Boeing 737 von Southwest Airlines: Keine freie Sitzwahl mehr.

Neue StrategieChaos statt Klarheit? Southwest Airlines kämpft mit Kinderkrankheiten bei zugeteilten Sitzplätzen

Alleinsitzende Kleinkinder, vernachlässigte Vielflieger - die neue Praxis der Sitzzuteilung bei Southwest Airlines startet holprig.

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Unabhängigkeit bei Kindern sollte zwar gefördert werden, doch es kann auch zu weit gehen - etwa, wenn ein zweijähriges Kind im Flugzeug nicht neben seinen Eltern sitzt. Das ist gerade bei Southwest Airlines passiert. Die Airline platzierte die Mutter vorn, das eine Kind ein paar Plätze weiter und das Kleinkind saß irgendwo dazwischen.

Der Fall, der sich gerade in den sozialen Medien verbreitet, hat die Debatte über die neue Sitzplatzpolitik von Southwest Airlines neu entfacht. Die Familie hatte keine Sitzplätze gekauft, das System wies sie automatisch zu, allerdings getrennt. Der Vorfall steht sinnbildlich für den holprigen Start des größten Strategiewechsels in der Geschichte der Billigairline.

Radikale Änderung nach 54 Jahren

Denn erst seit dem 27. Januar vergibt Southwest feste Sitzplätze. Damit endet nach mehr als 54 Jahren die freie Platzwahl, bei der Passagiere sich ihren Platz selbst suchten. Die Devise war lange: Je früher die Boarding-Gruppe, desto größer die Auswahl. Das System war Markenzeichen und Kult zugleich.

Nun setzt Southwest auf das, was fast überall sonst eigentlich längst Standard ist: reservierte Sitze, teilweise gegen Aufpreis von mehr als 70 Dollar pro Strecke. Der Schritt kam nicht überraschend. Bereits 2024 hatte Vorstandschef Bob Jordan angekündigt, dass eine deutliche Mehrheit der Kunden feste Sitzplätze bevorzuge.

Southwest Airlines will an Zusatzerlösen verdienen

Zugleich stand das Management unter Druck von Investoren. Zusatzerlöse durch Sitzplatzgebühren und Premiumprodukte gelten als Hebel, um die Profitabilität zu steigern. Zwischen 2018 und 2023 nahmen Airlines in den USA laut einem Bericht der Regierung über zwölf Milliarden Dollar allein mit Sitzplatzgebühren ein. Southwest will davon ebenfalls profitieren.

Doch die Umstellung sorgt für Reibungen, der Fall mit dem allein sitzenden Kleinkind ist nur ein extremes Beispiel. Vielfliegende beklagen fehlenden Platz im Gepäckfach, obwohl sie eigentlich bevorzugt einsteigen sollten. Zudem berichten sie, nicht wie angekündigt in den ersten Boarding-Gruppen aufgerufen worden zu sein.

Management ist sich der Probleme bewusst

Andere kritisieren, dass Passagiere ohne Status früher an Bord gingen und die vorderen Gepäckfächer belegten. Emotional wird es dann in Fällen wie dem der Familie. Das Verkehrsministerium der USA empfiehlt zwar, Kinder kostenlos neben einer Begleitperson zu platzieren, schreibt es aber nicht verbindlich vor. Southwest Airlines verpflichtet sich bislang nicht dazu.

Southwest Airlines betont, man beobachte die Situation genau. Ein Sprecher erklärte gegenüber der Zeitung Dallas Morning News, man analysiere Rückmeldungen und reale Abläufe, um Annahmen zu überprüfen und Anpassungen vorzunehmen. Erste Korrekturen seien bereits in Arbeit, um Abläufe zu glätten und Reibungsverluste zu reduzieren.

Southwest Airlines plant weitere Änderungen

Intern war die Umstellung monatelang vorbereitet worden. Neue Boarding-Anzeigen, angepasste Durchsagen und Schulungen für das Personal sollten den Übergang erleichtern. Manche Crew-Mitglieder begrüßen das Ende des «Sitzplatzrennens», das für Stress in der Kabine sorgte. Andere bedauern den Verlust eines Alleinstellungsmerkmals.

Die Sitzplatzreform ist Teil einer größeren Neuausrichtung. Bereits zuvor hatte Southwest Airlines die jahrzehntelang beworbene Two Bags Fly Free-Politik aufgeweicht und Gebühren für Gepäck eingeführt. Weitere Premiumangebote sind in Planung. An der Börse kommt der Kurswechsel an: Die Aktie legte zuletzt deutlich zu, die Gewinnprognosen für 2026 wurden kräftig angehoben.

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