Skizziert: Joon zeigt, wie ihre Flugzeuge von innen aussehen sollen.

Air-France-TochterWas Joon alles anders machen will

Die neue Tochter Joon soll für Air France Marktanteile von Billigfliegern zurückerobern. Sie spricht junge Reisende an, setzt auf Turnschuhe, Bio-Essen und Digitales.

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Die neue Tochterairline von Air France startet am 1. Dezember. Joon übernimmt ab Paris-Charles de Gaulle die Verbindungen nach Barcelona, Berlin, Lissabon und Porto und wirbt mit Preisen ab 39 Euro für einen One-way-Flug ohne Aufgabegepäck. Auf diesen Strecken mit hoher Lowcost-Konkurrenz wollen die Franzosen Marktanteile zurückgewinnen. Im Sommerflugplan 2018 folgen Langstreckenflüge nach Fortaleza in Brasilien (ab 249 Euro) und Mahe auf den Seychellen (ab 299 Euro).

Air-France-Chef Franck Terner spricht von einem «neuartigen Modell – angesiedelt zwischen einem traditionellen Anbieter und einer Lowcost-Fluggesellschaft». Joon-Chef Jean-Michel Mathieu verkündet, man breche «mit herkömmlichen Traditionen und schöpft Inspiration aus den neuen Ansprüchen von Reisenden». Doch was macht Joon anders?

Sneakers und Fair-Trade-Kaffee

Die neue Air-France-Tochter richtet sich an junge Reisende und versucht diese auch mit einer gewissen Lockerheit anzusprechen. Das beginnt bei den Uniformen der zum Start 140 Flugbegleiterinnen und -begleiter, die unter anderem weiße Turnschuhe tragen. «Slimline-Hosen, Sneakers, neu designte Seemannstreifen und einer ärmellosen Steppjacke», beschreibt die Airline das Crew-Outfit. Außerdem betont sie: «Die Uniformen stammen aus Stoffen, in denen recycelte PET-Plastikflaschen stecken.»

In die gleiche ökologische Kerbe schlägt Joon in Sachen Bordverpflegung und streicht heraus: «20 Prozent der rund 60 angebotenen Köstlichkeiten sind bio.» Außerdem wirbt die Fluggesellschaft mit Smoothies mit 100 Prozent Fruchtgehalt als Vitaminbomben. Gratis sind auf allen Flügen Wasser, Orangensaft, Fair-Trade-Kaffee und Tee. Weitere Getränke sowie Snacks, Sandwiches, Salate und Tapas gibt es in der Business Class kostenfrei, während Fluggäste in der Economy Class zahlen müssen. Auf Interkontinental-Flügen sind immer eine oder zwei freie Mahlzeiten enthalten.

WLAN erst ab 2019

Bei der Unterhaltung an Bord legt Joon wert darauf, dass sich die Passagiere mit ihren Smartphones, Tablets und Laptops mit dem Unterhaltungssystem verbinden und somit auf den eigenen Geräten Serien wie etwa Game of Thrones oder Fargo anschauen können. Auch Web-TV von etwa Red Bull TV oder dem Kanal Viceland des jungen Medienkonzerns Vice steht zu Verfügung.

Air-France-Tochter hat auch an USB-Anschlüsse auf allen Plätzen gedacht. Außerdem bietet die Fluggesellschaft Business-Class-Reisenden auf Langstreckenflügen Virtual Reality Headsets an. Allerdings gibt es bei Joon vorerst kein WLAN an Bord. Ändern soll sich das mit der Lieferung des Airbus A350 für die Langstrecke im Jahr 2019.

Skepsis in der Branche

Ebenfalls abheben will sich Joon bei der Auswahl der Partner. Da finden sich keine großen Hotelketten oder Autoverleiher, sondern zum Beispiel das Entdeckungsprogramm des Zimmervermittlers Airbnb, das dazu einlädt, an der Seite von Einheimischen Städte kennenzulernen. Ebenfalls Partner ist das Unternehmen Waynabox, das ab 150 Euro Überraschungsreisen inklusive Flug und Hotelübernachtungen anbietet und das genaue Reiseziel erst 48 Stunden vor Abflug verrät. Ebenso kündigt Joon an, bald den Service Paper Plan auf der eigenen Webseite zu präsentieren. «Freunde, Familien oder Kollegen können damit Geld sammeln, um eine Reise zu einer Wunschdestination zu verschenken.»

Reicht all dies aus, um aus Joon einen Erfolg zu machen? In der Branche gibt es Stimmen, die dies bezweifeln und nicht nachvollziehen können, warum Air France einen Hybrid aus Billigflieger und konventioneller Fluggesellschaft gründet. Eine Frage ist dabei, ob Joon wirklich wie angekündigt zu erkennbar geringeren Kosten arbeiten kann als Air France.

15 bis 18 Prozent tiefer liegende Kosten waren zuvor als Ziel genannt worden. Doch zum Beispiel beim Personal scheinen die Einsparmöglichkeiten begrenzt. Denn die Piloten sind Air-France-Piloten, die für beide Fluggesellschaften fliegen werden. Nur die Flugbegleiterinnen und -begleiter arbeiten direkt für Joon.

28 Flugzeuge als Ziel

Air France sieht Joon als eine Art Testlabor, um Innovationen auszuprobieren und dann bei Erfolg auch beim Mutterkonzern einzuführen. Zum anderen betont das Unternehmen, damit die Zubringer zum Flughafen Charles de Gaulle zu stärken, von wo aus die Passagiere dann mit Air France etwa weiter nach New York fliegen können. Geplant ist, dass die neue Airline im Jahr 2020 rund 1000 Mitarbeiter hat und eine Flotte von 28 Flugzeugen: 18 A320/A321 für die Mittel- und 10 A340/A350 für die Langstrecke.

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