veröffentlichten Fakten. Darüber hinaus will weder vom Ministerium noch vom Flughafen jemand zum Fall Stellung nehmen. Es ist also offen, wie das Ganze ausgehen wird und damit, ob IFM Investors seinen Anteil am Flughafen Wien auf bis zu 49,9 Prozent aufstocken darf.

IFM wollte schon im Jahr 2014 40 Prozent des Flughafens erwerben, wie Recherchen ergeben haben. Geeinigt hat man sich damals auf knapp 30 Prozent. Ohne Rück- und Absprache hat das Finanzunternehmen dann im April 2016 seine Anteile aufgestockt und damit großen Ärger bei den anderen Aktionären ausgelöst. Die Zusage, nie über die 40Prozent des Syndikats aus Wien und Niederösterreich hinausgehen zu wollen, war eine Art Friedensschluss gewesen.

Vorteile der Börsennotierung

Gehalten hat der nur bis 2020. Da hat IFM Investors einen Forderungskatalog vorgelegt, der dem Charakter eines Finanzinvestors widersprochen hat. Mit Wünschen bis hin zu einem Vorstandsposten. Endgültig zerbrochen ist der Friede Anfang Juni, als die Australier, wieder ohne Ankündigung, ihr Angebot vorlegten.

Gelingt die angestrebte Aufstockung auf 49,9 Prozent, hat das zumindest Unsicherheiten zur Folge. Werden dann öffentliche und Standortinteressen mit den betriebs- und finanzwirtschaftlichen des Investors weiter gut vereinbar sein? Was passiert, wenn in wichtigen Fragen der größte Einzelaktionär IFM laufend vom Syndikat mit Hilfe der Mitarbeiterstiftung überstimmt wird? Könnte das als Umkehrung der Mehrheitsverhältnisse interpretiert werden – und Wien, Niederösterreich und die Mitarbeitendenstiftung plötzlich ihrerseits gezwungen sein, ein Übernahmeangebot machen zu müssen? Und nicht zuletzt: eine Börsennotierung macht die Arbeit der Vorstände nach außen nachvollziehbarer und transparenter.

Intransparente Struktur

Transparenz ist bei IFM nicht immer da. Beim Übernahmevehikel führen, laut dem Übernahmeangebot, die Spuren über Liechtenstein bis zu den Cayman Islands. Es ist das typische Konstrukt eines steueroptimierten Finanzinvestors mit Verschachtelungen über verschiedene Steuerparadiese.

IFM wurde 1990 gegründet mit dem Schwerpunkt Infrastruktur, Private Equity und australische Aktien. Die größten Anteilseigner sind 20 große Pensionsfonds aus der ganzen Welt. Die verwalteten Vermögen betragen insgesamt 200 Milliarden Dollar.

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