Flugzeuge von American Airlines und United am Flughafen Chicago O'Hare: Beide Airlines kämpfen um Marktanteile.

United Airlines versus American AirlinesEntscheidet der Kampf um Chicago die Zukunft der US-Luftfahrt?

Noch nie war der Kampf um Marktanteile in Chicago O’Hare härter: American Airlines will wachsen, United will es verhindern. Der Machtkampf freut die Passagiere – für die Airlines wird er zum Existenzkampf.

Top-Jobs

bwlv

Fluggerätmechaniker (m/w/d)

BWLV-Motorflugschule Hahnweide
Vollzeit
Kirchheim/Teck
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Flugschule
Pilatus Logo

Team Leader Account Management

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Hahnair Logo

Compliance Monitoring Manager (all genders)

Hahn Air Lines GmbH
Vollzeit
Düsseldorf
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Luftfahrt
Etihad Job

Captain A320

Etihad Airways
Vollzeit
Abu Dhabi
Top jobs
United Arab Emirates
Feste Anstellung

Am 15. April 1926 startete eine Airco DH.4 mit Post an Bord in Richtung St. Louis. Der Flug war der allererste von American Airlines. Noch heute ist der Flughafen der Metropole am Ufer des Lake Michigan für die Fluggesellschaft zentral. Er ist ihr drittwichtigstes Drehkreuz nach Dallas/Fort Worth und Charlotte.

Diese Bedeutung soll noch steigen. Im Dezember gab American Airlines bekannt, am Flughafen Chicago-O’Hare auszubauen und zum Frühjahrsurlaub täglich 100 zusätzliche Flüge hinzuzufügen. Das bedeute ein Plus von 30 Prozent im Vergleich zu 2025. «Damit festigt American Airlines ihre Position am Flughafen», so die Fluglinie.

American und United kämpfen um Chicago

Chicago O’Hare ist nicht nur ein zentrales Drehkreuz von American Airlines, sondern auch eins von United Airlines. Der Flughafen, der bis 1998 als verkehrsreichster Flughafen der Welt galt, ist bis heute einer der wichtigsten Airports für Reisen in die USA. O’Hare ist einer der wenigen Flughäfen weltweit, der mehrere große Airline-Allianzen beherbergen kann.

Und um dieses Einfallstor tobt zwischen American Airlines und United Airlines ein erbitterter Kampf. Es geht um Marktanteile, Gates und persönliche Rivalitäten. Platzhirsch ist United Airlines: Die Fluggesellschaft kommt auf einen Marktanteil von 49 Prozent aller Flüge am Flughafen. United gehören mittlerweile 95 Gates. In den USA werden Gates an Airlines für einen bestimmten Zeitraum vermietet oder verpachtet.

American baut aus und United zieht nach

United Airlines hat kürzlich 30 Millionen Dollar für die letzten beiden Gates der insolventen Spirit Airlines gezahlt. American Airlines hat dagegen geklagt und verloren. Die Airline mit Hauptsitz in Dallas kontrolliert derzeit 59 Gates am Flughafen O’Hare. Trotzdem will American Airlines 100 zusätzliche tägliche Flüge aufnehmen, um auf einen Markanteil von 39 Prozent zu kommen.

United Airlines ist deutlich präsenter, dennoch setzt Konzernchef Scott Kirby auf eine aggressive Expansionspolitik, um die Marktführerschaft zu verteidigen. Neben zusätzlichen Flügen nutzt Kirby jede Gelegenheit, um die Konkurrenz zu verhöhnen. Ein besonders provokanter Zug gelang United Ende Januar: Das Unternehmen schaltete großflächig Werbung mit dem Slogan «AAdvantage, United», also Vorteil United. «AAdvantage» ist das Vielfliegerprogramm von American Airlines.

Passagiere profitieren, Airlines leiden

Dieser Wettbewerb kommt den Passagieren zugute: Mehr Konkurrenz bedeutet mehr Auswahl, mehr Direktverbindungen und günstigere Preise. Allerdings warnen Analysten vor einem möglichen Preiskampf, der sich von Chicago aus auf andere Märkte ausweiten könnte. Ein solcher Wettbewerb würde die Margen beider Airlines belasten. Laut aktuellen Daten lag Uniteds operative Marge in Chicago 2025 bei etwa fünf Prozent, während American Airlines eine negative Marge von -9 bis -10 Prozent verzeichnete.

Seit Jahren liegt American Airlines bei der Profitabilität deutlich hinter United und auch Delta zurück. 2025 erzielte American einen bereinigten Vorsteuergewinn von 352 Millionen Dollar, ein Bruchteil der 4,6 Milliarden US-Dollar von United Airlines. Kirby betonte, dass American Airlines jedes Wachstum in Chicago mitgehen werde. Dies sei reines «strategisches Fliegen», um Konkurrenten gezielt zu verdrängen.

Scott Kirby hat eine American Vergangenheit

Kirbys Sticheln gegenüber American Airlines könnte auch persönliche Gründe haben. Er wurde 2016 von American entlassen, wechselte zu United und stieg dort recht schnell zum Chef auf. American Airlines glaubt an das Wachstum in Chicago. «Wir können in Chicago gewinnen, aber dafür müssen wir alle an einem Strang ziehen», sagte Nathaniel Pieper, der Kommerzchef der Airline, vor Mitarbeitern.

Der Kampf um Chicago könnte für American Airlines zum Existenzkampf werden. Die Airline arbeitet derzeit an einem intensiven Turnaround-Plan. Im letzten Jahr verlor die Aktie von American Airlines etwa 14 Prozent an Wert. Scott Kirby äußerte kürzlich, dass er langfristig nur zwei dominierende Full-Service-Airlines im US-Markt sehe – und American gehöre nicht dazu.

Wir lieben Flugzeuge – und guten Journalismus. Unser Team aus erfahrenen Redakteurinnen und Redakteuren recherchiert, prüft, erklärt. Unterstützen Sie uns für weniger als einen Cappuccino im Monat – und lesen Sie aeroTELEGRAPH ohne Werbung. Jetzt hier klicken und abonnieren. Jetzt hier klicken und abonnieren

Mehr zum Thema

ticker-condor-beige

Condor fliegt im Sommer 2027 von Frankfurt nach Chicago

ticker-chicago-ohare-ord

USA begrenzen Zahl der Flüge am Flughafen Chicago-O’Hare

ticker-chicago-ohare-ord

Rohrbruch legte Tower in Chicago lahm – Hunderte Flugverspätungen in O’Hare

ticker-schnee

Wintersturm bringt massiven Flugausfall im Mittleren Westen der USA

Video

Ex-Swissair-Personalchef Matthias Mölleney zum Unglück von Flug SR1111: «...»
Als Flug SR111 von Swissair vor Halifax abstürzte, war Matthias Mölleney erst seit 95 Tagen Personalchef der Airline. Plötzlich musste er die Angehörigen und Mitarbeitenden betreuen und zugleich den Flugbetrieb aufrechterhalten. Fast drei Jahrzehnte später erinnert er sich an die schwersten Tage seiner Karriere – und an die Lehren für das spätere Grounding.
Christopher Scheffelmeier
Christopher Scheffelmeier
aeroTELEGRAPH-Herausgeber Stefan Eiselin zum Unglück von Flug SR1111: «»
Rauch im Cockpit, ausfallende Instrumente und schließlich ein nicht mehr kontrollierbares Flugzeug: Der Absturz von Flug SR111 von Swissair kostete 229 Menschen das Leben. Die Erkenntnisse aus der Katastrophe führten später zu neuen Sicherheitsregeln – und wirken bis heute nach.
Christopher Scheffelmeier
Christopher Scheffelmeier
Testflug für die Autoland-Zertifizierung für den Pilatus PC-12: Die Testcrew musste nicht eingreifen.
Knopf drücken, und der Rest passiert von selbst. Pilatus zeigt erstmals, wie Autoland den PC-12 Pro sicher auf die Piste bringt. Easa und FAA haben das System nun für das Flugzeug zugelassen.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies