Michael O'Leary, Skizze des neuen Airports: Für den Ryanair-Chef keine Lösung.

«Geistesgestört, dumm, verrückt»

Ryanair-Chef Michael O'Leary will schnell eine neue Piste in Heathrow, Gatwick und Stansted. Die Idee eines neuen Londoner Flughafens findet er absurd.

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Seit Jahren streitet Großbritannien darüber, ob London Heathrow eine dritte Piste bekommen soll oder nicht. Die Fronten sind verhärtet. Im Frühjahr nannte Bürgermeister Boris Johnson die Ausbaupläne für den größten Airport der Hauptstadt eine «potenzielle Umweltkatastrophe». Nun doppelte er nach und bezeichnete sie als «totales Desaster» das nie geschehen werde. Premierminister David Cameron auf der anderen Seite kritisiert ihn dafür und betont, man solle den Bau einer dritten Start- und Landebahn nicht von vornherein ausschließen. Er setzte im November eine Kommission unter Finanzaufsichtschef Howard Davies ein, welche alle Alternativen zur dringend notwendigen Kapazitätserhöhung im Flugverkehr um London begutachtet. Mitte 2013 soll sie eine Empfehlung abgeben.

Neben dem Ausbau in Heathrow liegen sechs Optionen auf dem Tisch: Eine zweite Piste in Gatwick, ein Ausbau in Stansted, der Bau eines neuen Flughafens in der Themsemündung, der Bau eines neuen Airports im Westen, eine neue Hochgeschwindigkeits-Zugverbindung zwischen Gatwick und Heathrow als Entlastung sowie das vermehrte Ausweichen auf Birmingham mit einer neuen Hochgeschwindigkeits-Zugverbindung nach London. Momentan befragt die Kommission diverse Experten. Vergangenen Montag (19. November) war Ryanair-Chef Michael O'Leary an der Reihe. Und er hielt sich wie immer nicht zurück. Von den einzelnen Alternativen hält er gar nichts. Er forderte gleich einen Ausbau in Heathrow, Gatwick und Stansted.

Heute nicht wettbewerbsfähig

Gar nichts abgewinnen kann O'Leary der Idee eines völlig neuen Flughafens in der Themsemündung im Osten der Stadt. Thames Estuary Airport heißt das Projekt, das etwa Bürgermeister Johnson unterstützt. Das sei der Vorschlag eines «Mückenhirns», völlig «verrückt und dumm» sagte er gemäß britischen Medien der Kommission. Und er wetterte dann gleich weiter gegen die Politik. Er würde die Aufsichtsbehörde Civil Aviation Authority umgehend schließen. Denn deren wirtschaftliche Regulierung der Branche sei «geistesgestört». Die Gebühren seien fundamental nicht wettbewerbsfähig. Man lache deshalb im Ausland schon über Großbritannien. «Ihr habt Leute auf der Piste stehen wie weiland Wegelagerer», schmiss er den versammelten Politikern hin. Die sagten: «Willkommen in Britannien! Das ist ein Überfall». Es war O'Leary wie er leibt und lebt. So laut und schrill seine Stimme ist - sie hat Gewicht. Immerhin ist er Chef einer der größten Airlines.

Bilder des Thames Estuary Airports sehen sie hier.

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