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Flughafen Helsinki

So wird ein neues Terminal getestet

Der Flughafen Helsinki will noch mehr Umsteigepassagiere. Ein wichtiger Schritt dahin ist die Eröffnung des neuen Langstreckenbereichs. Jetzt wurde er erstmals getestet.

In den kalten Wintermonaten ist am Flughafen Helsinki besonders viel los. Dutzende von Räumfahrzeugen tummeln sich auf dem verschneiten Gelände und machen mit ihren orangenen Blinklichtern auf sich aufmerksam. Doch auch anderswo wird derzeit emsig gearbeitet. Die Betreibergesellschaft Finavia baut die beiden Terminals großzügig aus, die Kapazität soll dadurch bis 2020 auf 20 Millionen Passagiere pro Jahr steigen.

Besonders bei den Langstrecken will der Flughafen seine Kapazitäten erhöhen und dabei seine Rolle als wichtiges Drehkreuz nach Asien weiter stärken. Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg dahin steht kurz bevor. Ende Februar geht Helsinkis neues West-Pier im Interkontinental-Bereich an den Start. Einfach so wird der Betrieb allerdings nicht aufgenommen. Mit Freiwilligen testete der Flughafen sein jüngstes Projekt am Mittwoch (6. Februar) noch einmal auf Herz und Nieren.

Alles austesten

Der Aufruf kam über Facebook, Twitter oder über die eigene Webseite. 200 freiwillige Probanden suchte Finavia. Denn auch wenn moderne Computertechnik immer bessere Vorhersagen machen kann: Szenen mit unbeholfenen Fluggästen, die zum ersten Mal den Weg zur Sicherheitskontrolle suchen, Zeit totschlagen müssen oder irgendwo ihren Hunger stillen wollen, lassen sich immer noch am besten mit echten Menschen nachstellen. Der Flughafen möchte so übersehene Schwachstellen noch schnell ausbessern können.

Die freiwilligen Tester waren schnell gefunden. Finavia war dabei sehr wichtig, dass sich unter ihnen möglichst unterschiedliche Passagiertypen befinden. Vielflieger wurden genauso gewählt wie Flughafen-Neulinge. Neben allen Altersklassen wurden auch Menschen mit Behinderung zur Generalprobe eingeladen. An einem kühlen Morgen warteten die 200 Neugierigen nun im Terminal 2 auf den Startschuss. Für ungefähr zwei Stunden durften sie dann im neuen Langstreckenbereich alles austesten, was sich auch im späteren Flughafen-Alltag bewähren soll.

Mehr Platz für Langstreckenflieger

Und das ist nicht wenig. Auf insgesamt 25.000 Quadratmetern Fläche steuert der neue Bereich zusätzliche Sicherheitskontrollen, Gepäckaufgabe-Schalter, Geschäfte, Restaurants und einen Wartebereich zum bisherigen Terminal 2 hinzu. Eine Premiere sind dabei die Ganzkörper-Scanner, die in Finnland zum ersten Mal zum Einsatz kommen. Die Erweiterung dient aber auch als Verbindung zum Süd-Pier. Dieses wurde 2017 neu errichtet und beherbergt zusätzliche Flugsteige für größere Langstreckenflugzeuge.

Besonders viel Mühe steckte der Flughafen in den Aukio – übersetzt bedeutet dies offener Platz oder Piazza. Eine aufwendige Bildschirminstallation umringt hier einen hölzernen Wartebereich und zeigt dabei Aufnahmen verschiedener Landschaften Finnlands. Das heimische Architekturbüro PES Architects legte viel Wert darauf, mit ihrem Entwurf typisch finnische Architektur zu zeigen. Großzügiger Lichteinfall und viel Holz soll den Passagieren so bereits bei der Einreise ein skandinavisches Flair mit auf dem Weg geben.

Absichtliche Fallen zur Probe

Gegen 10 Uhr morgens ging es mit dem Testen los. In gelben Warnwesten und mit Fragebogen ausgestattet erreichten nach und nach die ersten Schübe der Tester die Sicherheitskontrollen. Damit es wie im richtigen Flughafen-Alltag zuging, verteilten Helfer unter den Probanden willkürlich Gepäckstücke, die zum Beispiel mit Flüssigkeiten gespickt waren. Dementsprechend piepten hin und wieder die Kontrollmaschinen, woanders mussten die Test-Passagiere ganz wie im realen Leben ihre Schuhsohlen zeigen oder wurden zusätzlich per Handsensor abgesucht. Beim Ganzkörper-Scanner zeigen sich die meisten Tester eher scheu. Ein Großteil steuerte auf die vertrauten, klassischen Kontrollstellen zu.

Wer die erste Hürde hinter sich brachte, ging direkt weiter zum Aukio. Viele zücken sofort ihr Smartphone und filmten die Landschaftsaufnahmen, die über den Holzbänken flimmerten. Einige bemängelten, dass der Wartebereich weniger imposant aussehe als auf Präsentationsbildern versprochen. Bei den jüngeren Besuchern entpuppte sich eine hölzerne Wand des Aukios als ein großes Highlight. Projektoren reagieren hier auf Handbewegungen und geben als Antwort wild aussehende Muster zurück. Wer genau nachsah, entdeckte unter den Sitzbänken auch einige Steckdosen und USB-Anschlüsse. Ganz bewusst haben die Planer nur wenige von ihnen verbaut. Zu viele elektrische Geräte sollen das natürliche Flair nicht stören.

Blickfang des Neubaus

Auch die Geschäfte und Restaurants hatten zum Testlauf geöffnet. Gekauft oder bestellt wurde beim Testlauf aber noch nichts. Nur einige wenige der freiwilligen Testpassagiere durchstöberten diese mit prüfenden Blick und setzten Häkchen auf ihre Klemmbretter. Der Großteil der Probanden verweilte lieber im Aukio. Dieser ist eindeutig der Blickfang des Neubaus. Richtiges Flughafen-Feeling kam so nicht wirklich auf.

Bereits bei den Sicherheitskontrollen wurde deutlich, dass die Zahl von 200 Testern deutlich zu gering für die großen Hallen des großen Neubaus ist. Obwohl nur ein Viertel der Kontrollstationen geöffnet wurden, waren selbst zu den simulierten Stoßzeiten selten Schlangen zu sehen, an denen mehr als drei Personen anstanden. Für den Flughafen seien solche Probeläufe trotzdem wichtig, betont eine Finavia-Sprecherin: «Bereits bei der Eröffnung des Süd-Piers vor zwei Jahren konnten wir auf gleiche Weise wichtige Erfahrungen machen. Genau wie damals werden wir uns das Feedback jetzt genau anschauen.»

Über der Belastungsgrenze

Noch in diesem Monat soll der neue Bereich seinen Betrieb aufnehmen. Mit 400 Millionen Euro investierte Finavia einen Großteil seines Bau-Budgets in dieses Projekt. Insgesamt wird eine Milliarde Euro in den Ausbau des Flughafens Helsinkis investiert. Neben dem Ausbau des Terminal 2 mit zwei weiteren Piers und einer komplett neuen Außenfassade, wird auch das Terminal 1 vergrößert. Von dort starten ausschließlich kurze Flüge innerhalb Europas.

Das Management verspricht durch alle Maßnahmen eine Anhebung der Kapazität auf jährlich 30 Millionen Reisende. Im letzten Jahr zählte der Flughafen 20,8 Millionen Passagiere und operiert damit schon seit längerer Zeit über seiner Belastungsgrenze.

In der oben stehenden Bildergalerie sehen Sie Aufnahmen des Tests.



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