An den Flughäfen Sydney und Melbourne sollen künftig Fahrzeuge von Swissport mit Kamera und Mikrofon ausgestattet werden. Gewerkschaften sprechen von «Big Brother», das Unternehmen verweist auf Sicherheit.
Ein Pilotprojekt von Swissport sorgt in Australien für Aufsehen. Der Abfertigungskonzern will an Flughäfen in Sydney und Melbourne alle Fahrzeuge seiner Bodenflotte mit Kameras und Mikrofonen ausstatten. Auf diese Weise sollen Gespräche der Mitarbeitenden im Arbeitsumfeld aufgezeichnet werden.
Ziel sei es, Fehlverhalten wie Diebstahl oder Beschädigungen aufzuklären und bei Sicherheitsvorfällen besser reagieren zu können, erklärte das Unternehmen gegenüber lokalen Medien. Die Gewerkschaft Transport Workers Union (TWU) kritisiert das Vorhaben scharf. Das Mitschneiden von Gesprächen sei unverhältnismäßig, schaffe ein Klima des Misstrauens und halte Beschäftigte davon ab, Missstände anzusprechen.
«Dieses Big-Brother-hafte Vorgehen ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Swissport seine Mitarbeitenden behandelt», so der Gewerkschaftsvorsitzende Michael Kaine. Swissport selbst verweist auf den Sicherheitsaspekt. «Die Technologie dient dazu, betriebliche Abläufe und Sicherheitsstandards zu verbessern sowie zusätzlichen Trainingsbedarf zu erkennen», heißt es in einer Stellungnahme.
Zudem würden die Geräte so installiert, dass Bereiche vermieden würden, in denen private Gespräche stattfinden könnten. Auf Anfrage von aeroTELEGRAPH stellt das Unternehmen zudem klar: Die Maßnahme gilt aktuell ausschließlich für Australien. In anderen Ländern seien keine vergleichbaren Schritte geplant.
Für die Gewerkschaft ist der Fall damit aber nicht erledigt. Sie will den Einsatz der Aufnahmetechnik vor die Aufsichtsbehörden bringen und als psychosoziales Risiko einstufen lassen. Ob und wann Swissport die Pläne tatsächlich umsetzt, ist offen – ursprünglich war ein Start bereits im Juni vorgesehen, der sich nach Widerstand aber verzögerte.