Flieger von Lufthansa und Air Dolomiti in München: Hunderte Fluggäste saßen fest

600 Reisende über Nacht in FlugzeugenSo erklären Flughafen München und Lufthansa das Versagen - und so wollen sie eine Wiederholung verhindern

Eine ganze Nacht lang mussten Hunderte Reisende in München im Flugzeug ausharren. Jetzt äußern sich Lufthansa und der Flughafen ausführlich zu dem Vorfall. Und ziehen Konsequenzen.

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Rund 600 Reisende verbrachten die Nacht zum 20. Februar in sechs Flugzeugen am Flughafen München. Ein Großteil der Fluggäste saß in Fliegern von Lufthansa Group. Jetzt haben sich Airport und Fluglinie erstmals ausführlich öffentlich zu dem Vorfall geäußert. Und dabei auch sehr deutlich Fehler eingeräumt.

Fünf der festsitzenden Flugzeuge stammten aus der Lufthansa Group, eines von Air Arabia. Von Lufthansa selbst waren nach Angaben von Heiko Reitz, der für das Lufthansa-Drehkreuz München verantwortlich ist, rund 500 Gäste in fünf Flugzeugen betroffen: Drei Jets von Lufthansa, zwei Flieger von Air Dolomiti.

Lufthansa und Flughafen: Es gab nicht nur einen Grund

«Wer Lufthansa bucht, muss sich darauf verlassen können, dass wir einen sicheren und regelmäßigen Flugbetrieb bieten», so Reitz. Dieses Versprechen habe man in der Nacht zum 20. Februar nicht eingehalten. «Wir, der Flughafen München und Lufthansa, haben Fehler gemacht. Dafür übernehmen wir die Verantwortung.» Man entschuldige sich bei Gästen und Crews.

Auch Münchens Operativchef Thomas Hoff Andersson erklärte: «Wir hätten vieles besser machen können. Wir hätten es vor allem besser machen müssen.» Eine einzelne Ursache habe es für das Desaster nicht gegeben, betonten beide Seiten.

Drei Zentrale Faktoren führten zu Übernachtung in Jets

Lufthansa-Manager Reitz nannte drei zentrale Faktoren. Erstens das Wetter: Außergewöhnlich starker, nasser Schneefall habe zu überdurchschnittlich langen Enteisungszeiten von bis zu 30 Minuten geführt. Gleichzeitig griff die Nachtflugregelung, während der Schneefall weiter zunahm. Innerhalb kurzer Zeit wurden daher 16 Flüge gestrichen. Fünf Maschinen, die bereits unterwegs zum Start waren, mussten zurück auf Vorfeldpositionen rollen, darunter auch die betroffenen Jets.

Zweitens habe es zu wenige Busfahrer gegeben. Die vorhandenen Kapazitäten seien zudem nicht mit den richtigen Prioritäten eingesetzt worden. Drittens sei die Situation nicht eskaliert worden. «Es wurden in diesen Stunden nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Das war in dieser Situation falsch», sagte Reitz.

Flughafen München: Feuerwehr erwogen, aber nicht aktiviert

Hoff Andersson bestätigte, dass mit dem Wissen von heute mehr Busfahrer hätten disponiert werden müssen. Bereits um 23:30 Uhr sei die Spätschicht bis zum maximal möglichen Zeitpunkt um 2:30 Uhr verlängert worden. Später habe sich jedoch gezeigt, dass nicht genügend Fahrer in diese verlängerte Schicht geschickt worden seien. «Mit diesem Wissen von heute hätte man mehr Busfahrer disponieren müssen.»

Auch die Feuerwehr sei nicht aktiviert worden, obwohl sie hätte Abhilfe schaffen können. Man habe diese Maßnahme sogar in Erwägung gezogen, sich aber dagegen entschieden. Das sei ein Fehler. 49 Feuerwehrleute mit entsprechender Kompetenz seien verfügbar gewesen, Treppen hätten an allen Flugzeugen bereitgestanden, nur der Transport fehlte.

Lufthansa lobt Crews

Reitz hob ausdrücklich die Leistung der Crews hervor. Er habe mit mehreren Besatzungsmitgliedern gesprochen. «Die Kolleginnen und Kollegen an Bord haben Gäste versorgt und beruhigt und dadurch ausgeglichen, was draußen schieflief.»

Damit so etwas in Zukunft nicht mehr vorkommt, haben Lufthansa und der Flughafen München sich auf mehrere Maßnahmen geeinigt. Künftig wird ein Betriebsleiter von Aeroground rund um die Uhr im Lufthansa Operating Center am Drehkreuz anwesend sein. Zudem wollen Flughafen und Airline Abläufe und Informationsketten überarbeiten und klarer definieren, wann bestimmte Prozesse ausgelöst werden, auch in Situationen, die keine «klassische Krise» mit akuter Gefährdung darstellen.

Flughafen München arbeitet an Zentralisierung der Leitstellen

Neu eingeführt wird zudem ein operativer Abschluss-Call vor der Nachtschicht, bei dem die verfügbaren Kapazitäten überprüft werden. «Der Abschluss-Call ist ein Quick Win», sagte Reitz. Mittelfristig sollen die Leitstellen aber insgesamt enger vernetzt und perspektivisch in einem gemeinsamen Operations Center gebündelt werden. Aktuell sitzen die zuständigen Leute in verschiedenen dezentralen Büros.

Lufthansa hat nach eigenen Angaben allen betroffenen Reisenden eine E-Mail geschickt, Unterstützungsgespräche angeboten und eine Entschädigung zugesagt. Nicht alle habe man erreichen können. Wer betroffen sei und noch nichts von Lufthansa gehört habe, solle sich unbedingt melden.

Behörden prüfen rechtliche Konsequenzen

Parallel prüfen die Behörden mögliche rechtliche Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft Landshut hat nach Eingang eines Polizeiberichts einen Prüfvorgang eingeleitet.

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