Zuerst war von 123 Reisenden die Rede, die festsaßen. Eine dänische Zeitung berichtete zuerst von den Fluggästen, die nach Kopenhagen wollten und acht Stunden in einem Lufthansa-Jet am Flughafen München festsaßen. Der deutsche Fernsehsender RTL deckte dann auf: Es waren sogar fünf Flüge und insgesamt 500 Passagierinnen und Passagiere, die dieses Schicksal in der Nacht von Donnerstag auf Freitag in München ereilte.
Am Montag (23. Februar) wird nun klar: Es waren nochmal ein Flug und hundert Reisende mehr. «Insgesamt waren sechs Flüge mit rund 600 Passagieren betroffen», schreibt der Flughafen München in einer Stellungnahme. «Fünf davon waren von der Lufthansa Group, einer war von Air Arabia.» Man sei sich bewusst, dass es eine schwierige und kaum nachvollziehbare Situation für die Fluggäste war. «Wir entschuldigen uns dafür bei den betroffenen Fluggästen ausdrücklich», schreibt der zweitgrößte deutsche Flughafen.
Nur Platz auf Außenpositionen - aber wo waren die Busse?
Zwischen 0 Uhr und 5 Uhr morgens gilt in München die Nachtflugregelung. Sie erlaubt Flüge nur nach Einzelfallgenehmigung des Verkehrsministeriums. «Um die Durchführung möglichst vieler Flüge zu unterstützen, wurde eine Sonderfluggenehmigung eingeholt und Flugzeuge ausnahmsweise noch bis 1 Uhr nachts auf die Rollfelder geschickt», erklärt der Flughafen. Doch dann mussten die Jets umkehren. Denn starker, nasser Schneefall führte zu überdurchschnittlich langen Enteisungszeiten und die Start- und Landebahnen mussten kurzfristig für die Schneeräumung geschlossen werden. Somit verstrich 1 Uhr ohne Starts.
Da im Tagesverlauf schon Flüge annulliert worden waren, gab es an den Terminals laut Airport keinen Platz mehr und die Flieger mussten auf Außenpositionen abgestellt werden. Nun folgte der Teil, der die meisten Fragezeichen mit sich bringt: Es kamen keine Busse, um die Reisenden abzuholen. Der Flughafen sprach von eingeschränkten Buskapazitäten.
Flughafen: Nächtliche Uhrzeit und Defizite bei Kommunikation
Doch was heißt das genau? Fehlte es an Fahrzeugen? Oder an Fahrern? In manchen Medienberichten heißt es, alle Fahrer seien bereits im Feierabend gewesen. In Foren ist zu lesen, zwischen 0 und 5 Uhr seien normalerweise ein oder zwei Busfahrer am Flughafen München im Dienst. Was von all dem stimmt oder nicht, wollte aeroTELEGRAPH von der Pressestelle des Airport erfahren, erhielt aber lediglich das neue Statement.
Darin heißt es nur: «Aufgrund der nächtlichen Uhrzeit und Defiziten bei der Kommunikation war der Busverkehr stark eingeschränkt.» Erneut ist unklar, was dies genau bedeutet.
Airport München verspricht Aufklärung und Besserung
Derweil betont der Flughafen: «Es bestand zu keiner Zeit Gefahr für die Fluggäste.» Die Passagiere seien in den Flugzeugen von den Airlines bestmöglich versorgt worden. Im Fall des Kopenhagen-Fluges von Lufthansa hieß «bestmöglich» laut dem Bericht eines dänischen Passagiers aber: «Es gab weder Essen noch Getränke für uns. Es gab auch keine Decken für uns. Und wir haben kleine Kinder, die nichts zu essen bekamen. Sie hatten nichts außer ein paar Wasserflaschen», sagte der Familienvater gegenüber der Zeitung Ekstra Bladet.
Der Flughafen München beteuert nun in seiner Stellungnahme: «Unser oberstes Ziel ist immer die Sicherheit und Zufriedenheit unserer Fluggäste, die Vorfälle entsprechen nicht unserem Anspruch.» Man arbeite derzeit mit den Partnern des Flughafens daran, «die Sachlage vollständig aufzuklären und unmittelbar Prozessverbesserungen umzusetzen».
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