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Corona-Krise

Flughafen Frankfurt verliert zwei von drei Passagieren

Die Pandemie lässt die Passagierzahlen an Deutschlands größtem Flughafen massiv einbrechen. Frankfurt rechnet für rund drei Monate mit einem Minus von 60 Prozent.

Fraport

Flughafen Frankfurt: Jeden Tag kommen weniger Reisende.

Am Flughafen Frankfurt sinken aufgrund der Corona-Krise die Passagierzahlen immer dramatischer. «Wir erwarten ein Minus von rund 60 Prozent in den nächsten Wochen», sagte Fraport-Chef Stefan Schulte in einer Telefonkonferenz am Freitag (13. März). Das dürfte dann bis zu drei Monate anhalten, womöglich auch länger.

«Wir können auch nicht ausschließen, dass es für ein paar Wochen herunter geht auf minus 70 Prozent», so Schulte. Das liege auch an einer gewissen Panik der Menschen beim Thema Corona, bei der man nicht immer alles logisch begründen und vorhersagen könnte.

Rückgang geht rasend schnell

Es gebe sogar Gerüchte, dass die Luftfahrt in Europa für einige Wochen ganz zum Stillstand kommen könnte. «Daran glaube ich aber nicht», sagte der Flughafenchef. Auch in Gesprächen, zum Beispiel mit Politikern, habe er keine Hinweise auf solch ein Grounding erhalten. Ganz ausschließen könne man in dieser Krise allerdings nichts.

Fest stehe: «Die Zahlen werden jeden Tag schlechter» so Schulte. Im Februar war die Zahl der Passagiere in Frankfurt lediglich um vier Prozent gesunken. In der letzten Februarwoche stand dann schon ein Minus von 14,5 Prozent zu Buche, in der ersten Märzwoche ein Minus von 30 Prozent. In den vergangenen Tagen verzeichnete der Airport dann einen Rückgang von rund 45 Prozent Reisenden, 8 bis 10 Prozent Fracht und 28 Prozent Flugbewegungen.

Kein Platz für alle Flieger

Schulte betonte, dass die Rückgange bei den Geschäftsreisenden und Umsteigepassagieren deutlich größer seien als bei Urlaubsreisenden. Dass die USA, Argentinien, Singapur und Kuwait Flüge aus Europa gestoppt hätten, mache die aktuelle Lage so dramatisch. Zudem könnten weitere Länder folgen. Anderseits halte man sich dennoch bereit, sollte sich die Lage zum Beispiel bis Ostern doch noch bessern. Zudem erhoffe man sich eine Besserung für den Sommer, wenn auch mehr Urlaubsreisende fliegen.

Parallel zum Rückgang der Passagierzahlen erwartet der Flughafen, dass auch die Zahl der Flugbewegungen auf ein Minus von 50 bis 60 Prozent sinken wird, wenn Fluggesellschaften immer mehr Flugzeuge temporär stilllegen. «Es ist aber nicht möglich, all diese Flugzeuge in Frankfurt zu parken», stellte Schulte klar. Lufthansa parkt schon jetzt Jets am BER.

Kurzarbeit kommt nächste Woche

Um gegenzusteuern, stehen in Frankfurt nun alle Kosten auf dem Prüfstand, getätigt werden nur noch betrieblich zwingend notwendige Ausgaben. Die Mitarbeiter können freiwillig unbezahlten Urlaub oder eine vorübergehende Reduzierung der Arbeitszeit in Anspruch nehmen. In der kommenden Woche wird der Flughafen Kurzarbeit anmelden. Mit etwa 30 Prozent weniger Arbeit könne man rund 22 bis 25 Prozent der Personalkosten sparen, sagte Schulte.«Die einzige Alternative wäre, Leute zu entlassen.»

2019 hatte der Flughafen Frankfurt noch einen Passagierrekord verbucht: Erstmals nutzten mehr als 70,5 Millionen Passagiere Deutschlands größtes Drehkreuz. Ohne die Ausbreitung des Coronavirus hätte man einen ähnlichen Wert für 2020 erwartet, so der Flughafen. Nun rechne man mit deutlichen Rückgängen bei Passagier-, Umsatz- und Gewinnzahlen. Pro ausbleibendem Passagier dürfte der Gewinn um 10 Euro bis circa 14 Euro schwinden.

«Immer eine starke Erholung»

Am Ende gab sich Schulte aber dennoch positiv. Man habe in der Vergangenheit immer wieder Krisen erlebt. «Aber wir haben danach auch immer eine starke Erholung gesehen.»



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