Die Landung in Paro aus dem Cockpit einer ATR  42 aus gesehen.

Paro International AirportSo landet man mit einem Airbus-Jet in den Bergen von Bhutan

Er liegt in einem engen Tal zwischen hohen Bergen, besitzt keine technischen Hilfsmittel und kämpft mit wechselndem Wetter. Wie man den herausfordernden Paro International Airport anfliegt, erklärt der Chefpilot von Drukair.

Top-Jobs

bwlv

Fluggerätmechaniker (m/w/d)

BWLV-Motorflugschule Hahnweide
Vollzeit
Kirchheim/Teck
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Flugschule
Pilatus Logo

Team Leader Account Management

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Hahnair Logo

Compliance Monitoring Manager (all genders)

Hahn Air Lines GmbH
Vollzeit
Düsseldorf
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Luftfahrt
Etihad Job

Captain A320

Etihad Airways
Vollzeit
Abu Dhabi
Top jobs
United Arab Emirates
Feste Anstellung

Eine Sache lässt Dhondup Gyaltshen nicht gelten. «Die Leute reden immer davon, dass Paro ein gefährlicher Flughafen sei. Er ist nicht gefährlich», sagt der Chefpilot der staatliche Fluggesellschaft Drukair. «Aber der Betrieb dort ist eine Herausforderung.»

Der Paro International Airport ist der nationale Flughafen von Bhutan und liegt im Tal des Flusses Paro Chhu auf 2235 Metern über dem Meeresspiegel. Rundherum erheben sich die Berge bis auf 5500 Metern. Wegen der großen Höhe können Flugzeuge hier nicht mit voller Ladung starten und landen. «Die Dichte der Luft nimmt mit zunehmender Höhe ab», erklärt der erfahrene Pilot.

Der beste Ort für den Flughafen von Bhutan

Dieses Problem wird noch verschärft, wenn die Temperaturen im Sommer steigen. Derzeit liege die Temperatur bei 33 Grad. «In großer Höhe und bei hohen Temperaturen wird die Luft dann sehr dünn», sagt der Pilot. Doch das und die Lage in dem engen Tal sind nicht die einzigen Herausforderungen, denen sich Gyaltshen und seine 23 Kollegen täglich stellen müssen.

Hinzu kommen die Start- und Landebahn, die mit 2265 Metern recht kurz ist und wegen der Topografie kaum verlängert werden kann, und das Wetter. «Wenn man alle Punkte so aufzählt, haben wir eigentlich negative Aspekte, die gegen den Bau eines Flughafens sprechen würden.» Dennoch sei es der beste Ort für einen Flughafen, so der erfahrene Pilot. «Vom Paro International Airport aus kann man die Hauptstadt Thimphu in einer Stunde Fahrt erreichen.»

Sehr starke Winde im Frühling

Das Wetter am Flughafen Paro sei vor allem im Sommer eine Herausforderung, sagte er. «Während des Monsuns kann sich das Wetter alle 15 bis 20 Minuten ändern», so der Chefpilot von Drukair. Auch der Frühling sei schwierig. «Dann haben wir sehr starke Winde», sagt Gyaltshen. «Aber wir haben uns schon gut daran gewöhnt.»

Der einzige internationale Flughafen in Bhutan kennt keine technischen Hilfsmittel. Es gibt kein Instrumentenlandesystem ILS. «Wir fliegen immer auf Sicht an», erklärt Gyaltshen. Seine Airline hat drei Airbus A319-100, einen A320 Neo und eine ATR 42.

Meistens Landung aus dem Süden

Die meiste Zeit landen die Drukair-Piloten von Süden her auf der Landebahn 33. «Es gibt einen Wegpunkt südlich des Flughafens, der Takti heißt und an dem wir auf 16.000 Fuß oder 4876 Meter sinken», erklärt der Chefpilot der nationalen bhutanischen Fluggesellschaft. Wenn man das Leuchtfeuer südlich des Flughafens sieht, sagt er, sinkt man auf 13.500 Fuß und dann auf 12.000 Fuß. «Dort müssen wir die Landebahn sehen, sonst können wir nicht landen», sagt er.

Dhondup Gyaltshen: Chefpilot von Drukair. Bild: Drukair

«Wenn wir die Landebahn sehen, orientieren wir uns an Punkten in der Landschaft», so Gyaltshen. Jetzt steht eine Kurve an. In etwa 10.000 Fuß Höhe erblickt die Cockpitbesatzung einen Tempel. «Es sind noch zwei bis drei Minuten bis zum Aufsetzen.» In der letzten Minute wird eine weitere scharfe Kurve geflogen, um das Flugzeug auf die Landebahn auszurichten.

Alles findet auf Sicht statt

Um auf dem internationalen Flughafen Paro landen zu dürfen, müssen die Piloten ein intensives Training absolvieren. Zuerst kommt das Training im Simulator. «Wir machen drei oder vier Sitzungen, in denen wir Anflüge auf beide Landebahnen, Triebwerksausfälle beim Start und das Wenden üben», sagt Chefpilot Gyaltshen. Danach müssen die Neulinge 40 Flüge mit einem Ausbildungskapitän absolvieren.

Wer in Bhutan fliegt, muss das Fliegen wirklich lieben, sagt der erfahrene Kapitän. «Heute ist alles überall automatisiert, man hat GPS, man hat ILS. Natürlich gibt es viele kleine Flughäfen auf der Welt, aber für kleinere Flugzeuge. Aber für die Größe unserer Airbus-Jets ist Paro eine der größten Herausforderungen, weil wir rein manuell und visuell fliegen», sagt Gyaltshen. Beim Anflug muss das Cockpit-Personal sogar das Ground Proximity Warning System GPWS ausschalten, das vor Kollisionen mit dem Gelände warnt. «Es würde ständig anschlagen.»

Zwei Ausweichflughäfen

Um in Bhutan landen zu können, mussten die Airbus A319 von Drukair noch speziell für die Landung in Paro umgerüstet werden. «Das normale Triebwerk, das von anderen Betreibern verwendet wird, kann nicht genug Leistung liefern», sagte Gyaltshen. Die nationale Fluggesellschaft des Himalaya-Königreichs setzt auf CFM-56-5B-Triebwerke mit einer Schubkraft von 120 Kilonewton.  Der Airbus A320 Neo hingegen ist baugleich mit den von anderen Fluggesellschaften eingesetzten Maschinen. Seine Triebwerke sind stark genug.

Und was ist, wenn eine Landung nicht möglich ist? «Wir haben zwei Ausweichflughäfen in Indien», sagt Gyaltshen. Der nächste ist Bagdogra und ist etwa 15 Minuten von Paro entfernt, der andere ist Guwahati und etwa 25 Minuten entfernt.

Jedes Mal überwältigt

Aber genießt der Pilot die faszinierende Landschaft noch, oder ist er zu sehr beschäftigt? «Jedes Mal, wirklich jedes Mal. Ich fliege seit über 33 Jahren, und jedes Mal, wenn ich auf dem Flughafen ankomme, bin ich sehr, sehr zufrieden», sagt Gyaltshen.

aeroTELEGRAPH veranstaltet im Oktober 2022 eine Leserreise nach Bhutan. Sie lernen dabei nicht nur das faszinierende Königreich im Himalaya kennen, sondern können auch exklusiv einen Anflug auf den Flughafen Paro im Cockpit eines Airbus-Jets von Drukair erleben.Mehr Informationen dazu finden Sie hier. 

Mehr zum Thema

Tandi Wangchuk: «Hinzu kommen die hohen Kosten, das Kerosin muss ja erst nach Bhutan gefahren werden.»

«Wir planen bei Drukair, einen Airbus A319 in einen Frachter umzubauen»

ATR 42-600 von Druk Air: Nun im Himalaya zuhause.

Bhutans Nationalairline fliegt mit werksneuer ATR 42

Airbus A320 Neo in den Farben von Drukair: Bald in Paro unterwegs.

A320 Neo landet in Bhutan

Der Airbus A380 mit der Kennung 9M-MNE bei der Ankunft in Tarbes 2022: Seit 2024 als 2-JEYL registriert.

Was aus Airbus' zweitem A380 mit Guernsey-Kennzeichen wird

Video

Airbus A350 F Erstflug in Toulouse: Der Frachter war vier Stunden in der Luft.
Vier Stunden, 220 Gigabyte Daten und ein Start ohne elektronische Schutzfunktionen: Der Airbus A350 F ist zum ersten Mal geflogen. Was die Crew testete und was den Frachter besonders macht.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
airbus a350 f erstflug 01
Am Dienstag ist der Airbus-A350-Frachter zum ersten Mal abgehoben. Ende 2027 will der Flugzeugbauer den ersten A350 F aus der Serienproduktion ausliefern. Zwei Kunden kommen für die Premiere infrage.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
Timo Nowack
Timo Nowack
Ex-Swissair-Sprecher Urs Peter Naef: «»
Als die Nachricht vom Absturz vor Halifax eintraf, war das Krisenhandbuch der Swissair-Kommunikationsabteilung noch nicht fertig. Medienverantwortlicher Urs Peter Naef musste improvisieren - und zugleich die Angehörigen vor aufdringlichen Medien schützen. Seine wichtigste Lehre aus der Katastrophe: «Steh zu dem, was passiert ist, und zeig Flagge.»
Christopher Scheffelmeier
Christopher Scheffelmeier