Normalerweise ist am Flughafen Aéroport de Deauville-Normandie nicht viel los. Nur gerade eine Strecke wird hier das ganze Jahr über bedient. Transavia verbindet ihn mit Marrakesch. Im Sommer kommen saisonale Verbindungen nach Heraklion, Olbia und Palma hinzu, daneben gibt es ab und an einige Charterflüge.
Und genau das macht den nordfranzösischen Flughafen zum idealen Ort, um den Normandy Legacy Flight von Delta Air Lines zu empfangen, der diese Woche zum fünften Mal durchgeführt wurde. Denn nur in Deauville kann man einen großen Teil des Geländes für einen solch großen Anlass mit mehr als 200 Besucherinnen und Besuchern, VIPs und den aus den USA eingeflogenen 27 Veteranen der US Army und ihren Betreuern gleich für einige Stunden sperren. Hinzu kommen die Nähe zu den Landungsstränden des D-Days und eine ausreichend lange Piste für Start und Landung eines Langstreckenflugzeugs.
Noch ein Mal über Omaha, Juno, Gold und Sword Beach
Dieses Jahr steuerte Kapitän Jim Butterworth die Boeing 767-300 ER von Delta Air Lines von Atlanta nach Deauville. Kurz vor 12:00 Uhr mittags erreichte er am 3. Juni mit Sonderflug DL9994 den Flughafen in der Normandie. Doch anstatt zu landen, flog er zuerst weiter und mit den zwischen 99 und 107 Jahre alten Veteranen im Tiefflug auf rund 600 Metern über Sword, Juno, Gold und Omaha Beach - vier der fünf Landungsstrände, an denen am 6. Juni 1944 die alliierten Truppen gelandet waren. Einmal hin und einmal zurück, damit sowohl die im Flieger links sitzenden als auch die rechts sitzenden Ex-Soldaten dorthin hinabschauen konnten, wo sie dereinst für Europas Freiheit gekämpft hatten.
Kapitän Jim Butterworth: Für ihn war der Normandy Legacy Flight sehr emotional. aeroTELEGRAPH
Um 12:25 Uhr schwebte die Boeing 767-300 ER schließlich endgültig Richtung Deauville nieder und landete auf Landebahn 30 des Flughafens. Für Kapitän Butterworth, der als Pilot der Northrop T-38, Lockheed C-5 Galaxy und Rockwell B-1 Lancer selbst in der US Army diente, war es bereits das zweite Mal, dass er diesen speziellen Flug durchführen durfte. «Es ist ein emotionales Ereignis für mich», sagt er im Gespräch mit aeroTELEGRAPH.
Der Kapitän und US-Army-Pilot musste weinen
Letztes Jahr habe ihm einer der mitfliegenden Veteranen beim Aussteigen gesagt, es sei das erste Mal seit 81 Jahren, dass er in die Normandie zurückgekehrt sei. «Da habe ich die Kontrolle verloren», sagt Butterworth, der mehr als 16.000 Flugstunden Erfahrung hat. «Ich musste weinen.»
Der Flug ist aber nicht nur emotional. Er ist auch fliegerisch herausfordernd. Die Hochbetagten zu fliegen, sei für ihn zwar nicht anders, als jüngere Fluggäste zu fliegen, sagt Butterworth. «Wir wissen, dass sie gut versorgt sind, und konzentrieren uns darauf, die beste Verbindung zu finden, den Flug so kurz wie möglich zu halten und sicher hier anzukommen.» Das braucht jedoch genaue Planung.
Auto-Bremssystem der Boeing 767 anpassen
Bei der Planung der Landung berücksichtige man zahlreiche Faktoren - «etwa den Seitenwind, den Zustand der Piste und deren Beschaffenheit», so Butterworth. «So spielen etwa Rillen in der Landebahn, die Wasser ableiten und die Bremswirkung verbessern, eine wichtige Rolle.» Auf dieser Basis passe man das automatische Bremssystem der Boeing 767 an und wähle bei Bedarf eine stärkere Bremsstufe.
«Anschließend berechnen wir die voraussichtliche Landestrecke. Trotz spürbaren Seitenwinds standen dieses Mal aber ausreichend Sicherheitsreserven zur Verfügung – die Landung verlief problemlos und unter besten Bedingungen» so Butterworth. In Atlanta gestartet war die Boeing 767 mit einem Gewicht von 136 Tonnen, gelandet mit etwas über 90 Tonnen. Die Piste in Deauville ist 2550 Meter lang.
Alle Auftriebshilfen ausgefahren
Auch für den besonderen Überflug der Strände musste die Crew um Butterworth planen. Man habe den Flugverlauf im Vorfeld sorgfältig festgelegt, einschließlich der Koordinaten für die Route sowie des Wendepunkts. Da die Boeing 767 da sehr tief und mit einer geringen Geschwindigkeit von um die 230 Knoten oder rund 425 Kilometern pro Stunde unterwegs war, brauchte es aber noch mehr. «Wir haben alle Auftriebshilfen an den Tragflächen ausgefahren», erklärt Butterworth.
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