Ein Trio bietet etwas ganz Spezielles: Der Flughafen Nürnberg ist neben Hannover und Leipzig/Halle einer von nur drei deutschen Flughäfen mit echtem 24-Stunden-Betrieb. Während andere Airports zwischen Mitternacht und 5 Uhr für den regulären Flugverkehr geschlossen sind, herrscht in Franken reger Betrieb. So starten beispielsweise am 11. September in der Nacht 14 Flüge. Allein acht davon gehen nach Antalya. Hinzu kommen Verbindungen nach Hurghada, Marsa Alam, Palma, Rhodos, Istanbul und Korfu, wie aus dem Flugplan des Airports hervorgeht.
Das zeigt den Standortvorteil. Dank des 24-Stunden-Betriebs können Airlines ihre Flugzeuge deutlich intensiver einsetzen und schaffen mehr Umläufe pro Tag. Geld verdienen sie schließlich nur, wenn ihre Flugzeuge in der Luft sind. Gleichzeitig verdient der Flughafen mehr Geld. «Eine Charterairline schafft im Sommer bis zu drei Umläufe pro Tag in die Türkei, wenn sie einen Flughafen mit 24‑h-Betriebsgenehmigung im Streckennetz hat, weil sie den ersten beziehungsweise letzten Flug noch in der Nacht durchführen kann», bestätigte Flughafenchef Michael Hupe im aeroTELEGRAPH-Interview im Dezember 2021.
Fluglärmgegener und Naturschützer nutzen Ferienende
Es gibt aus Flughafensicht noch weitere Vorteile. Hupe verwies im Interview etwa auf die Krisenfestigkeit des Standorts: Fluggesellschaften könnten Verspätungen in Nürnberg gut auffangen, weil auch spät noch gelandet werden kann. Eine Umleitung zu einem anderen Flughafen wäre dagegen mit hohen Kosten verbunden. Auch für Expressdienstleister im Frachtbereich sei der 24-Stunden-Betrieb in Nürnberg ein Vorteil, so Hupe.
Die wirtschaftlichen Vorteile sind aus Sicht des Flughafens und der Airlines groß, gleichzeitig wächst der Widerstand der Anwohnenden. Fluglärmgegner und der Bund Naturschutz in Bayern haben diese Woche zu einer Protestkundgebung geladen. Der Zeitpunkt des Protests ist kein Zufall. Am Wochenende enden die bayerischen Sommerferien. In dieser Phase ist der touristische Nachtflugverkehr besonders hoch, wie das Beispiel vom 11. September mit 14 nächtlichen Flügen zeigt.
Forderungen reichen bis Ende touristischer Nachtflüge
Die Fluglärm-Schutzgemeinschaft Nürnberg und Umgebung fordert in einem ersten Schritt, touristische Nachtflüge zwischen 0 und 5 Uhr zu streichen. Der Bund Naturschutz Nürnberg geht noch weiter. Er fordert die Stadt Nürnberg und den Freistaat Bayern als Eigentümer des Flughafens auf, das Geschäftsmodell mit den touristischen Nachtflügen insgesamt aufzugeben.
Prominente Unterstützung bekommen die Gegner vom Fürther Oberbürgermeister Thomas Jung von der SPD. Er fordert eine flugfreie Kernzeit, idealerweise sechs Stunden, mindestens aber drei Stunden als ersten Schritt. Seine Kritik: Nachtflüge fänden aus rein wirtschaftlichen Erwägungen statt und seien in der deutschen Flughafenlandschaft eine große Ausnahme.
Nachtflüge sind deutlich gestiegen
Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa hat der Flughafen Nürnberg Zahlen veröffentlicht, die den Anstieg der Nachtflüge in den vergangenen Jahren belegen. Die Zahl der nächtlichen Flugbewegungen stieg von 8635 im Jahr 2023 über 9762 im Jahr 2024 auf 11459 im Jahr 2025, ein Plus von knapp 33 Prozent innerhalb von zwei Jahren. Gerechnet auf den Tag bedeutet das im Schnitt gut 31 nächtliche Starts und Landungen täglich, im Jahr 2023 waren es noch rund 24 pro Tag.
Gegenüber ntv erklärte ein Flughafensprecher, touristische Flüge könnten generell auch nachts stattfinden, sofern sie die geltenden Anforderungen erfüllten. Die Nachtflugregelung unterscheide nicht nach dem Reisezweck, sondern nach der Lärmzulassung des Flugzeugs. Die Nachfrage nach nächtlichen Flügen sei entsprechend vorhanden.
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