Flugzeuge von American Airlines und United am Flughafen Chicago O'Hare: Beide Airlines kämpfen um Marktanteile.

United Airlines versus American AirlinesEntscheidet der Kampf um Chicago die Zukunft der US-Luftfahrt?

Noch nie war der Kampf um Marktanteile in Chicago O’Hare härter: American Airlines will wachsen, United will es verhindern. Der Machtkampf freut die Passagiere – für die Airlines wird er zum Existenzkampf.

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Am 15. April 1926 startete eine Airco DH.4 mit Post an Bord in Richtung St. Louis. Der Flug war der allererste von American Airlines. Noch heute ist der Flughafen der Metropole am Ufer des Lake Michigan für die Fluggesellschaft zentral. Er ist ihr drittwichtigstes Drehkreuz nach Dallas/Fort Worth und Charlotte.

Diese Bedeutung soll noch steigen. Im Dezember gab American Airlines bekannt, am Flughafen Chicago-O’Hare auszubauen und zum Frühjahrsurlaub täglich 100 zusätzliche Flüge hinzuzufügen. Das bedeute ein Plus von 30 Prozent im Vergleich zu 2025. «Damit festigt American Airlines ihre Position am Flughafen», so die Fluglinie.

American und United kämpfen um Chicago

Chicago O’Hare ist nicht nur ein zentrales Drehkreuz von American Airlines, sondern auch eins von United Airlines. Der Flughafen, der bis 1998 als verkehrsreichster Flughafen der Welt galt, ist bis heute einer der wichtigsten Airports für Reisen in die USA. O’Hare ist einer der wenigen Flughäfen weltweit, der mehrere große Airline-Allianzen beherbergen kann.

Und um dieses Einfallstor tobt zwischen American Airlines und United Airlines ein erbitterter Kampf. Es geht um Marktanteile, Gates und persönliche Rivalitäten. Platzhirsch ist United Airlines: Die Fluggesellschaft kommt auf einen Marktanteil von 49 Prozent aller Flüge am Flughafen. United gehören mittlerweile 95 Gates. In den USA werden Gates an Airlines für einen bestimmten Zeitraum vermietet oder verpachtet.

American baut aus und United zieht nach

United Airlines hat kürzlich 30 Millionen Dollar für die letzten beiden Gates der insolventen Spirit Airlines gezahlt. American Airlines hat dagegen geklagt und verloren. Die Airline mit Hauptsitz in Dallas kontrolliert derzeit 59 Gates am Flughafen O’Hare. Trotzdem will American Airlines 100 zusätzliche tägliche Flüge aufnehmen, um auf einen Markanteil von 39 Prozent zu kommen.

United Airlines ist deutlich präsenter, dennoch setzt Konzernchef Scott Kirby auf eine aggressive Expansionspolitik, um die Marktführerschaft zu verteidigen. Neben zusätzlichen Flügen nutzt Kirby jede Gelegenheit, um die Konkurrenz zu verhöhnen. Ein besonders provokanter Zug gelang United Ende Januar: Das Unternehmen schaltete großflächig Werbung mit dem Slogan «AAdvantage, United», also Vorteil United. «AAdvantage» ist das Vielfliegerprogramm von American Airlines.

Passagiere profitieren, Airlines leiden

Dieser Wettbewerb kommt den Passagieren zugute: Mehr Konkurrenz bedeutet mehr Auswahl, mehr Direktverbindungen und günstigere Preise. Allerdings warnen Analysten vor einem möglichen Preiskampf, der sich von Chicago aus auf andere Märkte ausweiten könnte. Ein solcher Wettbewerb würde die Margen beider Airlines belasten. Laut aktuellen Daten lag Uniteds operative Marge in Chicago 2025 bei etwa fünf Prozent, während American Airlines eine negative Marge von -9 bis -10 Prozent verzeichnete.

Seit Jahren liegt American Airlines bei der Profitabilität deutlich hinter United und auch Delta zurück. 2025 erzielte American einen bereinigten Vorsteuergewinn von 352 Millionen Dollar, ein Bruchteil der 4,6 Milliarden US-Dollar von United Airlines. Kirby betonte, dass American Airlines jedes Wachstum in Chicago mitgehen werde. Dies sei reines «strategisches Fliegen», um Konkurrenten gezielt zu verdrängen.

Scott Kirby hat eine American Vergangenheit

Kirbys Sticheln gegenüber American Airlines könnte auch persönliche Gründe haben. Er wurde 2016 von American entlassen, wechselte zu United und stieg dort recht schnell zum Chef auf. American Airlines glaubt an das Wachstum in Chicago. «Wir können in Chicago gewinnen, aber dafür müssen wir alle an einem Strang ziehen», sagte Nathaniel Pieper, der Kommerzchef der Airline, vor Mitarbeitern.

Der Kampf um Chicago könnte für American Airlines zum Existenzkampf werden. Die Airline arbeitet derzeit an einem intensiven Turnaround-Plan. Im letzten Jahr verlor die Aktie von American Airlines etwa 14 Prozent an Wert. Scott Kirby äußerte kürzlich, dass er langfristig nur zwei dominierende Full-Service-Airlines im US-Markt sehe – und American gehöre nicht dazu.

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